, 23.12.2020

In Erfurt soll ein Zentrum zur Suchtprävention entstehen, das bundesweiten Modellcharakter trägt. Angaben der Nachrichtenagentur dpa zufolge werde das von der Suchthilfe in Thüringen (SiT) erarbeitete Projekt mit 15 Mio. Euro vom Bund bezuschusst. Ziel der Einrichtung sei es, über Süchte, wie die Abhängigkeit von Glücksspiel, Alkohol und anderen Drogen, aufzuklären, ohne belehren zu wollen. Die Eröffnung sei spätestens für das Jahr 2026 geplant.

 

„Keine schlechten Menschen“

 

Die gemeinnützige GmbH Suchthilfe in Thüringen betreibt derzeit 24 Einrichtungen in dem mitteldeutschen Bundesland. Nun soll ein ganz besonderes Projekt hinzukommen. Unter dem Titel „Welt der Versuchungen“ soll eine bundesweit einzigartiges Suchtpräventionszentrum entstehen.

 

Konkret soll es vor Ort darum gehen, Suchtproblematiken in ihrer ganzen gesellschaftlichen Breite ins Auge zu fassen, ohne Betroffene auszugrenzen oder zu belehren. So führt die Leiterin des aktuellen SiT-Präventionszentrums in Erfurt, Katrin Schnell, aus:

Wir wollen entstigmatisieren, wir wollen […] zeigen, dass ein Süchtiger [nicht] unbedingt ein schlechter Mensch ist.

Als beispielhaft für ihre geplante Arbeit nennt die Organisation das Aufgreifen von Alltagssituationen, in denen Süchte oft eine Rolle spielen können und das unabhängig vom Alter. So werde das Zentrum ebenso Raum für die Beschäftigung mit entsprechenden Problematiken in Schul- und Ausbildungszeit wie im Arbeitsleben, in der Schwangerschaft oder im hohen Alter geben.

 

Ziel des Projekts, an dem auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beteiligt ist, sei es, aufzuklären und Betroffenen mit Blick auf ihre Lebenswirklichkeit Unterstützung und Beratung zu bieten.

 

„Leuchtturmprojekt für ganz Deutschland“

 

Der mit 100.000 Euro geförderte Masterplan für das neue Zentrum wurde ebenfalls von der SiT entwickelt. Die Entscheidung über den Standort, so deren Geschäftsführer David Fritzlar, falle hoffentlich 2021. Neben den bereits vom Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellten 15 Mio. Euro werde das Projekt in den kommenden Jahren jährlich weitere Mittel im jeweils sechsstelligen Bereich erhalten.

Das aktuelle Präventionszentrum der SiT wendet sich in seiner Arbeit vornehmlich an sogenannte Multiplikatoren, also Personen, die in ihrem (beruflichen) Umfeld präventiv tätig werden können. Hierzu gehören beispielweise Jugendschutzbeauftragte, Mediziner und Pädagogen.

Die Idee zu dem Großprojekt, das auch anderen Bundesländern zum Vorbild dienen könne, sei von Suchtexpertin Schnell an den Thüringer Politiker Carsten Schneider herangetragen worden. Der Erfurter sitzt seit 1998 für die Sozialdemokraten im Bundestag.

 

Er sei es gewesen, der sich in Berlin für das Millionenprojekt starkgemacht habe. Die Entscheidung des Bundes, das Erfurter Zentrum zu fördern, beruhe unter anderem auf der guten Anbindung der Landeshauptstadt. Durch seine gute Erreichbarkeit könnten unter anderem auch Schulklassen aus anderen Bundesländern leicht den Weg ins Präventionszentrum finden.

 

Derart, so die Vision der Verantwortlichen, könnten Erfurt und ganz Thüringen „zu einem Leuchtturm in der bundesweiten Suchtprävention“ werden.