, 20.10.2021

In vielen europäischen Ländern stand oder steht die Neuregulierung des Glücksspiels an. Neben dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag und dem neuen Glücksspielgesetz der Niederlande wird auch in Staaten wie Großbritannien und Irland intensiv über strengere Regeln für die Branche diskutiert. Studien der belgischen Non-Profit-Organisation European Organization for Gaming Law (EOGL) und des Sportwetten-Anbieters BtoBet haben nun beleuchtet, inwieweit sich eine zu starke Regulierung negativ auf das legale Glücksspiel auswirken kann.

 

Spielt eine zu starke Regulierung dem Schwarzmarkt in die Hände?

Die EOGL [Seite auf Englisch] warnte, dass eingeschränkte Werberechte, Spielerlimits oder eine hohe Besteuerung dazu führen könnten, dass die Attraktivität der nicht an die Regeln gebundenen Schwarzmarkt-Anbieter steige. Dieses Ergebnis deckt sich mit den am Dienstag präsentierten Erkenntnissen des Buchmachers BtoBet.

 

Dieser griff für seine Untersuchung auf Daten der Marktforschungsinstitute H2 Gambling Capital und Regulus Partners zurück. Daraus werde ersichtlich, dass angesichts der vielen neuen Vorgaben im deutschen Glücksspielmarkt die Gefahr einer Überregulierung bestehe. Dies sei allerdings oft gar nicht nötig, da sich der Markt vielfach selbst regele.

Als Beispiel nennt der Sportwetten-Anbieter die Höhe der monatlichen Einsätze beim Online-Glücksspiel. Demnach setzten 79 % der Online-Automaten-Spieler unter 100 Euro. Zudem blieben 99,5 % unter dem nun geltenden Einsatzlimit von 1.000 Euro. Somit sei diese Grenze bereits vor der Regulierung von fast keinem Spieler überschritten worden.

Trotz der Gefahr einer Überregulierung sehen die Analysten die Zukunft des Glücksspiels in Deutschland grundsätzlich positiv. Sie gehen davon aus, dass der Markt bis 2024 von rund 13,3 Mrd. auf 15,6 Mrd. Euro anwachse.

 

Kritische Lage in Großbritannien?

Neben Deutschland wird in der BtoBet-Studie die Situation in Großbritannien bewertet. Auch dort stünden im Rahmen der anstehenden Neufassung des Glücksspielgesetzes strengere Restriktionen im Raum, die sich negativ auf die Branche auswirken könnten.

Welche gravierenden Folgen Gesetzesverstöße für britische Glücksspielanbieter bereits haben, zeigen die Strafen, die die Glücksspielbehörde in der Vergangenheit verhängt hat. BtoBet zufolge habe die Summe der Strafzahlungen der lizenzierten Glücksspielbranche in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich 20 Mio. GBP (23,7 Mio. Euro) gelegen.

Neben hohen Strafen sieht die EOGL weitere Risiken. So führten eine aus Sicht der Glücksspielanbieter ungerechte Besteuerung, Spielpausen und Einsatzlimits oder das Verbot von Zahlungsmitteln dazu, dass die Attraktivität des legalen Glücksspiels für Unternehmen und Spieler leide.

 

Die Analysten erkennen in der strengen Regulierung die Gefahr, dass immer mehr Anbieter und Spieler auf den unkontrollierten Schwarzmarkt ausweichen könnten. Direkte Folge einer solchen Entwicklung wäre ein reduzierter Spieler- und Jugendschutz.

 

Obwohl die Mittel des Staates im Einzelnen wichtige Faktoren zur Kontrolle des Glücksspiels seien, resümiert das EOGL-Team, könne eine zu starke Regulierung viele Nachteile bringen. Auch für den Staat, denn dieser erleide finanzielle Einbußen, wenn die Steuerabgaben der lizenzierten Anbieter ausblieben.