, June 3, 2019

Immer mehr US-Bundesstaaten ermöglichen ihren Einwohnern, Sportwetten zu tätigen. Nun hat auch Illinois Glücksspiel-Unternehmen den Weg geebnet, Sportwetten vor Ort und mobil anzubieten. Damit ist Illinois in diesem Jahr bereits der fünfte US-Staat, der diesen Schritt geht.

 

Landbasierte Glücksspiel-Anbieter werden bevorzugt

Obwohl das Parlament nun den Startschuss für die Durchführung von Sportwetten gegeben hat, dürfen nicht alle Anbieter gleichzeitig starten. Per Gesetz verfügte der Bundesstaat, dass landbasierte Unternehmen einen Vorsprung vor reinen Online-Anbietern erhalten sollen.

 

Demnach dürfen Casinos, Rennbahnen und andere sportliche Veranstaltungsorte sofort beginnen, ihren Kunden Sportwetten anzubieten. Die Genehmigung bezieht sich dabei nicht nur auf die Wettabgabe vor Ort, sondern ebenfalls auf die Einrichtung von Online-Wettbüros durch die Anbieter mit physischen Spielstätten.

Neben der Genehmigung von Sportwetten beschloss das Parlament weitere Erleichterungen für Glücksspiel-Anbieter. So dürfen in den kommenden Jahren sechs neue Casinos im Staat errichtet werden. Dazu wird das erste Casino gehören, das im Zentrum von Chicago gebaut werden darf.

Demgegenüber müssen sich reine Onlineunternehmen noch eine Weile gedulden, denn sie dürfen erst in 18 Monaten mit ihrem Wettangebot an den Start gehen. Auf diese Weise will der Staat erreichen, dass Firmen mit existierenden Angeboten eine Chance gegen oftmals milliardenschwere Online-Buchmacher wie DraftKings oder FanDuel bekommen, die in anderen Staaten bereits eine starke Stellung im Wett-Markt besitzen.

 

Staat darf mit Millioneneinnahmen rechnen

Chicago Skyline

Auch Chicago bekommt ein Casino (Bild: Pixabay/David Mark)

Zudem verfügte das Parlament, dass es in Illinois lediglich drei Lizenzen für reine Onlineangebote geben wird. Für diese müssen Betreiber, die eine der raren Genehmigungen erhalten, jeweils 20 Millionen US-Dollar an die Staatskasse überweisen.

 

Auch hier bevorzugt der Staat die existierenden Anbieter: Diese müssen 5 % ihres letzten Jahresumsatzes, jedoch höchstens 10 Millionen US-Dollar überweisen.

 

Nach vier Jahren müssen die Lizenzen verlängert werden, was landbasierte Anbieter und Onlinefirmen jeweils 1 Million US-Dollar kosten wird. In Kombination mit den Steuereinnahmen durch die Wettumsätze versprechen sich Illinois’ Finanzkassen jährliche Zusatzeinnahmen im dreistelligen Millionenbereich.

 

So verfügte der Gesetzgeber, dass Wettbüros künftig auf ihre Umsätze 15 % Steuern an den Staat überweisen müssen. Darüber hinaus verlangt das Finanzamt weitere 2 %. Diese Einnahmen werden in den Ballungszentren des Landes dafür verwendet, das Justizsystem und den Polizeiapparat zu modernisieren.

 

Befürworter argumentieren, dass das Gesetz zudem illegale Wetten verhindere, die den Staat um wichtige Einnahmen brächten. Der demokratische Senator Terry Link, einer der Initiatoren, zeigte sich deshalb sehr zufrieden:

Dieses Gesetz macht ökonomisch absolut Sinn und wird uns helfen, die Dollar im Land zu behalten. Wir erwarten zudem Tausende Jobs und Milliardeninvestitionen.

Um die Einwohner besser vor Spielsucht zu schützen und Missbrauch zu verhindern, verlangen die Behörden eine detaillierte Identifikation neuer Spieler, die sich bei den mobilen Buchmachern anmelden.

 

Damit es nicht zu Spielmanipulationen kommt, ist es in Illinois zudem verboten, auf jeglichen College-Sport zu wetten. Auf diese Weise will der Staat verhindern, dass es bei den immens populären College-Sportarten zu Betrügereien kommt. In der Vergangenheit waren immer wieder Vorwürfe lautgeworden, dass Matches verschoben oder Spieler bestochen würden.

 

Langwierige politische Verhandlungen

Der Entscheidung waren lange politische Debatten und Verhandlungen vorausgegangen, ehe sie am Sonntag in einer eilig eingeräumten Sondersitzung des Senats von den Abgeordneten mit einer 46:10-Mehrheit gebilligt wurde. Ursprünglich hatte das Gesetz die beiden Parlamentskammern des Staates bis spätestens Freitag passieren sollen.

 

Unstimmigkeiten über die genaue Umsetzung der Regelung hatten jedoch zu der Verzögerung geführt. Der nun beschlossene Gesetzentwurf wurde noch am Wochenende an Gouverneur J.B. Pritzker zur Bestätigung weitergeleitet.

 

Wenn der Regierungschef seine als sicher geltende Unterschrift unter das Dokument gesetzt haben wird, wird Illinois der 13. Bundesstaat der USA sein, der seinen Bewohnern Sportwetten ermöglichen wird. Den Weg dafür freigemacht hatte eine grundsätzliche Legalisierung von Sportwetten durch den US-Supreme Court im letzten Jahr.

 

Die Erwartungen von Anbietern und Finanzbeamten auf sprudelnde Einnahmen sind hoch. Zum Vergleich: Im geringer bevölkerten New Jersey wurden im ersten Jahr nach der Legalisierung Wettumsätze in Höhe von etwa 3 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Es wird sich zeigen, inwieweit auch in Illinois derartige Einnahmen mit Sportwetten zu realisieren sind.