Mittwoch, 29. Juni 2022

Fanbündnis ruft Vereine zum Verzicht auf Sport­wetten-Sponsoring auf

Fans im Fußballstadion Das Fanbündnis will weniger Sportwetten-Werbung (Bild: Pixabay)

Im deutschen Profifußball ist Sponsoring durch Sportwetten-Anbieter allgegenwärtig. Das Fanbündnis Unsere Kurve e.V. hat die Clubs und Verbände nun zum Verzicht auf diese Partnerschaften aufgerufen. Grund dafür sei die latente Spielsuchtgefahr, die von den Angeboten ausgehe, so die Fanorganisation am Dienstag in einem Statement.

Als Grund für den Aufruf gab das Fanbündnis an, dass Fußballverbände und -clubs ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden müssten. Dies sei beim Thema Sportwetten jedoch nicht gegeben, obwohl Sportwetten-Anbieter in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr Raum einnähmen.

Unsere Kurve ist eine bundesweite Interessenvertretung von Fußballfans. In der 2005 gegründeten Organisation sind die Fanclubs von über 20 Vereinen aus den deutschen Fußballligen vertreten. Damit repräsentiert die Organisation nach eigener Aussage eine sechsstellige Anzahl von Fans unterschiedlicher Clubs wie Eintracht Frankfurt, SC Freiburg, Hamburger SV oder Schalke 04.

Die zunehmende Präsenz der Wettangebote sei kritisch zu betrachten, da bundesweit etwa 500.000 Menschen von Spielsucht oder problematischem Glücksspielverhalten betroffen seien. Sportwetten hätten daran einen bedeutenden, tendenziell weiter steigenden Anteil.

Hinzu komme, dass die Nähe der Sportwetten-Welt zum realen Sport die Gefahr von Spielmanipulation und Wettbetrug erhöhe. In ihrem Statement fordert Unsere Kurve deshalb:

Von Fußballverbänden und -vereinen fordern wir einen Verzicht auf Kooperationen und Sponsoring-Verträge mit Sportwetten-Anbietern. Bei noch bestehenden Verträgen fordern wir Einschränkungen bei der Sichtbarkeit von Werbung für Sportwetten sowie eine finanzielle Beteiligung an unabhängiger Aufklärungs- und Präventionsarbeit.

Mittlerweile würden fast alle Vereine in der einen oder anderen Form mit Buchmachern kooperieren. Ähnliches sei auch auf Verbandsebene bei DFL und DFB zu beobachten, obwohl von dem Glücksspiel für viele Menschen eine Spielsuchtgefahr ausgehe und Minderjährige laut Glücksspielstaatsvertrag überhaupt nicht wetten dürften.

Erschwerend käme laut Unsere Kurve hinzu, dass das Gefährdungspotenzial von Sportwetten „vertuscht“ werde. Es handele sich dabei nämlich nicht, wie in der Werbung suggeriert, um ein harmloses Spiel. Der Hinweis auf die Suchtgefahr von Sportwetten sei nicht ohne Grund für die Werbetreibenden verbindlich.

Appell an Politiker

Unsere Kurve rief verantwortliche Politiker dazu auf, Werbung für Sportwetten stärker zu regulieren. Darüber hinaus müsse auch von dieser Seite aus eine „intensive Aufklärung und Prävention“ betrieben werden. Schließlich handele es sich bei Sportwetten nicht um einen Zeitvertreib, mit dem Spieler gefahrlos Geld verdienen könnten.

Einer von von Statista und Sportfive im Mai 2021 initiierten Umfrage unter 13.000 Fußballinteressierten in Europa zufolge zeigen sich Deutsche beim Wettverhalten eher zurückhaltend. Während in Italien 40 % dieser Interessengruppe erklären, ab und zu Wetten abzuschließen, liegt dieser Wert hierzulande nur bei 31 %. Damit rangieren deutsche Spieler hinter spanischen und französischen (je 38 %) sowie britischen (37 %) Fans.

Wie gering die Gewinnaussichten der Fußballfans tatsächlich sein können, zeigt der Bericht European Football Benchmark 2021 von Statista und Sportfive. Diesem zufolge habe mit 26 % lediglich etwas mehr als ein Viertel der Sportwetten-Anhänger erklärt, mehr Gewinne als Verluste zu erzielen. Ob dieser Umstand und der Fanaufruf dazu führen, Sportwetten-Sponsorings im deutschen Fußball zurückzudrängen, ist jedoch fraglich.