, 18.04.2020

Die indische Online-Glücksspielbranche wird zum begehrten Investitionssektor für asiatische Großkonzerne.

 

Wie das Nachrichtenportal Bloomberg (Link auf Englisch) am Mittwoch berichtet hat, investierten Unternehmen wie die chinesische Alibaba Gruppe, Tencent Holdings und die japanische SoftBank Hunderte Millionen US-Dollar in indische Glücksspiel-Apps.

 

Für die milliardenschweren Konzerne ein aussichtsreiches Geschäft. Laut Expertenschätzung könne das Business mit dem Online-Glücksspiel bis zum Jahre 2024 bereits 3,3 Milliarden US-Dollar (ca. 3 Milliarden Euro) in die Kassen der Betreiber spülen.

Obgleich die indischen Bundesstaaten regeln, ob und welche Glücksspielspiele legal sind, wird die Legalität der Online-Angebote landesweit kontrovers diskutiert. Teilweise nutzten Anbieter immer noch rechtliche Schlupflöcher, um Sach- und Bargeldpreise im Internet offerieren zu können, wie es im Bloomberg-Bericht heißt. Abhängig sei dies vom Charakter der Spielvariante. So seien beispielsweise Rummy und Fantasy Sports legale Geschicklichkeitsspiele und somit auch im Internet erlaubt.

Indiens reichster Mann, der Petrochemie-Unternehmer Mukesh Ambani, rechne sogar damit, dass das Online-Glücksspiel bis zu 12 Milliarden US-Dollar (ca. 11 Milliarden Euro) umsetzen und damit mehr Einnahmen als Musik- und TV-Streaming generieren könne.

 

Was treibt das Wachstum des indischen Online-Glücksspiels?

 

Online-Glücksspiele wie Fantasy Sports und Sportwetten werden in Indien vor allem durch den Ausbau des Telekommunikationsnetzwerks begünstigt. Über Mobilgeräte wird es Verbrauchern immer häufiger möglich, Glücksspielangebote im Internet zu nutzen.

 

Vishal Seth, Managing-Direktor der US-amerikanischen Beratungsfirma Protiviti, bewertet die Aussichten für das Online-Glücksspielgeschäft wegen der Verbesserung der technischen Infrastruktur positiv:

„Indien ist gut positioniert, um die Glücksspielbranche exponentiell auszubauen. Die Online-Plattform hat sehr gute Wachstumsaussichten, wenn man bedenkt, dass Indien die weltweit größte Jugendbevölkerung und die zweitgrößte Internetdurchdringung hat.“

Dieser Umstand ist auch durch Userzahlen belegbar. Schon jetzt sollen mehr als ein Drittel der 1,3 Milliarden Einwohner des indischen Subkontinents das Internet nutzen. Bis zu 300 Millionen Personen machten von Glücksspiel-Applikationen Gebrauch.

 

Am beliebtesten seien gegenwärtig Apps für Fantasy Sport, besonders Fantasy Cricket. Für Tech-Firmen wie Alibaba und Tencent Holdings seien die Anwendungen interessant, weil sich deren Geschäftsmodell intensiv um die Nutzung von Mobiltelefonen drehe, meint Girish Menon von der Beratungsfirma KPMG.

 

Ob Glücksspiel-Apps weiterhin boomen und auch westliche Investoren nach Indien locken werden, könnte aber nicht zuletzt davon abhängen, ob der rechtliche Rahmen für das Online-Glücksspiel weiter ausgestaltet und damit transparenter wird.