, December 17, 2018

Ladbrokes willigt ein, insgesamt rund eine Million Pfund an die Opfer eines Glücksspielsüchtigen zu zahlen. Dieser hatte das Geld zum Spielen gestohlen. Im Gegenzug zu den Geldleistungen sollten die Geschädigten darauf verzichten, die Regulierungsbehörden zu informieren.

 

Geldleistungen gegen Schweigepflicht

 

Bei dem betroffenen Spielsüchtigen handelt es sich um einen Briten, der ein Immobiliengeschäft in Dubai führte. Er hat zugegeben, von seinen Kunden Geld gestohlen zu haben, um sich dem Glücksspiel widmen zu können. Hierfür gab er pro Tag bis zu 60.000 Pfund (rund 66.000 Euro) aus. Fünf der geschädigten Kunden reichten Beschwerde bei Ladbrokes ein, weil der Buchmacher gestohlenes Geld akzeptiert hatte. Dieser willigte daraufhin in eine Zahlung von 975.000 Pfund (ca. 1,1 Mio. Euro).

 

Die britische Tageszeitung The Guardian (Seite auf Englisch) hat Einsicht in eine Vergleichsvereinbarung erhalten, die eine Klausel einschließt, nach der die Betroffenen im Gegenzug zur Geldleistung darauf verzichten, die Regulierungsbehörden über den Vorfall zu unterrichten. Die britische Glücksspielbehörde, die Gambling Commission, macht Lizenzinhabern allerdings klare Vorgaben zum Umgang mit Beschwerdefällen.

Beschluss der Gambling Commission zum Umgang mit Beschwerden

Bei Beschwerden sind Inhaber von Glücksspiel-Lizenzen in Großbritannien an die Vorgaben der Gambling Commission gebunden. Diese hat Standards festgelegt, die eingehalten werden sollen, wenn es zu Beschwerden kommt. Dazu gehört beispielsweise, dass die Kunden jederzeit Zugang zu leicht verständlichen Informationen haben, die Auskunft darüber erteilen, was sie tun können, wenn es zu einem Streitfall kommt. Die Glücksspielanbieter selbst sind dazu verpflichtet, Beschwerden zu dokumentieren und der Gambling Commission Informationen über Streitfälle zukommen zu lassen.

Die Gambling Commission die sich normalerweise nicht zu Einzelfällen äußert, gab gegenüber dem Guardian an, den Vorfall zu untersuchen, und sagte:

„Wir haben klare Erwartungen an alle Lizenzinhaber. Wir erwarten von ihnen, mit uns in einer offenen und kooperativen Art zusammenzuarbeiten. Das schließt die Notwendigkeit ein, uns über alles zu informieren, was wir erwartungsgemäß wissen wollen.“

Fotos und Textnachrichten belegen das Ausmaß der Anreize

 

The Guardian

Die Tageszeitung The Guardian hat exklusives Foto- und Textmaterial vom Glücksspielsüchtigen erhalten. (Bild: Wikipedia)

Dem Guardian wurden Fotos und Textnachrichten übermittelt, die das Ausmaß belegen, in dem

Ladbrokes dem Glücksspielsüchtigen Anreize setzte. Eine E-Mail belegt beispielsweise, dass das Unternehmen einwilligte, dem Spielsüchtigen Business-Class-Flüge von Dubai nach London zu zahlen, damit dieser das Derby zwischen Arsenal und Tottenham vor Ort verfolgen könnte. Die Flüge hatten einen Wert von mehr als 2.000 Pfund (rund 2.200 Euro).

 

Das Unternehmen spendete ihm ebenfalls Tickets für Arsenal-Spiele sowie für den Boxkampf zwischen Floyd Mayweather und Marcos Maidana und machte ihm Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke. Diese Anreize setzte Ladbrokes auch in einer Zeit fort, in der der betroffene Spielsüchtige für mehrere Monate an keinen Wetten mehr teilnahm.

 

Der Betroffene selbst soll seinem Kundenberater vor der selbst auferlegten Wettpause gesagt haben, dass er befürchtete, ein Spielproblem zu haben und versuche, das Spielen aufzugeben. Belege für diese Unterhaltung gäbe es jedoch nicht.

 

Textnachrichten, die zwischen dem Spieler und seinem Kundenbetreuer ausgetauscht wurden, geben Anlass zur Sorge über die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, die der Spielsucht vorbeugen und die Geldwäsche verhindern sollen. Zu diesen gehört beispielweise zu prüfen, aus welcher Quelle große Einsätze stammen.

 

In einer der vom Guardian eingesehenen Nachrichten forderte der Kundenbetreuer den Spieler zwar auf, einen Bankauszug zum Nachweis der Einkommensquelle vorzulegen, als er keine Antwort erhielt, schrieb er jedoch erneut, dass sein Kollege derzeit keinen solchen Beleg benötige. Als der Spieler mehrere Wochen keine Wetten mehr abschloss, wurde er von seinem Kundenbetreuer mit Geldanreizen in Form von Boni auf dem Wett-Account bedacht, um ihm neue Anreize zum Spielen zu setzen.

 

Der Spieler, der zum Schutz seiner Kinder anonym bleiben möchte, gibt hierzu an:

„Um die Dinge noch schlimmer zu machen, hat Ladbrokes mich zum Teil einer Vereinbarung gemacht, an der ich nie teilnehmen wollte und ich musste die Rehabilitation verlassen, um sie zu unterzeichnen. Ich habe sie nie um einen einzigen Cent gebeten. Aufgrund des Spielens habe ich mein Zuhause, meine Familie und mein Unternehmen verloren.“

Der Betroffene hat es im Sinne des öffentlichen Interesses für richtig gehalten, die mit Ladbrokes getroffene Vereinbarung zu brechen. Er hofft, dass einige der Geschädigten so ihr gesamtes Geld zurückbekommen, möchte aber auch deutlich machen, dass der Buchmacher keinen Respekt für die bestehenden Verhaltenskodizes zu zeigen scheint.

 

Verschiedene große Buchmacher sind in diesem Jahr von der Gambling Commission bereits zu Strafzahlungen verpflichtet worden. Demnach ist zu erwarten, dass die britische Glücksspielbehörde auch auf die diesen Fall mit Regulierungsmaßnahmen reagiert.

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