, 27.12.2018

Klagen und Prozess in der Glücksspielwelt sind leider keine Seltenheit. Immer dann, wenn es um hohe Einsätze, Gewinne und Verluste geht, gibt es Menschen, die das Eine oder das Andere bestreiten oder gar gerichtlich anfechten.

 

In diesem Artikel stellen wir Ihnen einige spektakuläre Klagen und Prozesse aus der Glücksspielwelt 2018 vor.

 

Gordon Vayo versus REEL

Eines der wohl aufsehenerregendsten Verfahren im Jahre 2018 war der Streit zwischen dem amerikanischen Pokerspieler Gordon Vayo und dem kanadischen Unternehmen Rational Entertainment Enterprise Limited (REEL), dem Mutterkonzern des Online-Pokerraums PokerStars.

 

Gordon Vayo

Pokerspieler Gordon Vayo klagt gegen Pokerstars (Bild: Flickr)

In der Auseinandersetzung ging es um ein Preisgeld von knapp 700.000 Dollar (ca. 618.000 Euro), das Vayo bei einem SCOOP-Turnier im Mai 2017 auf PokerStars gewann. Den Gewinn wollte Vayo, der im World Series of Poker Main Event 2016 den zweiten Platz erreichte, im Juli 2017 von seinem PokerStars-Account auszahlen.

 

PokerStars verweigerte die Auszahlung jedoch und verlangte Nachweise dafür, dass Vayo, der seinen Hauptwohnsitz in Los Angeles unterhält, nicht vom Staatsgebiet Kaliforniens aus am Online-Pokerturnier teilgenommen hatte.

 

PokerStars ist nicht berechtigt seine Dienste in Kalifornien zu offerieren und auch die Teilnahme an den Angeboten der Online-Pokerseite ist Einwohnern Kaliforniens nicht gestattet.

 

Vayo, der angab von Kanada aus am Turnier teilgenommen zu haben, reichte im Mai 2018 Klage gegen REEL ein.

 

In der Klageschrift bezichtigt Vayos Anwalt PokerStars, falsche Anschuldigungen und Untersuchungen gegen in den USA gemeldete Pokerspieler zu produzieren, nur um hohe Gewinnsumme nicht auszahlen zu müssen. In den Gerichtsdokumenten heißt es:

Wenn ein US-Bürger oder Einwohner einen erheblichen Geldbetrag gewinnt, führt der Beklagte eine Scheinuntersuchung der Aktivitäten des Benutzers und des Ortes des Benutzerzugriffs durch. Anschließend überlässt er dem Spieler rückwirkend die Pflicht zu beweisen, dass sein oder ihr Spiel nicht aus den USA stammen konnte.

Zum Beweis dafür, dass sein Mandant wirklich von Kanada aus am Turnier teilgenommen hatte, legte Vayos Anwalt alsbald Bankinformationen und Daten von Vayos kanadischem Internet-Provider vor.

 

Sie sollten beweisen, dass sich der Poker-Pro am Turniertag tatsächlich in Ottawa, Kanada aufhielt. Dies waren starke Beweismittel, die sicherlich Einfluss auf das Gericht genommen hätten.

 

Einziges Manko: Noch bevor im Fall ein Urteil gesprochen werden konnte, stellte sich heraus, dass Vayo einen Dokumentenfälscher mit der Herstellung der Unterlagen beauftragt hatte, um den Fall zu seinen Gunsten ausgehen zu lassen.

Nicht der erste Spieler mit Problemen

Gordon Vayo war nicht der erste Pokerspieler, dem vorgeworfen wurde, ein Virtual Private Network benutzt zu haben, um an Online-Pokerturnieren teilnehmen zu können. Bereits im Jahre 2015 fror PokerStars 250.000 Dollar (ca. 220.000 Euro) von High-Stakes-Pro Jake Schindler ein, den ein ähnlicher Vorwurf traf.  Auch Poker-Ass Sorrel Mizzi musste eine zweijährige Sperre von der Plattform hinnehmen, weil er unerlaubterweise aus den USA an Online-Pokerturnieren von PokerStars teilnahm.

Nachdem die Anwälte von REEL am 12. November 2018 die schlechten Nachrichten veröffentlichten, zog Vayo seine Klage gegen den Konzern zurück.

 

Vayos Anwalt legte in der Folge sein Mandat nieder und REEL holte mit einer Gegenklage aus, in der das Unternehmen 280.000 Dollar (ca. 247.000 Euro) für die Begleichung von Anwalts- und Gerichtskosten forderte. Um womöglich negative Publicity zu vermeiden, zog REEL die Klage mittlerweile aber zurück.

 

Matt Kirk versus Leon Tsoukernik

Dass Glücksspiel und Alkohol keine gute Kombination sind, musste Leon Tsoukernik im Mai 2017 feststellen.

