, September 19, 2018

Schon lange tobt weltweit die Diskussion um die sogenannten Lootboxen, mit denen Gaminghersteller in den vergangenen Jahren ein lukratives Modell etabliert haben, um weitere Umsätze zu generieren.

Nachdem Belgien und die Niederlande sich bereits für ein hartes Vorgehen gegen die In-Game-Käufe entschieden haben, ziehen 16 weitere Länder mit einer gemeinsamen Erklärung nach.

 

Lootboxen: Spiel oder Glücksspiel?

 

Die Lootbox (auch Loot Crate oder Prize Crate) gehört mittlerweile in vielen Computer- und Konsolenspielen zum Alltag. Sie enthält eine Sammlung von speziellen Gegenständen oder Waffen, die nicht selten spielentscheidend sein können.

Das Problem: Diese Schatz- oder Beutetruhen müssen extra mit Echtgeld oder einer Spielwährung gekauft werden und das, obwohl der Inhalt dem Spieler in den allermeisten Fällen zuvor nicht bekannt ist.

Kritiker beklagen, dass ohne Extrakosten ein umfassendes Spiel nicht mehr möglich ist und somit ein Pay-to-Win-System Einzug gehalten hat. Noch schwerer wiegt allerdings der Vorwurf, dass es sich bei den Lootboxen um ein durch die Hintertür eingeführtes Glücksspiel handle.

 

2017 drang das Thema „Lootboxen“ mit aller Macht in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit. Bereits vor Veröffentlichung des Spiels „Star Wars Battlefront 2“ brach ein Sturm der Entrüstung über den Spielehersteller EA herein.

 

Chris Lee, Mitglied des hawaiianischen Repräsentantenhauses, nannte das Spiel aufgrund der enthaltenen Lootboxen „ein Online-Casino im Star-Wars-Gewand für Jugendliche – und eine Falle“. EA bediente sich seiner Meinung nach „räuberischer Praktiken“.

 

Nach anhaltender Kritik, auch in sozialen Netzwerken, entschied sich Hersteller Electronic Arts wenige Stunden vor Verkaufsstart gegen den Einsatz von Echtgeld und für die Zahlung via Credits, die im Spiel verdient wurden.

 

Der Skandal ließ den Börsenwert von EA um 3,1 Milliarden Dollar fallen. Auch die Marke „Star Wars“ wurde laut Experten nachhaltig geschädigt.

 

Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

 

Suchtexperten sehen insbesondere Kinder und junge Spieler in Gefahr, da sie leichter manipulierbar sind und die Konsequenzen ihrer Handlungen schlechter einschätzen können. Vorstöße, Lootbox-Spiele in Deutschland mit einem Mindestalter ab 18 zu versehen, wurden bislang zwar nicht umgesetzt, fanden aber auf breiter politischer Basis Anklang.

 

In einer gemeinsamen Erklärung haben nun die Glücksspielbehörden von 16 Ländern offensiv vor dem Einzug des Glücksspiels um echtes Geld in Video- und Onlinegames gewarnt. Zudem kündigten sie an, sich dem Thema stärker widmen und in Zusammenarbeit mit der Gamingindustrie nach praktikablen Lösungen suchen zu wollen.

 

Die Veröffentlichung, die unter dem Titel „Declaration of gambling regulators on their concerns related to the blurring of lines between gambling and gaming (dt.:„Erklärung der Glücksspielbehörden und deren Besorgnis bezüglich des Verschwimmens der Grenzen zwischen Spiel und Glücksspiel“) auf Englisch im Netz abrufbar ist, stellt insbesondere den Jugendschutz heraus.

Und auch Neil McArthur, Vorstand der britischen Glücksspielbehörde macht im Statement klar:

Wir ermutigen Videospielunternehmen dazu, mit den Glücksspielbehörden zusammenzuarbeiten und Maßnahmen zu treffen, um diese Bedenken ernst zu nehmen und sicherzustellen, dass Konsumenten und vor allem Kinder geschützt werden. Wir wollen, dass Eltern sich der Risiken bewusst sind und mit ihren Kindern darüber sprechen, wie es möglich ist, sich sicher im Internet zu bewegen.

Die staatlichen Vertreter kündigen an, die lokale Rechtslage der verschiedenen Länder in Bezug auf die In-Game-Käufe anzupassen, um eine bessere Handhabe zu haben. Zudem sollen sich künftig auch Verbraucherschutzinstitute gezielt mit der Thematik auseinandersetzen und in der Lage sein, gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen die Anbieter einzuleiten.

 

Sanfte Forderung an die Industrie

 

Konkrete Konsequenzen nennt die Veröffentlichung nicht, in erster Linie setzt man zunächst auf die Kooperation der Branche.

Inwieweit dieser Ansatz realistisch ist, wird die nähere Zukunft zeigen. Gaming-Riese EA geriet zuletzt in die Schlagzeilen, weil das Unternehmen den Handel mit Lootboxen trotz offiziellen Verbots in Belgien nicht eingestellt hat.

 

Verfasst wurde die nun veröffentlichte Erklärung unter anderem von den Glücksspielbehörden Frankreichs, Spaniens, Großbritanniens und Österreichs. Auch David Trujillo, Leiter der Glücksspielbehörde des US-Staates Washington, gehört zu den Unterzeichnern.

Deutschland ist nicht Teil der Erklärung. Hierzulande ist nicht der Bund, sondern jedes einzelne Bundesland für Fragen in Bezug auf den Umgang mit Glücksspiel zuständig.