, 06.12.2019

Der britische Fußballprofi Andros Townsend hat sich in einem Artikel ausführlich über seine Spielsucht geäußert. Dabei gab der 28-Jährige an, einmal in nur einer Nacht 46.000 Pfund Sterling verspielt zu haben.

 

Der für den englischen Premier League Crystal Palace spielende Townsend schreibt in einem von dem Onlinemagazin The Players’ Tribune [Seite auf Englisch] veröffentlichten Artikel über seine Glücksspielprobleme. Darin gibt der 13-fache englische Nationalspieler zu, in der Vergangenheit hohe Geldbeträge verspielt zu haben.

 

Wetten aus Langeweile

Als Grund für seine teilweise exzessive Wettleidenschaft führt der Profi Langweile an. So habe er angefangen, bei Hotelübernachtungen vor Fußballspielen zu wetten. Als ein Beispiel gibt er eine Nacht im Jahr 2012 in Blackpool an, wo sein Team untergebracht war.

 

Dort habe er auf dem Bett gelegen und aus Langeweile begonnen, zu wetten:

Ich trinke nicht. Ich nehme keine Drogen. Ich denke, dass ich in meinem ganzen Leben niemals in einen Nightclub gewesen bin. Und trotzdem habe ich es geschafft, 46.000 mit nur einem Tipp auf mein Smartphone zu verlieren.

Auslöser seien die Anzeigen für eine mobile Wett-App gewesen. Diese habe er sich auf sein Handy geladen und danach damit begonnen, immer mehr Wetten abzuschließen. Von da an sei er sehr schnell abhängig geworden.

 

Townsend schildert das rasche Abgleiten in die Spielsucht:

Ich lud mir die App aufs Gerät und habe ein wenig gewettet, um mir die Zeit zu vertreiben. Innerhalb weniger Monate war ich außer Kontrolle. Ich habe immer weiter verloren. Dann, innerhalb eines Augenblicks, war ich total abhängig.

Townsend gibt offen zu, sich in dieser Zeit kaum auf den Fußball konzentriert zu haben, da all seine Gedanken darum gekreist hätten, wie er das verlorene Geld zurückgewinnen könne.

 

Allerdings berichtet Townsend, dass er mit seiner Spielleidenschaft nicht allein gewesen sei. So hätten sich Gespräche mit anderen Spielern häufig um Glücksspielthemen gedreht. Es sei ganz normal gewesen, über Wetten auf Rugbymatches oder Pferderennen zu sprechen. “Es war Teil der Kultur”, so Townsend in der Players’ Tribune.

 

Bereits 2013 mit Wettgeschäften auffällig geworden

Andros Townsends Hang zum Glücksspiel ist seit Langem bekannt. So fiel der Spieler bereits 2013 durch Wetten auf Fußballspiele auf. Diese sind im britischen Fußball für Offizielle und Spieler verboten, sobald es um Wetten in der eigenen Liga oder in Wettbewerben geht, an denen der eigene Verein spielt oder gespielt hat.

Andros Townsend ist nicht der erste Fußballspieler auf den britischen Inseln, dessen Spielsucht bekannt geworden ist. So wurde im letzten Jahr öffentlich, dass der für Celtic Glasgow stürmende Leigh Griffiths wegen seiner Spielsucht und damit verbundenen psychischen Problemen eine Spielpause eingelegt hat.

 

In der Vergangenheit haben auch Fußballstars wie der ehemalige Leeds United-Kapitän Dominic Matteo, Chelsea-Stürmer Eidur Gudjohnsen oder der deutsche Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann zugegeben, für ihre Spielsucht Hunderttausende oder gar Millionen ausgegeben zu haben.

Schon damals hatte Townsend erklärt, aus Langeweile auf die Webseiten der Buchmacher gegangen zu sein. Allerdings informierte ihn sein Wettbüro nach Abgabe diverser Fußballtipps, dass diese Wetten verboten seien und dass es den Fall dem englischen Fußballverband (FA) gemeldet habe.

 

Daraufhin leitete die FA ein Verfahren gegen den damals noch bei Tottenham Hotspurs spielenden Profi ein. Dieses endete für Townsend mit einer viermonatigen Sperre und einer Geldbuße in Höhe von 18.000 Pfund. Auch Townsend zog Konsequenzen, denn er trat daraufhin aus der U21-Nationalmannschaft zurück.

 

Heilsame Bestrafung

Vereinsswappen Crystal Palace

Townsends derzeitiger Club (Bild: Twitter/Crystal Palace)

Rückblickend ist Townsend äußerst dankbar für die damalige Strafe. Er habe bis zu den Ermittlungen der FA kontinuierlich gespielt und sei “am Ende” gewesen. Nach seiner Suspendierung habe er sich professionelle Hilfe gesucht, um seine Spielsucht effektiv zu bekämpfen.

 

Aus diesem Grund sieht er die Strafe inzwischen als äußerst heilsam an, denn sie habe nicht nur seine Karriere als Fußballspieler, sondern wahrscheinlich seine Existenz gerettet. Zudem habe ihm der Vorfall dabei geholfen, “zu einem besseren Menschen zu werden”, so der Fußballprofi, der optimistisch in die Zukunft blickt.

 

Seit 2016 spielt Townsend für seinen jetzigen Club Crystal Palace, für den er seitdem bei 138 Matches auf dem Platz stand. Allein in der vergangenen Saison erzielte er dabei sechs Tore. Es scheint, als ob der Optimismus des Spielers berechtigt ist.