, 22.10.2020

Kommentatoren-Legende Werner Hansch (82) findet es „absolut bedauerlich“, wenn Sportler wie Oliver Kahn ihre Prominenz für Glücksspiel-Werbung nutzen. Dies erklärte der diesjährige Gewinner des TV-Formats Promi Big Brother in seiner neuen Funktion als Botschafter des bundesweiten Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. dem Kölner Express gegenüber.

 

„Gefüllt wie eine Weihnachtsgans“

 

Für Werner Hansch steht fest, dass sich Sportler lieber in der Suchtprävention engagieren sollten, statt als Glücksspiel-Markenbotschafter Geld zu verdienen. Hansch selbst lebe eigenen Angaben zufolge nach rund zehnjähriger Spielsucht seit rund acht Monaten abstinent.

 

Angesprochen auf prominente Werbegesichter der Branche fand der Botschafter des Fachverbands Glücksspielsucht im Gespräch mit dem Express deutliche Worte:

Aus meiner Sicht im Kern absolut bedauerlich. Solche Gesichter sollten sich auf der anderen Seite engagieren. Dann hätten sie eine Laola verdient. Wenn sie sich also GEGEN Glücksspiel engagieren würden. Gewinnen kann auf Dauer niemand. Das ist ausgeschlossen, weil diese Unternehmen sonst allein nicht diese Summen für Werbung hätten. Schon daran kann man erkennen, dass nur die eine Seite gewinnt.

Insbesondere das Verhalten von Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn stößt bei dem mittlerweile abstinenten Sportreporter, der eigenen Angaben zufolge rund eine halbe Million Euro durch Sportwetten verloren habe, auf Kritik. Kahn ist seit Ende 2012 Markenbotschafter für Sportwettenanbieter und Bayern- Trikotsponsor Tipico.

 

Er gehe davon aus, dass der finanziell gut aufgestellte Kahn „gefüllt wie eine Weihnachtsgans“ sei. Deshalb stelle sich die Frage, warum der neue Bayern-Vorstand es nötig habe, für Glücksspiel zu werben.

 

Unterstützung durch Party-Sänger

 

Noch unverständlicher, so Hansch, werde Kahns Werbe-Engagement durch die Tatsache, dass Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß seinerseits „auch über eine besondere Art von Spielsucht gestürzt“ sei.

Während die Diskussion um Prominente in der Glücksspielwerbung in anderen Ländern bereits seit langem in vollem Gange ist, erschwerte die unklare Rechtslage hierzulande bislang die Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Entwurf zum neuen Glücksspielstaatsvertrag, der 2021 in Kraft treten soll, erklärt „Werbung für Sportwetten mit aktiven Sportlern und Funktionären“ für „unzulässig“. Das Regelwerk muss noch von den Landesparlamenten und der EU abgesegnet werden.

Unterstützung erhielt Hansch von seinem Big Brother-Kumpel, dem Party-Sänger Ikke Hüftgold. Mit Bezug auf die Äußerungen des 82-Jährigen erklärte das Ballermann-Urgestein via Facebook, dass Kahn und der FC Bayern in Sachen Glücksspielsucht ein fatales Zeichen setzten und die Rolle eines „Brandbeschleunigers“ übernähmen.

 

Weiterhin kritisierte der Entertainer, dass diverse Fußballer in Kauf nähmen, ganze Familien zu zerstören, so lange sie nur genug Geld für ihre Werbetätigkeit bekämen.

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