, 18.03.2021

Vier Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Tokio ist der Kreativdirektor Hiroshi Sasaki (66) zurückgetreten. Er soll letztes Jahr die Idee vorgebracht haben, die mollige japanische Entertainerin Naomi Watanabe (33) im Schweinekostüm bei der Eröffnungszeremonie auftreten zu lassen. Dies berichtete der Tagesspiegel am heutigen Donnerstag.

 

Nach Sasakis Vorstellungen sollte die Schauspielerin in einem rosa Kostüm als „Olympig“ [Anm. d. Red.: Pig, engl. für Schwein] vom Himmel schweben. Nachdem die japanische Zeitschrift „Shukan Bunshun“ den Vorfall publik gemacht hatte, löste dies eine Welle der Empörung aus und befeuerte die in Japan schwelende Sexismus-Debatte.

Alte weiße Männer

 

Hiroshi Sasaki ist bereits der zweite aus den Reihen der Olympia-Organisatoren, die ihr Amt wegen sexistischer Äußerungen abgeben mussten. Erst letzten Monat trat der Olympia-Organisationschef Yoshiro Mori zurück. Er soll zuvor in einer Vorstandssitzung gesagt haben, dass sich Sitzungen, an denen Frauen beteiligt seien, in die Länge zögen.

 

Mori entschuldigte sich für seine Äußerungen. Es sei nicht seine Absicht gewesen, auf Frauen herabzuschauen, erklärte der 84-Jährige und wollte die Angelegenheit zuerst aussitzen und im Amt verbleiben.

 

Doch der Druck der Öffentlichkeit aus dem In- und Ausland verschärfte sich. Das Olympische Komitee bezeichnete seine Äußerungen als unangemessen. Auch zogen sich 390 freiwillige Helfer aus Protest zurück und rückten damit das Thema der Gleichberechtigung in Japan erneut in den Fokus.

Rücktritt und Entschuldigung

Sasaki zog die Konsequenzen seiner Äußerungen und gab seinen Rücktritt bekannt. Seine Worte seien beleidigend gewesen. Dies hätte nie passieren dürfen.

 

In einem Statement entschuldigte er sich für sein Verhalten:

Meine Ideen und Bemerkungen waren sehr unangemessen. Ich entschuldige mich aufrichtig bei ihr und den Menschen, die sich wegen solcher Inhalte unwohl gefühlt haben.

Seiko Hashimoto, die neue Vorsitzende des Olympia-Organisationskomitees, akzeptierte den Rücktrittsgesuch Sasakis und bezeichnete seine Äußerungen als „überaus unangemessen“. Über eine Nachfolge werde zeitnah entschieden, sagte Hashimoto.

 

Olympiade trotz Corona

Die Planungen für die Austragung der Olympischen Sommerspiele laufen indes auf Hochtouren. Am 25. März soll in Fukushima der Fackellauf beginnen. Trotz der Corona-Pandemie und der Restriktionen in vielen Teilen der Welt will Japan auch weiterhin an den Plänen festhalten.

Wegen der rasanten Ausbreitung der Corona-Pandemie mussten die Athleten zahlreicher Länder ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio absagen. Nach einigem Zögern entschied das Olympische Komitee im März vergangenen Jahres schließlich, die Austragung der Spiele auf den Sommer 2021 zu verlegen.

Der Corona-Notstand werde voraussichtlich am kommenden Wochenende beendet, teilte die japanische Regierung mit. Eine Verlängerung sei angesichts der sinkenden Infektionszahlen nicht notwendig.