, 09.02.2021

In der Diskussion um die Spekulation mit der GameStop-Aktie mehren sich kritische Stimmen zu den Leerverkäufen, die den Börsen-Hype ausgelöst hatten. Vereinzelt wurden Vergleiche zum Glücksspiel gezogen und Forderungen nach einem Verbot dieser Finanzwetten laut.

 

Obwohl die Kursrallye der GameStop-Aktie seit Anfang Februar beendet zu sein scheint, beschäftigt das Thema noch immer viele Beobachter aus dem Finanzwesen und der Politik. Dabei richtet sich die Kritik einerseits gegen Hedgefonds, die mit milliardenschweren Investitionen gegen einzelne Unternehmen wetten. Andererseits wird das zunehmende Glücksspiel-Verhalten vieler Börsenprofis moniert.

 

So erklärte die Finanzexpertin Dr. Sabine Theadora Ruh in einem Interview mit CasinoOnline.de auf die Frage, inwieweit das Geschäft an der Börse mit Online-Glücksspiel und Sportwetten vergleichbar sei:

An der Börse ist es eigentlich egal, worauf die Teilnehmer setzen. Ob beim Kauf einer DAX30-Aktie, bei einem Investment in einen Rohstoff wie Silber oder in eine Krypto-Währung, es handelt sich um eine Art Wette.

Ungedeckte Leerverkäufe verstärkten die Kurs-Wette

Beim GameStop-Hype wurde der Glücksspiel-Faktor nach Ansicht von Finanzexperten zusätzlich gesteigert, da viele Akteure mit ungedeckten Leerverkäufen gehandelt haben könnten. Bei dieser Form des Short Sellings befindet sich die betreffende Aktie zum Zeitpunkt des Verkaufs noch gar nicht im Besitz des Leerverkäufers.

 

Das führt dazu, dass sehr viel mehr Aktien leer verkauft werden können, als überhaupt am Markt gehandelt werden. So sind bedeutend größere Kurssprünge möglich, beispielsweise, wenn viele Short Seller die Aktien gleichzeitig leer verkaufen, und den Kurs so unter Druck setzen.

Die ungedeckten Leerverkäufe sind den Wertpapiergesetzen der EU und der Bundesfinanzaufsicht BaFin zufolge verboten. Neben der Gefahr einer Marktmanipulation durch die ungedeckten Verkäufe gilt als weiterer Grund der hoch spekulative Ansatz dieser Finanzwetten und die hohe Gefahr eines Totalverlustes für Anleger.

Angesichts der Börsenturbulenzen brachte die neue US-Finanzministerin Janet Yellen jüngst sogar ein Verbot derartiger Handelspraktiken ins Gespräch. Zugleich verteidigten Fachleute das Prinzip der Leerverkäufe. Diese könnten beispielsweise helfen, übertriebene Bewertungen an der Börse abzuschwächen und Aktienblasen ein Ende zu bereiten.

 

Außerdem hätten sich Hedgefonds und institutionelle Anleger in der Vergangenheit höchst kreativ gezeigt, wenn es darum ging, gesetzliche Einschränkungen beim Aktienhandel zu umgehen. Ein Verbot des Short Sellings könne deshalb zu anderen, möglicherweise noch riskanteren Finanzwetten führen und das Glücksspiel an der Börse weiter vorantreiben.