, 13.08.2020

Die Casinos-Austria-Affäre ist erneut um eine Facette reicher geworden. Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard heute Morgen berichtet hat, gebe es neue Insider-Informationen, in denen von einer „feindlichen Übernahme“ der Casinos Austria AG (CASAG) durch die tschechische Sazka Group die Rede sei.

 

Die in der Causa ermittelnde Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft habe am 27. Juli ein anonymes Schreiben erhalten, in welchem der unbekannte Informant die vermeintliche Übernahmestrategie der Sazka Group beschrieben habe. Das gleiche Schreiben sei nun auch an den Standard geschickt worden.

 

Verbindungen zum Ex-Finanzminister

Laut dem anonymen Verfasser sei die Übernahmestrategie der Sazka Group immer dieselbe. Das Unternehmen beginne mit dem Erwerb kleiner Unternehmensanteile und schließe dann „Schiedsgerichtsklauseln mit hohen Strafdrohungen“, wie es bei Novomatic der Fall gewesen sei.

 

Begonnen habe die schrittweise Übernahme der Sazka Group jedoch mit einer Verbindung zwischen dem Sazka-Inhaber Karel Komárek und dem ehemaligen österreichischen Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP).

Karél Komárek wurde 1969 in Hodonín, Tschechische Republik, geboren. 1995 gründete er die KKGC Group, ein Investmentunternehmen für die Sparten Entertainment, IT, Immobilien und Biomedizin. Im Jahr 2016 übernahm KKCG die Tschechische Lottogesellschaft Sazka. Komárek wurde damit zum größten Lottogesellschafter Europas. Auf der Forbes-Liste der reichsten Milliardäre belegt er in diesem Jahr mit einem Reinvermögen von 3,8 Mrd. USD den Platz 648.

Vor dem Erwerb der CASAG-Anteile sei die Sazka Group anschließend keinem sogenannten „Fit-and-Proper-Test“ unterzogen worden, obwohl das Unternehmen zuvor im Zusammenhang mit illegalem Glücksspiel in Österreich gestanden habe.

 

Nachdem Schellig schließlich seinen Posten als Finanzminister verloren habe, habe er einen Beratervertrag bei der KKCG erhalten. Seine Aufgabe sei es gewesen, Novomatic zu einem Verkauf der CASAG-Anteile an die Sazka Group „zu bewegen“.

Nachdem Novomatic im Juni dieses Jahres seine Anteile von 17 % an die Sazka Group verkauft hat, ist diese nun mit insgesamt 55 % der Mehrheitseigentümer der CASAG.

Sazka Group bestreitet Vorwürfe

Um diese Mehrheit zu erreichen habe die Sazka Group ihre Strategie geändert, so der Informant. Laut dem Standard sei in dem anonymen Schreiben die Rede von „Fallen für Öbib und Novomatic“ sowie von „Dirty Campaigning und politischem Lobbying“.

 

Auf Anfrage der Zeitung habe die Sazka Group bislang jeden Vorwurf bestritten. Ob die neuen anonymen Hinweise sich jedoch auf die weiteren Ermittlungen und den Ibiza-U-Ausschuss auswirken könnten, bleibt vorerst ungewiss. Bislang gibt es bezüglich der Ladungsliste und den geplanten Themen kein Update.