Sonntag, 26. Juni 2022

Großbritannien: Neues Forschungsprojekt zu Frauen und Spielsucht

Frau sitzt in der Ecke eines Raums Fensterläden werfen Schatten

Die britische Spielerschutz-Organisation GambleAware investiert 250.000 GBP in ein neues Forschungsprojekt zum Thema Frauen und Spielsucht. Den Zuschlag für die Studie haben das Forschungsinstitut IFF Research, die Universität Bristol und das GamCare Women’s Programme erhalten. In seiner am Freitag veröffentlichten Pressemeldung erläutert GambleAware die Ziele des Projekts [Seite auf Englisch]

Das Projekt ist Teil der im April 2021 von GambleAware angekündigten 5-Jahres-Strategie. Diese basiert auf vier Ansätzen, welche zu einer „Spielsucht-freien Gesellschaft“ führen sollen:

  • Bewusstseinsschaffung und Verstehen von Glücksspiel-Schäden
  • Einfacherer Zugang zu Hilfsangeboten für alle Bevölkerungsgruppen
  • Erhöhung der Kapazitäten innerhalb von Gesundheits- und Gemeinde-Dienstleistungen, um den Umgang mit Glücksspiel-Schäden zu verbessern
  • Verbesserung der Kohärenz, Zugänglichkeit, Diversität und Effizienz des National Gambling Treatment Service

Suche nach Spielsucht-Treibern und Gegenmaßnahmen

Laut Forschungsauftrag sollen die Institutionen zunächst einen Einblick in das Leben direkt und indirekt von Spielsucht betroffener Frauen geben. Dazu sollen individuelle Interviews sowie offene Diskussionen mit Betroffenen durchgeführt werden. Von Interesse seien dabei nicht nur spielsüchtige Frauen, sondern auch Frauen, die unter der Spielsucht einer nahestehenden Person leiden.

Eine der Kernfragen der Untersuchungen solle sein, welche Faktoren die Entwicklung von Spielsucht bei Frauen in der heutigen Zeit begünstigten. Weiterhin sollen die den Frauen aktuell zur Verfügung stehenden Hilfsangebote bewertet werden.

Die Forscher sollen in dem Zusammenhang konkrete Vorschläge liefern, welche Dienstleistungen, Maßnahmen oder Regelungen verbessert werden müssten, um Frauen vor Glücksspiel-bedingten Schäden besser zu schützen.

Mangelnde Forschung zum Thema

Wie GambleAware erklärt, erhalte das Thema Spielsucht bei Frauen noch immer zu wenig Aufmerksamkeit. Ein Großteil existierender Studien beziehe sich bislang auf Männer. Alison Clare, Forschungsleiterin bei GambleAware, kommentiert:

Die Erfahrungen von Frauen mit Glücksspiel-Schäden sind zu wenig erforscht und werden oft als übereinstimmend mit den Erfahrungen von Männern dargestellt. Wir sind erfreut, die Forschungsgelder an dieses starke […] Team zu überreichen, welches den Erfahrungen und Bedürfnissen verschiedener Gruppen von Frauen auf den Grund gehen wird.

Sie hoffe, dass die Ergebnisse der Studie dazu beitragen werden, dass mehr Frauen Hilfsangebote in Anspruch nehmen könnten und wollten.

Insgesamt komme es bei der Spielsucht-Forschung darauf an, sich auf unterschiedliche Gruppen zu konzentrieren, heißt es weiter in der Pressemeldung. So bestehe beispielsweise auch Bedarf für zielgerichtete Forschung zu den Minderjährigen oder Menschen ethnischer Minderheiten.

Auch sollten Zusammenhänge zwischen Spielsucht und Gesundheit sowie sozialer Ungleichheit untersucht werden. GambleAware habe sich zum Ziel gesetzt, sich jedem dieser Bereiche zu widmen und einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.