, 17.11.2018

An diesem Wochenende geht die knapp acht Monate dauernde Pause im Skisprung-Weltcup mit dem ersten Wettbewerb im polnischen Wisla zu Ende. Einen eindeutigen Favoriten für den Gewinn des Gesamtweltcups gibt es noch nicht, doch auch in diesem Jahr werden sich Stars wie Kamil Stoch, Stefan Kraft, Richard Freitag und der ewige Oldie Noriaki Kasai auf den Schanzen wieder spannende Duelle liefern.

 

Kleiner Favoritenkreis

Obwohl sich bei den im Sommer stattfindenden Springen kein Athlet derart in Szene setzen konnte, um als Favorit für die anstehenden Springen zu gelten, geben die Experten nur wenigen

Skischanze Garmisch

Auch in Garmisch wird gesprungen (Bild: Wikipedia)

Sportlern eine Chance auf den Gesamtsieg. Die deutschen Fans dürfte freuen, dass auch Richard Freitag zu diesem erlauchten Kreis gezählt wird.

 

Als erster Anwärter wird in diesem Jahr erneut der Pole Kamil Stoch genannt. Dieser sprang eine überragende Saison 2017/18 und zeigte sich im Sommer gut erholt von deren Strapazen. Gegen seinen Durchmarsch spricht jedoch die Statistik: In den vergangenen zehn Jahren ist es keinem der Vorjahres-Sieger gelungen, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen.

 

Neben Stoch gilt vor allem der Österreicher Stefan Kraft als härtester Konkurrent, wenn es um Weltcupsiege geht. Der Gesamtsieger von 2016/17 zeigte sich in den letzten Jahren meist in Bestform, sobald es um die entscheidenden Sprünge ging. Auch der Name des Norwegers Robert Johansson fällt im Zusammenhang mit den vorderen Plätze relativ häufig. In der vergangenen Saison zeigte der Mann mit dem beeindruckenden Schnurrbart am Schanzentisch mehrfach, was in ihm steckt.

 

Deutsche Starter mit guten Siegchancen

Daneben machen sich die deutschen Skispringer um Richard Freitag und Andreas Wellinger berechtigte Hoffnungen auf Siege und Podest-Platzierungen. Richard Freitag geht als Zweiter des Gesamtweltcups der Vorsaison gesund und optimistisch ins Rennen und erhofft sich bei den kommenden Springen die eine oder andere Top-Platzierung.

Saisonhöhepunkt Vierschanzentournee
Da in dieser Saison keine Olympischen Spiele stattfinden, findet ein Saisonhöhepunkt bereits um die Jahreswende statt: Dann geht es bei der legendären Vierschanzentournee darum, in knapp zwei Wochen auf den vier Schanzen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen möglichst viele Punkte zu sammeln, um am Ende ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Bei der letzten Austragung war Titelverteidiger Kamil Stoch der überragende Springer, der mit seinen vier Siegen den Fabelrekord von Sven Hannawald aus dem Jahr 2002 einstellte. Der entthronte Rekordhalter war der letzte deutsche Gesamtsieger der Tournee.

 

Freitags Teamkollege Andreas Wellinger zählt ebenfalls zum Kreis der Favoriten. Seine Stärke hat er in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Siegen bei wichtigen Springen unter Beweis gestellt. Wenn es ihm nun gelingt, die Leistung konstant abzurufen, dürfte sich der junge Sportler bei den einzelnen Springen und im Gesamtweltcup ganz weit vorne platzieren.

 

Buchmacher sehen Stoch und Kraft vorne

Die Erwartungen von Experten und Fans decken sich mit den Quoten, die Wettbüros für die Favoriten ermittelt haben: Bei den Buchmachern liegt Kamil Stoch mit einer Quote von 1:1,6 weit vor Stefan Kraft (1:7,3) und Robert Johansson (1:10,5). Dann folgen jedoch bereits Richard Freitag (1:13,7) und mit etwas Abstand Andreas Wellinger (1:19,8).

 

Ähnlich sehen die Quoten aus, wenn es um den Sieger des ersten Springens am morgigen Sonntag geht. Wer auf einen Sieg des inzwischen 46-jährigen Nordaki Kasai setzt, bekäme im Falle eines tatsächlichen Triumphs des Japaners für einen Euro mehr als das Hundertfache ausbezahlt.

 

Severin Freund noch nicht auf Top-Niveau

Severin Freund

Severin Freund (Bild: Wikipedia)

Der Skisprung-Olympiasieger und Gesamtweltcup-Gewinner Severin Freund dämpfte hingegen die Erwartungen. Der ehemalige Seriensieger vergangener Jahre findet nach zwei Kreuzbandrissen und über einjähriger Verletzungspause erst langsam wieder zu seiner Form zurück.

 

Deshalb kommt auch die Vierschanzentournee zu früh für den Skispringer aus Niederbayern. Stattdessen soll sein Fokus auf der zweiten Saisonhälfte in 2019 und den im Februar im Tiroler Seefeld stattfindenden Nordischen Ski-Weltmeisterschaften liegen.

 

Neben Freitag, Welliger und Freund versprechen sich auch die Deutschen Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe und Karl Geiger gute Ergebnisse bei den Wettbewerben. Ob es für einen von ihnen in dieser Saison erstmals bis ganz nach vorne reicht, bleibt jedoch abzuwarten.

 

Bundestrainer Werner Schuster ist ebenfalls optimistisch, wenn es um die Chancen der deutschen Adler bei den Weltcups und der Weltmeisterschaft geht:

Ich bin zuversichtlich, dass wir wieder eine leistungskräftige Mannschaft an den Start bekommen werden. Das Team ist breiter denn je aufgestellt. (…) Es wäre schön, wenn wir bei der WM mit der Mannschaft nicht nur eine Medaille holen, sondern richtig um Gold mitkämpfen könnten.

Letztendlich wird sich im Gesamtweltcup auch im kommenden Jahr wahrscheinlich wieder derjenige Springer durchsetzten, der am Ende der kräftezehrenden Saison noch über die größten Reserven verfügt.