, 16.01.2021

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben knapp 430.000 Menschen in Deutschland mit problematischem Glücksspiel zu kämpfen.  Einer von ihnen ist Tobias Blümel (35). In „Verzockt“, einer neuen Video-Dokumentation von BILD.de, erzählt der Mönchengladbacher seine Geschichte.

 

Blümel habe im Alter von 16 Jahren das erste Mal eine Sportwette platziert. Doch das harmlose Wettvergnügen sei bereits während seiner Ausbildung zum Automobilkaufmann in eine Spielsucht ausgeartet. Die Sucht nach den Sportwetten habe sein gesamtes Ausbildungsgehalt verschlungen.

 

Kurz vor Ende seiner Ausbildung habe er am Arbeitsplatz dann 20.000 Euro unterschlagen. Von einer Anzeige habe sein damaliger Arbeitgeber abgesehen. Doch schon kurze Zeit später sei er tiefer in die Kriminalität gerutscht. Über einen damaligen Fußball-Profi sei er an die Wettmafia geraten.

Über die Aktivitäten der Wettmafia in Deutschland ist nur wenig bekannt. Als einer der Experten gilt der Kriminalpolizist Michael Bahrs, der das Problem in seinem 2020 veröffentlichten Buch „Verbrechen am Fußball“ beleuchtet hat. Seiner Ansicht nach werde dem Thema in der Öffentlichkeit nicht genügend Beachtung geschenkt und Politik, Justiz und Fußballverbände blieben weitgehend untätig.

 

Wie Sport1 im Mai 2020 berichtet hat, habe nicht einmal die Corona-Krise und der damit verbundene Wegfall von Sport-Events die international agierende Wettmafia stoppen können. Es sei vermehrt zu sogenannten Geisterspielen gekommen. Kriminelle Gruppen hätten mit Erfolg vermeintliche Live-Spiel-Daten von Spielen, die gar nicht stattgefunden hätten, an Buchmacher übermittelt, die ohne Prüfung Wetten auf die Spiele angenommen hätten.

Flucht vor der Mafia und Selbstmordversuch

Blümel sei die Wettmafia beinahe zum Verhängnis geworden. Nach anfänglichen Profiten durch die Kooperation, habe er den Kriminellen schließlich Geld geschuldet. Diese hätten sein Elternhaus aufgesucht, um die Schulden einzutreiben. Blümel habe sich daraufhin über Monate verstecken müssen. 2010 habe er schließlich einen Selbstmordversuch unternommen.

Das zerstört einem das Leben. Irgendwann habe ich gedacht: Ich brauche das alles nicht mehr, ich habe eh alles kaputtgemacht.

Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie habe er mit einem Job beim Fan-Magazin von Borussia Mönchengladbach einen Neuanfang machen können. Doch die Spielsucht habe ihn erneut eingeholt. Er habe engen Kontakt mit Sportlern und Buchmachern gehabt.

 

Aufgrund eines Vertrauensverhältnisses hätten Wettbüros ihn auf Kredit spielen lassen. Doch das Vertrauen habe er missbraucht. Er sei längst wieder pleite gewesen und habe die Wettbüros letztendlich um 100.000 Euro betrogen. 2018 sei er schließlich wegen schweren Finanzbetrugs zu 39 Monaten Haft verurteilt worden.

 

Mittlerweile sei er wieder auf freiem Fuß und hoffe, eine Arbeit zu finden, um sich ein neues Leben aufbauen zu können.