, 15.06.2021

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat Dr. Daniel Henzgen, Mitglied der Geschäftsführung des Spielhallenbetreibers Löwen Entertainment, am vergangenen Sonntag die zunehmend prohibitiven Tendenzen gegen das Glücksspiel kritisiert. Seit es Menschen gebe, spiele auch das Glücksspiel eine Rolle, so Dr. Henzgen.

 

Eine Spielhalle sei einer der letzten verbliebenen Orte, an denen sich Menschen ohne soziale Schichtung bewegen könnten. Dort seien alle gleich, vom Partygänger bis hin zur Bewohnerin des Seniorenheims. Dennoch würden die Gäste in Spielhallen sowie Vertreter der Glücksspielbranche stigmatisiert, so Dr. Henzgen:

In der politischen Diskussion werde ich oft angeschaut, als würde ich Hundebabys frühstücken. Ich finde es eine Unverschämtheit und Hochnäsigkeit einer pseudo-intellektuellen Mittelschicht, die Besucher von Spielhallen pauschal als Gescheiterte gesellschaftlich abzuqualifizieren.

Strenge Regulierungen und Verbote sind nicht zielführend

In Deutschland gebe es in Gaststätten und Spielhallen derzeit rund 220.000 Spielautomaten, die vor der Corona-Pandemie einen Bruttospielertrag von etwa 6 Mrd. Euro ausgeschüttet hätten.

 

Umgerechnet auf die fünf Millionen Menschen, die regelmäßig spielten, entspreche dies pro Person einem Gesamteinsatz in Höhe von 1.000 Euro im Jahr. Spieler, die sporadisch eine Spielhalle besuchten, gäben jährlich rund 200 Euro für diese Freizeitaktivität aus.

 

Zudem sei das Automatenspiel strikt geregelt. So sei der Verlust auf 60 Euro und der Gewinn auf 400 Euro pro Stunde begrenzt. Darüber hinaus gebe es Pausenzeiten und Jugendliche sowie pathologische Spieler seien gesperrt.

 

Zu strenge Regulierung sei mit Skepsis zu betrachten, so Dr. Henzgen. So habe auch die Prohibition in den USA nicht dazu geführt, dass die Menschen weniger Alkohol konsumiert hätten:

Es wurde genauso viel getrunken, aber es gab zusätzlich auch Erblindete wegen illegaler minderwertiger Schnapsbrenner. Und als Konsequenz des Alkoholverbotsversuchs ist die Mafia in Amerika entstanden.

Dies könne mit der derzeitigen Situation in Berlin verglichen werden, denn aufgrund der besonders strengen Regulierungen sei die Hauptstadt zu einer Hochburg des illegalen Glücksspiels geworden.

 

Kontrolle statt strikter Regulierung und hoher Besteuerung

Bezüglich des Glücksspielstaatsvertrags, der am 1. Juli in Kraft treten werde, habe die Branche einige Bedenken. So werde die Sperrdatei begrüßt, da sie gefährdete Spieler schütze, doch das Einzahlungslimit von monatlich 1.000 Euro beim virtuellen Spiel ergebe keinen Sinn, so Dr. Henzgen:

Für den pathologischen Spieler ist null das richtige Limit. Den anderen würde ich selbst überlassen, wie viel sie spielen mögen. Die sind ja nicht blöd.

Ein weiteres kontrovers diskutiertes Thema sei auch die Steuer von 5,3 % auf die Einsätze beim Online-Glücksspiel. Die daraus resultierende niedrigere Ausschüttung mache das Spiel bei regulierten Anbietern unattraktiver. Davor warnte erst kürzlich der Ökonom Justus Haucap im Finanzausschuss des Bundestages.

 

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), sehe zu strenge Restriktionen eher kritisch. Vielmehr seien strikte Kontrollen notwendig, um einen effizienten Spieler- und Jugendschutz zu gewährleisten. Daher sei es wichtig, dass das Glücksspiel ab dem 1. Juli bereits vom ersten Tag an genau überwacht werde. Dafür müssten die Länder und Kommunen sorgen.

 

Mit der Glücksspielgesetzgebung, die in zwei Wochen in Kraft treten wird, tritt das Glücksspiel aus der rechtlichen Grauzone. Allerdings dürfte es länger dauern, bis eine Verbesserung der Reputation und eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft in Bezug auf das Glücksspiel erfolgen.