, 27.12.2020

Während des Corona-Jahrs 2020 mussten Betreiber von Casinos und Spielhallen in Deutschland herbe Einbußen hinnehmen. Derweil schien das illegale Spiel im Geheimen trotz oder gerade aufgrund der strengen Pandemie-Maßnahmen zu florieren. So machten auch während der Lockdown-Zeiten diverse Polizeimeldungen über illegale Glücksspielstätten Schlagzeilen. Ein Rückblick.

 

Bedürfnisse schlagen Corona-Angst

 

Das Bedürfnis nach Zerstreuung, Alltag und Gemeinschaft scheint bei vielen Deutschen tiefer verwurzelt zu sein als die Sorge vor der Corona-Pandemie und ihren möglichen Folgen für Gesellschaft, Gesundheitssystem und Wirtschaft.

 

Dies zeigte sich nicht nur bei nächtlichen Massenpartys Jugendlicher in Stadtparks, sondern auch im Umgang mit dem Glücksspiel. Die wochenlangen und auch aktuell wieder geltenden Öffnungsverbote für Casinos, Spielhallen und Gastronomie führten bundesweit zu diversen Einsätzen wegen illegaler Glücksspielrunden.

 

Allein die Nachrichtenplattform presseportal.de listete von Anfang März bis Mitte Dezember rund vier Dutzend Polizeimeldungen auf, die das illegale Glücksspiel zum Thema hatten.

 

Von Lübeck bis Franken und Dresden bis Essen beendeten die Beamten diverse konspirative Treffen. Nicht selten hatten wachsame Nachbarn die Polizei aufgrund verdächtiger Bewegungen in ihrer Umgebung informiert. So beispielsweise geschehen in Oberhausen, wie die dortige Polizei am 2. Dezember mitteilte. Im Pressetext ruft sie die Öffentlichkeit auch zur weiteren Mithilfe auf:

Eigentlich sollte den Kriminellen, die in Oberhausen immer wieder mit illegal veranstalteten Glücksspielen bewusst auch gegen die Corona-Kontaktbeschränkungen verstoßen, klar sein, dass couragierte Anwohner und Zeugen das nicht wollen (…) Polizisten werden auch weiterhin konsequent Hinweisen auf illegale Aktivitäten in Ihrem Viertel nachgehen! Rufen Sie sofort per Notruf 110 Hilfe, wenn Sie verdächtige Wahrnehmungen machen! Wir kommen schnell und klären das!

Vor Ort waren die Beamten auf eine Gaststätte gestoßen, deren Fenster mit Pappe verhängt waren. In dem Lokal und den Räumlichkeiten darüber befanden sich mehrere Spielautomaten und -tische sowie eine Vielzahl gut mit Getränken gefüllter Kühlschränke. Gegen sieben Personen werde nun ermittelt.

 

Oft fanden die Einsätze in aufgrund der derzeitigen Situation eigentlich geschlossenen Gastronomiebetrieben statt. Hierzu gehörten unter anderem Restaurants, Kulturvereine, Kneipen, Shisha-Bars und eine ehemalige Diskothek in Gütersloh.  Doch auch in Phasen gelockerter Maßnahmen blühte das illegale Glücksspiel.

 

Verstärkte Anstrengungen gegen Clan-Kriminalität

 

So waren Ermittler beispielweise Mitte September bei einer großangelegten Durchsuchung mehrerer Objekte in NRW auf eine doppelte Wand gestoßen. In dem dahinterliegenden, geheimen Raum befanden sich weitere, illegal betriebene Spielgeräte.

 

Der Polizeipräsident von Oberhausen hatte damals erklärt, dass die Aktion die hervorragende Zusammenarbeit verschiedener Sicherheitsbehörden veranschauliche und beweise, dass die Ermittler „nicht nur an der Oberfläche“ kratzten.

 

Tatsächlich gingen Behörden 2020 mit verstärkter Anstrengung gegen die sogenannte Clankriminalität vor, in deren Umfeld auch das illegale Glücksspiel blüht. In mehreren Bundesländern, darunter Berlin und NRW, setzten die Strafverfolger dabei auf eine Taktik der 1.000 Nadelstiche, mit der kriminellen Angehörigen von Großfamilien das Leben schwergemacht werden und die Präsenz der Staatsmacht unterstrichen werden sollte.

In Politik und Medien wird in Bezug auf Clankriminalität oft von libanesischen, arabischen oder kurdischen Großfamilien gesprochen. Tatsächlich entstammen die bekannten großen Clans in Deutschland, deren Mitglieder in Teilen einschlägig auffallen, der Volksgruppe der Mhallami, deren ursprüngliche Herkunft bis heute nicht restlos erforscht ist.

 

Diese war in den 1920er-Jahren vor dem Hintergrund des Genozids an den Armeniern zu großen Teilen aus der Türkei in den Libanon geflüchtet. Als auch hier in den 1980ern der Krieg ausbrach, fanden viele Mhallami als Staatenlose ein neues Zuhause in Deutschland.

Ob das illegale Glücksspiel in Deutschland 2020 tatsächlich angestiegen ist oder ob es durch die Corona-Restriktionen nur deutlicher sichtbar wurde, ist ohne statistische Aufarbeitung nicht klar auszumachen. Sicher scheint jedoch, dass Verbote während oder außerhalb von Corona-Restriktionen nur so wirksam sein können, wie sie mit einem Umdenken der Adressaten einhergehen.

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