Mittwoch, 07. Dezember 2022

Match-Fixing-Vorwurf gegen Schiri: BVB-Chef sieht wenig Chance auf Aussprache

Leeres Fussballfeld aus der Vogelperspektive Match-Fixing-Vorwurf: Alter Skandal sorgt für neue Fronten (Quelle:unsplash.com/Bence Balla-Schottner)

Die umstrittenen Äußerungen von BVB-Star Jude Bellingham nach dem verlorenen Spitzenspiel gegen den FC Bayern vom Wochenende sorgen weiterhin für Furore. Der Engländer hatte dem Schiedsrichter Felix Zwayer in einem Interview vorgeworfen, in der Vergangenheit in Spielmanipulationen verwickelt gewesen zu sein.

Der DFB verhängte daraufhin eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 EUR gegen den 18-jährigen Engländer. Nach öffentlichen Äußerungen des Referees meldete sich nun BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erneut zu Wort. Er stellt sich an die Seite seines Spielers.

BVB-Chef sieht keine Basis für Gespräche

Laut Spiegel habe Watzke Gesprächswünschen von Schiedsrichter Zwayer gestern am Rande des Champions-League-Spiels gegen den türkischen Meister Beşiktaş „keine große Realisationschance“ eingeräumt.

Der Referee hatte unter anderem Medienvertretern gegenüber geäußert, die jüngsten Geschehnisse gern im persönlichen Gespräch mit Jude Bellingham aufarbeiten zu wollen. Er wünsche sich eine aufrichtige Entschuldigung. Der Spiegel zitiert Watzke mit den Worten:

Wenn Herr Zwayer (…) ein Schreiben schickt und so ein Gespräch anregt, kann man gerne darüber diskutieren. Wenn ich aber eine Stunde später das Gleiche dann schon in den Medien lese mit Original-Zitaten, dann muss ich sagen: Ich führe keine vertraulichen Gespräche mit irgendjemanden [sic!], wo es eine Stunde später schon im Boulevard steht. So geht das nicht.

Der Eklat hatte seinen Anfang genommen, nachdem der BVB am vergangenen Samstag eine Niederlage von 2:3 gegen Bayern München hatte hinnehmen müssen. Dortmunder Fans und Spieler machten im Anschluss angebliche Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Felix Zwayer für die Niederlage verantwortlich.

„Was soll man schon erwarten?“

Besonders aufgebracht zeigte sich nach dem Spiel der seit Sommer 2020 bei den Borussen unter Vertrag stehende Mittelfeldspieler Jude Bellingham. In einem Interview mit dem norwegischen Sender Viaplay Fotball holte er zur verbalen Attacke gegen den Unparteiischen aus.

So stellte er die rhetorische Frage, was man erwarte, wenn man das größte Spiel in Deutschland einem Schiedsrichter anvertraue, der bereits in der Vergangenheit Spiele manipuliert habe.

Die Äußerungen blieben nicht ohne Folgen. Das Sportgericht des DFB erkannte in der Aussage Bellinghams unsportliches Verhalten. Es folgte eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 EUR.

Zwayer selbst zeigte sich im Bild-Interview empört über die Worte des Spielers. Die Aussage sei ein persönlicher Angriff „verunglimpfend und respektlos“. Zudem sei er nie an Spielmanipulationen beteiligt gewesen. Entsprechende Äußerungen dürften nicht so stehenbleiben.

Zwayer und die Causa Hoyzer

Mit seinem Interview hat Bellingham den bislang größten Match-Fixing-Skandal der deutschen Fußballgeschichte erneut auf die Titelseiten gebracht. Im Jahr 2005 hatte der damalige DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer zugegeben, Spiele des DFB-Pokals, der 2. Bundesliga und der Regionalliga verschoben zu haben.

Im Hintergrund war es um Wettbetrug in großem Stil gegangen, der von mafiösen Strukturen aus Kroatien gesteuert worden sein soll. Felix Zwayer war damals Linienrichter bei Hoyzer-Spielen und hatte die Ermittlungen gegen seinen Kollegen mit angestoßen.

Recherchen der ZEIT hatten im Jahr 2014 hervorgebracht, dass auch die Rolle Zwayers im Hoyzer-Skandal Fragen aufgeworfen hatte.

So existiere ein Urteil des DFB aus dem Jahr 2006, nach dem sich Zwayer „grob sportwidrig“ verhalten habe. Diesem zufolge habe der heute 40-Jährige unter anderem einem „Anwerbeversuch Robert Hoyzers nicht in der von einem redlichen Schiedsrichter zu erwartenden Art und Weise widersprochen und das Geld entgegengenommen“.

Dennoch sei der DFB zu dem Schluss gekommen, dass Zwayer der „tatsächlichen Beteiligung an den Spielmanipulationen widerstanden“ habe. Letztlich habe der Verband den Schiedsrichter mit einer sechsmonatigen Sperre belegt. Zwayer habe akzeptiert. Ein Verfahren der Staatsanwaltschaft sei wegen Geringfügigkeit eingestellt worden.

Die 40.000-EUR-Strafe ist die höchste, die der DFB bislang wegen unsportlichen Verhaltens gegen einen Bundesliga-Profi ausgesprochen hat. Sowohl der BVB als auch Bellingham haben die Sanktion akzeptiert. Medienberichten zufolge sollen sich Spieler und Verein die Summe teilen.