, 23.01.2021

Die britische Großbank HSBC erweitert ihren Beitrag zum Spielerschutz in Großbritannien. Wie das Finanzinstitut am Donnerstag auf seiner Webseite mitgeteilt hat [Seite auf Englisch], sollen die selbstgewählten Transaktionssperren für Glücksspieler ab sofort erst 72 Stunden nach ihrer manuellen Deaktivierung tatsächlich aufgehoben werden.

 

Bislang konnten die Kunden der Bank bereits 24 Stunden nach Deaktivierung der Transaktionssperre wieder Überweisungen an Glücksspielunternehmen tätigen. Diese Zeitspanne wird als „Cooling-Off-Zeit“ bezeichnet und soll verhindern, dass Spieler die Transaktionssperre aus einem Impuls heraus abschalten.

 

Angesichts der gestiegenen Beteiligung am Online-Glücksspiel während der Corona-Pandemie habe die Bank nun eine Ausweitung dieses Zeitfensters für sinnvoll befunden. Maxine Pritchard, die Leiterin der HSBC-Abteilung für finanzielle Inklusion und Vulnerabilität, erklärt:

Für viele unserer Kunden sind dies sehr schwierige Zeiten. Einige von ihnen haben möglicherweise keine Arbeit und befinden sich in finanziellen Schwierigkeiten. Durch Ausweitung der Restriktionen auf 72 Stunden helfen wir unseren Kunden, indem wir ihnen mehr Zeit verschaffen, wenn sie in Versuchung geraten, zum Glücksspiel zurückzukehren.

Die Bank suche stets nach effizienteren Methoden, um ihre Kunden im persönlichen Finanz-Management zu unterstützen. Die Transaktionssperre habe sich als besonders effizientes Mittel erwiesen und die HSBC von ihren Kunden viel positives Feedback erhalten.

 

Die Kunden hätten jedoch auch angeregt, dass die Bank noch mehr tun könnte. Daraufhin habe sich HSBC auch mit der Spielerschutz-Organisation GamCare ausgetauscht und sei auf die Lösung einer verlängerten Cooling-Off-Zeit gestoßen.

 

Die Schlüsselrolle der Banken

HSBC ist nicht die einzige Bank, die ihren Kunden derartige Glücksspiel-Transaktionssperren anbietet. Andere Großbanken wie Barclays, Lloyds Bank und Halifax bieten diese Funktion ebenfalls an. Auch bei diesen Banken gibt es eine Cooling-Off-Zeit von 48 bis 72 Stunden.

 

Während die Transaktionssperren weitgehend als sehr effizientes Tool gelten, stoßen auch diese an ihre Grenzen.

Wie die Lloyds Bank erklärt, können die Überweisungen nur dann gestoppt werden, wenn aus den Daten des Zahlungsempfängers hervorgeht, dass es sich um einen Glücksspiel-Anbieter handelt. Grundsätzlich lassen sich registrierte Online-Händler über einen branchenspezifischen Code einordnen. Im Falle nicht lizenzierter und somit nicht in Großbritannien registrierter Glücksspielanbieter sei es den Banken nicht möglich, diese als solche zu identifizieren.

In Deutschland fehlt es derzeit gänzlich an einem gleichwertigen Tool. Ob sich dies mit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrag und der damit verbundenen Legalisierung des Online-Glücksspiels in Deutschland ändern könnte, bleibt ungewiss.

 

Allerdings wächst auch hierzulande der Druck auf Banken seit einigen Jahren verstärkt. So forderte Anfang letzten Jahres das niedersächsische Innenministerium unter Androhung von Sanktionen alle deutschen Banken dazu auf, Transaktionen an Glücksspielfirmen zu unterbinden.

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