, 22.05.2019

Die Walt Disney Company ist mit der Übernahme ihres Konkurrenten 21st Century Fox zum Anteilseigner der Sportwetten- und Fantasy Sport-Plattform DraftKings geworden. Dies gab DraftKings in einem Statement bekannt. Erst im Februar hatte Disney ein Engagement im Glücksspielsektor für die nähere Zukunft ausgeschlossen.

 

DraftKings Teil eines 71 Milliarden US-Dollar-Pakets

 

Am 20. März dieses Jahres schloss Medienriese Disney die Teilübernahme des einstige Konkurrenten 21st Century Fox ab. Für 71,3 Milliarden US-Dollar plus Übernahme von Schulden sicherte sich das Unternehmen aus Kalifornien die Mehrheit der Fox-Unternehmungen.

 

Das Paket enthielt auch Anteile an der Wettplattform DraftKings, wie einer ihrer Sprecher nun bestätigte:

Als Teil des Kaufs von Fox ist Disney nun durch eines seiner Tochterunternehmen im Besitz der ehemaligen Fox-Anteile an DraftKings.

Dass Disney den Anbieter von Sport- und Fantasy-Wetten mit in sein Portfolio übernimmt, mag verwundern. Bislang hatte sich der Konzern, der in seinem Branding in erster Linie auf Kinder- und Familienfreundlichkeit setzt, immer wieder als klarer Gegner des Glücksspiels positioniert.

 

Aktives Engagement gegen Glücksspiel

 

Disney World Florida

Casinos nahe Disney World Florida? Ausgeschlossen (Quelle:flickr.com/Chris Harrison licensed under CC BY 2.0)

So verzichtet Disney nicht nur auf seiner Kreuzfahrtflotte als einer der wenigen Betreiber weltweit auf Glücksspielangebote und On-board-Casinos.

 

Im Jahr 2017 unterstützte die Heimat von Mickey Mouse und Co. in Florida die Petition „No Casino“ mit rund 650.000 US-Dollar.

 

Die Initiatoren von „No Casino“ sahen in geplanten Erweiterungen und Neubauten von Casinos eine Gefahr für ihren Heimatstaat Florida.

 

Im selben Jahr entfernte Disney die Spielautomaten des Marvel-Universums vom Markt. Nachdem Marvel Entertainment im Jahr 2009 von Disney übernommen worden war, ließ der Konzern die vergebenen Lizenzen für Glücksspielanbieter konsequent auslaufen.

DraftKings startete 2012 als kommerzieller Anbieter von Daily Fantasy Sports. Hierbei können Spieler online virtuelle Teams aus real existierenden Athleten bestimmter Sportarten zusammenstellen und gegeneinander antreten lassen.

 

Aufgrund festgelegter Quoten kann hierbei auch Geld erspielt werden. Damit ist DraftKings im Fokus anhaltender Diskussionen, ob es sich bei dem Angebot um Glücks- oder Geschicklichkeitsspiele handelt.

 

Heute betätigt sich DraftKings zudem in einigen US-Staaten als Sportwettenanbieter.

Und auch bei Videogames scheint der Konzern in Sachen Jugend- und Spielerschutz eine klare Haltung zu vertreten.

 

So soll es der damalige Vorstandsvorsitzender der Disney Consumer Products and Interactive Media und heutige ESPN-Chef, James Pitaro, persönlich gewesen sein, der mit einem Anruf bei Lizenznehmer EA das Ende glücksspielartiger Mikrotransaktionen im Spiel Star Wars Battlefront 2 eingeleitet habe.

 

Disney-CEO sah „keinen Einstieg“ ins Glücksspielgeschäft

 

Wie genau es unter dem Dach des erklärten Glücksspielgegners Disney mit Wettanbieter DraftKings weitergehen wird, ist bislang unklar.

 

In einem Statement hatte Disney-CEO Bob Iger (68) noch im Februar erklärt, auch in der Zukunft keine direkte Verbindung zwischen seinem Unternehmen und dem Glücksspiel zu sehen:

Ich glaube nicht, dass sich Disney kurzfristig in das Glücksspielgeschäft einmischen wird und auch nicht, dass es das Glücksspiel auf irgendeine Weise erleichtern wird.

Das Dreieck Disney – DraftKings – Caesars

 

Dem gegenüber steht eine erst kürzlich bekanntgegebene Zusammenarbeit von Disneys Sportkanal ESPN und Casinobetreiber Caesars Entertainment.

 

Bob Iger Disney

Die Marschrichtung von Disney-CEO Iger ist noch nicht klar (Quelle:flickr.com/Josh Hallett licensed under CC BY-SA 2.0)

Man verständigte sich darauf, im von Caesars in Las Vegas betriebenen LINQ Hotel & Casino ein ESPN-Studio einzurichten. Von hier aus sollen künftig täglich neueste Analysen und Wettquoten veröffentlicht werden.

 

Schließen könnte sich der Kreis mit einer ebenfalls erst im Februar geschlossenen Partnerschaft zwischen DraftKings und Casinobetreiber Caesars.

 

Diese beinhaltet den Zugang DraftKings zu Online Produkten der Caesars-Gruppe. Gleichzeitig könnte die Plattform in Staaten ohne landbasierte Casinos des Betreibers bei einer Zusammenarbeit als Wett-App fungieren.

 

Es bleibt also abzuwarten, ob Disney seine starre Haltung in Bezug auf Wetten im Speziellen und das Glücksspiel im Allgemeinen aufrechterhalten wird. Gewisse Vorzeichen lassen erahnen, dass die Goldgräberstimmung, die den US-amerikanischen Glücksspielmarkt seit einiger erfasst hat, möglicherweise auch vor dem Milliardenkonzern Disney keinen Halt macht.

 

Mit Online-Wettanbieter DraftKings und Casino-Schwergewicht Caesars an seiner Seite wäre das Unternehmen in diesem Kontext auffallend gut aufgestellt.