, March 31, 2019

Ab Montag, den 1. April 2019, gelten in Großbritannien die neuen Richtlinien für Fixed-odds Betting Terminals. Um die finanziellen Auswirkungen auf die Buchmacher besser prognostizieren zu können, hatten sich einige Wettbüros dazu bereit erklärt, bereits im März einen Testmonat unter Anwendung der neuen Regeln durchzuführen.

 

Britische Buchmacher in großer Sorge

Im November letzten Jahres gab Großbritanniens Premierministerin Theresa May nach wochenlangen hitzigen Diskussionen den Forderungen der Minister nach: Die Maximaleinsätze an Fixed-odds Betting Terminals (FOBT) sollten von 100 auf 2 GBP gesenkt werden.

 

Als Stichtag wurde schließlich der 1. April 2019 festgesetzt. Den Buchmachern sollten also knapp sechs Monate bleiben, um sich auf technischer Ebene an die neuen Richtlinien anzupassen.

 

Für die vielen Wettbüros des Landes war dies keine gute Nachricht, denn bisher verdienten sie mit den FOBT Geräten Millionen. Kleinere Buchmacherläden sahen sich in ihrer Existenz bedroht und auch größere Namen wie William Hill oder GVC Holdings sprachen von der Schließung Hunderter von Wettbüros.

 

Coral Wettbüro

Buchmacher in Birmingham nahmen am FOBT-Trial teil (Bild: CasinoOnline)

Wie gravierend die Auswirkungen wirklich sein würden, testeten die Global Betting & Gaming Consultants (GBGC, Seite auf Enlisch) bereits in diesem März im Rahmen des sogenannten FOBT Trials.

 

Ausgewählt für den Probelauf wurde die englische Stadt Birmingham, die zweitgrößte Stadt des Vereinigten Königreiches. Wie in anderen englischen Großstädten, befinden sich im Zentrum von Birmingham unzählige Wettbüros verschiedener konkurrierender Unternehmen wie Ladbrokes, Coral, William Hill oder Paddy Power.

 

Laut aktuellem Statement der GBGC hätten die Buchmacher, die am FOBT Trial teilgenommen haben, gut 55 % weniger Gewinn gemacht als zuvor. Dies würde auf die gesamte Wettindustrie gerechnet einem Verlust von 1 Milliarde GBP bedeuten.

 

Auch für die Gerätehersteller hatten die neuen Richtlinien einen beachtlichen Investitionsaufwand bedeutet. Sämtliche Geräte mussten sich einem Software-Update unterziehen und die Spielinhalte zum Teil völlig neugestaltet werden. Die Association of British Bookmakers (ABB) erklärte vor Beginn des Testmonats dazu:

Es handelt sich hier um einen immens komplizierten Vorgang, aber wir sind auf einem fortgeschrittenen Level, um die neuen Inhalte, die Software Updates und die neuen Einsatzlimits sehr bald schon austesten zu können. So können wir sicherstellen, dass wirklich alle Buchmacherläden sich ab dem 1. April an die neuen Richtlinien halten.“

Sind Spieler mit den neuen Limits unzufrieden?

Nicht alle Buchmacher Birminghams nahmen am FOBT Trial Teil, was einen übersichtlichen Direktvergleich möglich machte. Die nicht teilnehmenden Wettbüros hätten nach eigener Aussage im März noch höhere Einnahmen mit ihren FOBT Geräten erzielt als sonst.

 

Laut der Analyse der GBGC würde dies im Umkehrschluss bedeuten, dass die Spieler selbst mit den neuen Limits nicht zufrieden sind und speziell jene Läden aufsuchten, in denen höhere Einsätze möglich waren.

 

Britische Pfund

Bargeld sehr gern zum Wetten benutzt (Bild: Pixabay)

Erklärt wurde das gezielte Aufsuchen jener Geräte mit höheren Limits vor allem damit, dass das Spielen mit Bargeld für viele Briten sehr attraktiv sei. Schätzungen zufolge haben immerhin 1,5 bis 2 Mio. Briten keinen Zugriff auf ein Bankkonto.

 

Sowohl bei den teilnehmenden als auch den nicht teilnehmenden Buchmachern sei jedoch in demselben Zeitraum die Anzahl der direkt am Schalter platzierten Wetten unverändert geblieben.

 

Letztere Erkenntnis sei besonders ernüchternd für viele Buchmacher und insbesondere für die Anbieter von Pferdewetten. Diese hätten gehofft, dass es durch die sinkende Attraktivität der FOBT Geräte zu einem ausgleichenden Anstieg am Schalter platzierter Wetten kommen würde.

 

Hohe Einsatzlimits bei Online Spielautomaten

Eine weitere große Sorge der Buchmacher ist zudem, dass mehr Kunden in der Zukunft auf Online Angebote ausweichen werden, wo die Einsatzlimits generell deutlich höher liegen. Doch auch hier wurden auf politischer Ebene mögliche Begrenzungen diskutiert.

 

Erst im Februar hatte der Tom Watson, der stellvertretende Parteivorsitzende der Labour Party, für Online Einsatzlimits ausgesprochen:

Online Glücksspielanbieter stehen in der Verantwortung, ihre Spieler davor zu schützen, Wetten zu platzieren, die sich diese nicht leisten können. Doch allzu oft vernachlässigen die Anbieter die Spieler oder arbeiten zu unsorgfältig. Wir müssen daher Grenzen setzen für die Ausgaben, die Einsatzhöhen und die Schnelligkeit der Spiele in Online Casinos.

Konkrete Pläne, diese Forderungen tatsächlich in Kürze in die Tat umzusetzen, gibt es jedoch nicht. Ab April wird sich zudem erstmals zeigen, ob die Briten nach Einführung der neuen FOBT Limits wirklich noch mehr online zocken als bisher.