Montag, 26. September 2022

Nackte Zahlen: So startete die Glücksspiel-Branche ins neue Jahr

Chart und Computer||poker spiel

Es ist wieder soweit: Nachdem das Finanzjahr 2018 Geschichte ist, veröffentlichen die Glücksspielanbieter peu à peu die Handelsberichte für das vorhergehende Jahr.

Bisher haben die Online-Glücksspielanbieter GVC Holdings, William Hill und GAN ihre vorläufigen Berichte vorgelegt. Unter den landbasierten Casinobetreibern sorgte vor allem die Las Vegas Sands Corporation für Schlagzeilen.

Gute Nachrichten für GVC Holdings

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partypoker ist besonders am Erfolg von GVC beteiligt. (Quelle Flickr)

GVC Holdings, einer der weltweit größten Anbieter von Sportwetten und Online-Glücksspiel, konnte zum Jahresende noch einmal ordentlich den Umsatz ankurbeln. Der Mutterkonzern von Marken wie „partypoker“, „Coral“ und „Ladbrokes“ setzte im Jahre 2018 vorsteuerlich mindestens 750 Millionen Pfund (ca. 864 Millionen Euro) um.

Verantwortlich für die guten Zahlen war eine Steigerung des Umsatzes im Online-Sektor von 19 %. Eine besonders starke Performance bot das Unternehmen in Italien, wo es seine Einkünfte um 18 % erhöhte.

Ein weiterer Grund für den gestiegenen Umsatz war ein gutes viertes Quartal, in dem das Unternehmen seine Verdienste aus dem Online-Glücksspielbereich um 15 % steigerte. GVCs landbasierte Wett-Shops, deren Zahl zwischen 2017 und 2018 von 3.565 auf 3.474 zurückging, brachten dem Konzern überraschender Weise ein Umsatzwachstum von 5 %.

Besonderen Anteil am Erfolg hatte 2018 die Pokerseite partypoker. Der Online-Pokerraum legte um satte 43 % zu und dürfte ein Lächeln auf die Gesichter der GVC-Manager gezaubert haben.

In der Chef-Etage des Unternehmens zeigte man sich dementsprechend erfreut über das profitable Abschneiden auf dem umkämpften Glücksspielmarkt. Kenneth Alexander, CEO von GVC, sagte in Anbetracht der Zahlen:

„Die Leistung der Gruppe im Jahr 2018 war exzellent. Die im dritten Quartal gemeldete starke Dynamik setzte sich auch im vierten Quartal fort. Wir übertreffen den Markt erheblich und sind in allen wichtigen Regionen vertreten. Da der Konzern diesen Schwung in das neue Jahr hinein fortsetzt und beginnt, die Chancen zu nutzen, die sowohl die Ladbrokes Coral-Integration als auch unser Sportwett-Joint-Venture mit MGM Resorts in den USA bieten, ist der Vorstand zuversichtlich, dass der Konzern sehr gut für ein erfolgreiches 2019 positioniert ist.“

Umso überraschender erscheint es, dass GVC trotz der hervorragenden Zahlen einen Umbau im Senior Management plant. Wie das Unternehmen nur vier Tage nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts mitteilte, sollen in diesem Jahr gleich vier wichtige Manager-Positionen neu besetzt werden.

William Hill – das Sorgenkind der Branche

Wie wir in dieser Woche berichteten, stehen dem Glücksspielunternehmen William Hill große Herausforderungen ins Haus. Der Konzern blieb 2018 weit hinter den Erwartungen der Analysten zurück und hat nach einem vorläufigen Bericht lediglich einen Profit von 234 Millionen Pfund (ca. 270 Millionen Euro) erwirtschaftet.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Rückgang um satte 15 %.

Der Unternehmens-Profit litt vor allem unter der Einführung eines kostspieligen Programmes zur Suchtprävention und der geplanten Ausweitung des operativen Geschäfts in den USA.

Ob sich die Zahlen im laufenden Jahr verbessern, ist fraglich. Wie The Telegraph (Link auf Englisch) berichtet, plant William Hill in den nächsten zwei Jahren die Schließung von bis zu 900 Wett-Shops mit Fixed Odds Betting Terminals.

Fixed Odds Betting Terminals (FOBTs)

Eine der größten Herausforderungen für Wettbüros im Vereinigten Königreich ist die Neuregulierung sogenannter Fixed Odds Betting Terminals.

An den Wett- und Spielautomaten konnten Kunden bisher Wetten auf Sportereignisse platzieren, aber auch virtuelle Glücksspiele wie Roulette oder Videoslots spielen. Der Maximum-Einsatz an den Geräten belief sich bislang auf 100 Pfund (ca. 115 Euro), wird allerdings ab April 2019 auf 2 Pfund (ca. 2.2 Euro) gesenkt.

Branchenexperten rechnen nach der Senkung des Einsatzes mit starken Gewinnrückgängen bei den Betreibern und der Schließung vieler Wett-Shops.

GAN mit positivem Ausblick

Positive Meldungen kamen am Freitag von GAN. Der Entwickler von Glücksspielsoftware legte 2018 deutlich zu und erwirtschaftet mehr als 10.5 Millionen Pfund (ca. 12. Millionen Euro).

Das Unternehmen ist bereits seit 2002 am Glücksspielmarkt aktiv und verkaufte seine technischen Lösungen an Anbieter William Hill und NETENT. Auch landbasierte Casinobetreiber wie Foxwoods greifen auf die Software von GAN zurück.

Die Performance der Firma könnte sich nach bisherigen Einschätzungen im Jahre 2019 weiter verbessern. Durch das anhaltende Wachstum im Online-Glücksspielsektor investieren Glücksspielkonzerne verstärkt in innovative Technologien.

Besonders attraktiv könnten in diesem Zusammenhang mobile Anwendungen sein, an denen GAN bereits arbeitet.

Las Vegas Sands Corporation erfüllt Erwartungen nicht

Unter den landbasierten Casinobetreibern schien die Las Vegas Sands Corporation im letzten Jahr noch einer der stabilsten Konzerne zu sein.

Analysten erwarteten Umsätze von 3.52 Milliarden Dollar (ca. 3.07 Milliarden Euro), mussten sich aber mit 3.48 Milliarden Dollar (ca. 3.0 Milliarden Euro) zufriedengeben.

Der Unterschied mag nicht groß erscheinen, deutet aber auf eine Tendenz hin. Selbst gut positionierte, landbasierte Casino-Unternehmen müssen in Zeiten einer brummenden US-Wirtschaft hinter ihren Erwartungen zurückbleiben.