, July 21, 2019

Nachdem ein Casinobesucher dem neueröffneten Encore Boston Harbor Casinos Anfang der Woche vorgeworfen hatte, seine Kunden mit unrechtmäßigen Quoten und nicht ausgezahltem Wechselgeld zu betrügen, untersuchte die Massachusetts Gaming Commission das Casino.

 

Am Freitag verkündete die Behörde schließlich in einer Anhörung, dass sämtliche Vorwürfe haltlos seien. Der Kläger und sein Anwalt kündigten jedoch an, weiterhin einen Gerichtsprozess anzustreben.

 

Schwere Vorwürfe illegaler Praktiken

Nach vier Jahren Planung und Bauzeit und nach zahlreichen Verzögerungen und Hindernissen öffnete das Encore Boston Harbor Casino vor weniger als einem Monat erstmals seine Türen.

 

Die Inhaber des Wynn Resorts investierten insgesamt mehr als 2,5 Mrd. US-Dollar in Massachusetts‘ bisher größtes Bauprojekt und feierten die Eröffnung des Hotel- und Casino-Resorts [Seite auf Englisch] 2019 in großem Stil.

 

Wynn Resorts Logo

DIe Eigentümer des neuen Casinos sind Wynn Resorts (Bild. Wikimedia)

Doch nur wenige Wochen nach der Eröffnung entfachte Anfang dieser Woche der erste Rechtsstreit zwischen dem Casino und einem Besucher. Berichten zufolge habe der New Yorker A. Richard Schuster, bzw. dessen Rechtsvertreter Joshua N. Garrick, dem Casino gleich mehrere „illegale Praktiken“ vorgeworfen.

 

Er habe beispielsweise behauptet, dass das Casino bei seinen Blackjack Spielangeboten mit unrechtmäßigen Quoten arbeite. So soll das Casino statt der Standard-Quoten von 2-3 schlechtere Quoten von 6-5 angewandt haben, ohne das Spiel entsprechend anzupassen.

 

Des Weiteren soll das Casino über die Ticket-Einlöse-Automaten das Wechselgeld der Kunden einbehalten haben, da die Geräte lediglich ganze Dollarscheine, nicht aber Münzen ausgeben können.

 

Auch habe er dem Casino vorgeworfen, die Gelder nicht eingelöster Gewinntickets zurück in die eigene Hauskasse fließen zu lassen, statt diese wie gesetzlich vorgeschrieben dem staatlichen „Commonwealth’s Gaming Revenue Fund“ zukommen zu lassen.

 

Gambling Commission gibt Entwarnung

Aufgrund der schwerwiegenden Vorwürfe habe die zuständige Glücksspielbehörde Massachusetts‘ (Massachusetts Gaming Commission) Berichten zufolge unmittelbar Ermittlungen eingeleitet.

 

Das Investigations and Enforcement Bureau (IEB) der Behörde habe sich zu diesem Zwecke ohne Voranmeldung vor Ort ein Bild verschafft und jeden der Vorwürfe überprüft.

 

Blackjack Tisch mit Karten

Sind die Blackjack-Quoten unrechtmäßig? (Bild: Wikimedia)

Am Freitag fasste das IEB seine Ergebnisse in einer öffentlichen Anhörung zusammen. Die Behörde verkündete, bei ihrer Überprüfung keinerlei Verstöße gegen die geltenden Glücksspielgesetze Massachusetts‘ gefunden zu haben.

 

Bezüglich der Blackjack-Quoten erklärte das IEB, dass es dem Casino freistehe, sowohl Quoten von 2-3 als auch von 6-5 anzubieten. Die einzige Voraussetzung sei, dass die entsprechenden Quoten für die Spieler klar ersichtlich sind, bevor diese ein Spiel beginnen.

 

Im Falle des Encore Casinos seien sämtliche Wettquoten deutlich an jedem der Tische sichtbar gewesen. Von den Prüfern gemachte Fotoaufnahmen könnten dies klar belegen.

 

Jeder Cent ausgezahlt

Was hingegen den Vorwurf nicht ausgezahlter Gelder anbelangt, erklärte das IEB, dass die Vorwürfe haltlos seien. In der Tat könnten sich Kunden ihre Gelder auf den Cent genau an der Kasse auszahlen lassen. Zwar stimme es, dass die Automaten lediglich ganze Banknoten auszahlen, doch verfalle dadurch keineswegs der Restbetrag.

 

Das IEB habe dem Casino jedoch vorgeschlagen, einen entsprechenden Hinweis an den Geräten anzubringen, damit es bei Kunden künftig nicht zu ähnlichen Missverständnissen kommt. Berichten zufolge habe das Casino diesen Vorschlag bereits umgesetzt.

 

Auch den dritten Vorwurf, dass das Casino nicht eingelöste Gewinne selbst einbehält, habe das IEB widerlegen können. So habe das Casino keinerlei Infrastruktur, die Gewinnertickets selbst einzulösen, da die Gelder über ein unabhängiges System automatisch in den vorgesehenen staatlichen Fond fließen.

 

Klage noch nicht vom Tisch

Trotz des unmissverständlichen vorläufigen Urteils des IEB wird der Rechtsstreit höchstwahrscheinlich fortbestehen. Wie die Bostoner Zeitung „Boston Magazine“ berichtete, seien der Kläger und sein Rechtsvertreter empört über die Art und Weise, wie die Untersuchungen durchgeführt wurden.

 

Der Anwalt habe demnach gehofft, den Fall direkt vor ein höheres Gericht zu bringen. Sein Mandant habe dort persönlich aussagen wollen. Er beklagte, dass weder er noch sein Mandant über die Ermittlungen und die Anhörung informiert worden seien:

Wenn es das Ziel der Commission ist, dass das Glücksspiel in Massachusetts integer bleibt, fragen wir uns, warum die Vertreter des Encore mit den Prüfern des IEB zusammensaßen und an der Präsentation der Untersuchungsergebnisse teilnahmen, während wir weder kontaktiert noch eingeladen wurden, ebenfalls teilzunehmen. Wir freuen uns jetzt darauf, diese Klage energisch voranzutreiben, damit Blackjack und Spielautomaten im Encore Casino wieder in fairer und ehrlicher Weise gespielt werden können.

Er warf den Ermittlern darüber hinaus vor, die Ermittlungen übereilt durchgeführt und dabei die Anschuldigung der unrechtmäßigen Blackjack-Quoten fehlinterpretiert zu haben.

 

Die Kommission äußerte sich nur knapp zur harschen Kritik des Anwalts. Man habe den Regeln entsprechend sämtliche Vorwürfe geprüft und dabei den Fokus darauf gelegt, ob das Casino sich gesetzeskonform verhält. Man akzeptiere aber auch, dass die Klage in angemessenem Rahmen von der nächsthöheren Instanz weiterbehandelt wird.