Montag, 23. Mai 2022

Niederlande: Oppositions­parteien fordern Glücks­spiel-Werbe­verbot

Die Niederlande haben das Online-Glücksspiel Anfang Oktober legalisiert. Doch schon jetzt nimmt wie auch in Deutschland die Kritik an der Glücksspielwerbung der Anbieter zu. So fordern Vertreter der beiden Oppositionsparteien Socialistische Partij und ChristenUnie erhebliche Einschränkungen, die bis hin zu einem umfassenden Werbeverbot reichen.

Die Parteien wollen unter anderem erreichen, dass Werbung für Online-Glücksspiele generell nicht vor 21 Uhr ausgestrahlt werden darf. Zudem solle die Werbung im Umfeld von Sportveranstaltungen reduziert werden. Am Ende des Forderungskataloges stehe ein vollständiges Werbeverbot

Verbot nicht durchsetzbar?

Allerdings geben sich die Politiker in Bezug auf die Durchsetzung eines Verbotes keinen Illusionen hin. Eine parlamentarische Mehrheit werde es dafür nicht geben, prophezeite der SP-Abgeordnete Michiel van Nispen. Trotzdem müsse schnell etwas geschehen.

Van Nispen erklärte:

Die Leute sind von der Glücksspielwerbung genervt. Sie verleitet auch ehemalige Spieler dazu, wieder mit dem Glücksspiel anzufangen.

Ähnlich argumentiert Mirjam Bikker von der ChristenUnie. Sie betont, dass das Glücksspiel Leben zerstöre. Es gebe keine „clevere Werbekampagne“, die diesen gefährlichen Umstand ausschalten könne.

Viele Menschen ließen sich durch die Werbung zum Glücksspiel verleiten, obwohl dieses viel Elend mit sich bringe. Die am 1. Oktober erfolgte Öffnung des Glücksspielmarktes in den Niederlanden trage dazu bei, die gefährliche Situation zu verschärfen.

Unregulierte Werbung

Demnach hätten Glücksspieler früher aufwändig im Internet nach entsprechenden Angeboten suchen müssen. Dies sei mit Legalisierung des Online-Glücksspiel sehr viel einfacher geworden.

Dass lizenzierte Unternehmen nun für ihre Angebote im Internet oder TV werben dürften, sei ein Problem für den Spielerschutz, so die Kritik von ChristenUnie und SP. Sie vertreten die Auffassung, dass es mehr Einschränkungen für die Glücksspielwerbung geben sollte, da diese insbesondere für Kinder und Jugendliche sehr gefährlich sei.

Unter anderem bietet auch Holland Casino Online-Glücksspiel an. Der staatliche Betreiber gehört zu den ersten elf Unternehmen der Niederlande, die dafür eine Lizenz erhalten haben. Insgesamt will die Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit rund 40 Lizenzen vergeben.

Trotz der bereits erfolgten Lizenzierung gebe es noch immer keine Begrenzung für die Anzahl der Werbespots. Die Betreiber versuchten zwar, einen Werbekodex festzulegen, doch in dieser Hinsicht gebe es kaum Fortschritte.

Nach Angaben des für den Werbekodex zuständigen Ausschusses sei die Zahl der Beschwerden über Glücksspielwerbung seit der Öffnung des Online-Marktes leicht gestiegen. Allerdings halte sich dieser Wert bisher noch im Rahmen.

Van Nispen sehe trotzdem keinen Grund dafür, die Werbung überhaupt zuzulassen. Es würden Menschen zum Glücksspiel verleitet, die gar nicht spielen wollten. Dies lasse ich jedoch kaum mit dem auch von der Regierung gewünschten Spielerschutz vereinbaren.