, 14.09.2020

In der Affäre um vermeintlich illegale Absprachen zwischen österreichischen Top-Politikern und dem Glücksspiel-Giganten Novomatic sind neue Details ans Tageslicht gekommen. Wie die Kronen Zeitung heute Morgen berichtet hat, gäben „aktuelle Konversationen via Mobiltelefon zwischen Lobbyisten und Insidern“ umfassende Einblicke zur Causa Casinos.

 

Das Blatt sei im Besitz eines 40-seitigen Chatverkehrs zwischen einem Geschäftsmann mit Verbindungen zur Spitze der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und einem Novomatic-Lobbyisten. Laut dem Bericht hätten die Beteiligten im Zuge der Ermittlungen um die Causa Casinos „zunehmende Nervosität und Angst“ verspürt.

Die Causa Casinos ist derzeit Gegenstand eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Wien. Die Verbindung zwischen Politik und Novomatic wird unter anderem deshalb untersucht, weil Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache in einem geheim aufgenommenen Video (dem sogenannten „Ibiza-Video“) gesagt hatte: „Novomatic zahlt alle“.

Drohungen im Chat?

 

In den Handy-Nachrichten zwischen dem Interessenvertreter der Novomatic und dem ÖVP-nahen Unternehmer sei es zudem zu Drohungen gekommen. So sei dem ÖVP-Mann nahegelegt worden, die Hände von der „Novo-Scheisse“ zu lassen. Die Kronen Zeitung zitiert:

„Und noch was als Freund: gefährde bitte die (finanziellen) Chancen, die Du derzeit hast nicht wegen dieser Novo-Scheisse – es wird eng für Dich, weil Du in Deinem naiven Gutmenschentum so was von dämlich agierst, dass Du als einziger übrig bleibst – nimm den Rat eines Freundes an, Du Depp – Du bist schon viel zu weit gegangen ohne dass es Dir was bringt, ausgenommen Riesen-Probleme – hör auf mich, verdammt nochmals!!!!“

Überdies verfüge die Zeitung über Informationen, nach denen Philipp Trattner, Sektionschef im Sportministerium des österreichischen Vizekanzlers Werner Kogler (Grüne), ein Treffen zwischen einem hochrangigen Beamten „eines ÖVP geführten Ministeriums“ und einem Novomatic-Insider beobachtet habe.

 

Mit Lobbyismus habe Novomatic seit dem Jahre 2005 versucht, „Politiker für sich zu gewinnen, um das Glücksspielgesetz zu ändern“, so „die Krone“. Auch sei im Jahre 2019 offensive Werbung für Novomatic-Automaten auf den Straßenbahnen der Wiener Linien erschienen. Erst auf Nachfrage von Bürgern, warum Glücksspielfirmen bei öffentlichen Betrieben werben dürften, habe die Stadt Wien reagiert und die Werbung geändert.