 

Der Besitzer des Kings Casino im tschechischen Rozvadov spielte im Pokerraum des Aria Resort & Casino in Las Vegas gegen den australischen Poker-Pro Matt Kirk Heads-Up.

 

Während der Partie, so Kirk, lieh sich Tsoukernik insgesamt drei Millionen Dollar (2.65 Millionen Euro) von dem Australier, zahlte nach dem Duell aber nur eine Millionen Dollar (ca. 880.000 Euro) zurück.

 

Leon Tsoukernik

Spielschulden Skandal in Las Vegas (Bild: Wikipedia)

Die Folge: Kirk reichte Klage auf Zahlung von zwei Millionen Dollar gegen den Casino-Boss ein. Tsoukernik setzte sich zur Wehr. Seine Anwälte argumentierten, dass private Spielschulden nicht einklagbar seien. Eine weitverbreite Ansicht in den USA, die vor allem mit dem Argument der Sittenwidrigkeit dieser Rechtsgeschäfte gerechtfertigt wird.

 

Auch die US-Richter folgten dem Argument, verwiesen aber darauf, dass es sich bei den 2 Millionen Dollar um eine ungerechtfertigte Bereicherung gehandelt haben könnte, die möglicherweise im Weg einer weiteren Klage gegen Tsoukernik eingefordert werden könnte.

 

Doch dazu kam es nicht. Tsoukerniks Anwälte erhoben Gegenklage gegen Kirk und das Aria Casino. Kirk habe die Betrunkenheit Tsoukerniks ausgenutzt und das Aria Casino hätte – trotz offenkundiger Trunkenheit – weiter Alkohol an Tsoukernik ausgeschenkt.

 

Letztlich wurde der Rechtsstreit im Juni 2018 beigelegt, noch bevor das Hauptverfahren im April 2019 stattfinden konnte. Wie sich die Parteien schlussendlich einigten, ist nicht bekannt.

 

Betrugsopfer versus William Hill und Paddy Power

Unteressen forderten die Betrugsopfer eines pathologischen Spielers in Großbritannien insgesamt 1.5 Millionen Pfund (ca. 1.67 Millionen Euro) von den Wettanbietern William Hill und Paddy Power.

 

Wie The Guardian berichtete [Seite auf Englisch] hatte die Kanzlei Mackrell Turner Garrett für die Betrugsopfer des Spielers Klage eingereicht. Der namentlich unbekannte Mann hatte Gelder von Immobilien-Klienten aus Dubai genutzt, um auf Pferde- und Hunderennen zu wetten.

 

Paddy Power Shop Lortship Lane

Paddy Power zu Geldstrafe verurteilt (Bild: Wikimedia)

Ein besonderer Umstand war dabei, dass der Spieler ganze Taschen voller Bargeld in Wettbüros des Buchmachers William Hill hinterlegte und sich immer dann daraus bediente, wenn er wetten wollte. Nach derzeitiger Erkenntnis sollen die Mitarbeiter nichts unternommen haben, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

 

In den Augen der Anwälte der Opfer hat der Wettanbieter damit seine Pflichten hinsichtlich Geldwäscheprävention und Spielerschutz vernachlässigt.

 

Auch die UK Gambling Commission scheint diese Auffassung zu teilen. Der Regulator verdonnerte den Buchmacher Paddy Power im Oktober 2018 zu einer Geldstrafe von 2.2 Millionen Pfund (ca. 2.45 Millionen Euro), weil das Unternehmen den Spielsüchtigen nicht daran hinderte mit gestohlenen Geldern zu zocken.

 

Novomatic soll 2.5 Millionen Euro an Spieler zahlen

In einem weiteren spannenden Fall musste sich das Unternehmen Novomatic vor dem

Landgericht Wiener Neustadt verantworten.

 

Ein österreichischer Spieler hatte an den Automaten des Betreibers zwischen 2002 und 2012 über 2 Millionen Euro verspielt.

 

Nun wollte der pathologische Spieler sein Geld zurückhaben. Die Begründung seines Anwalts: der Mann sei im besagten Zeitraum aufgrund seiner krankhaften Spielsucht nur eingeschränkt geschäftsfähig gewesen.

 

Ein neurologisch-psychologisches Sachverständigengutachten bestätigte die Ausführungen des Anwalts und auch das Gericht folgte den Argumenten des Klägers.

 

Folglich wurde Novomatic zur Zahlung einer Summe von 2.5 Millionen Euro verurteilt.

 

Novomatics Anwälte kündigten Berufung an.

 

Was soll sich ändern?

Ursache für die meisten Klagen in der Glücksspielwelt im Jahre 2018 sind einerseits Regelverletzungen, andererseits aber auch Suchtkrankheiten.

 

Damit sich im Jahr 2019 weniger Menschen vor Gericht streiten, bräuchte es also nicht nur transparente Regularien für die Teilnahme am Glücksspiel, sondern eine effektive Suchtprävention, die pathologische Spieler vor den Folgen ihres Handels schützt.