Donnerstag, 19. Mai 2022

Niederlande: Glücksspiel-Anbieter um Spielerdaten zu Forschungs­zwecken gebeten

Data Daten Niederländische Online-Glücksspiel-Anbieter sollen ihre Spielerdaten für die Forschung freigeben (Bild: Pixabay)

Mit der Legalisierung des Online-Glücksspiels in den Niederlanden hat die Spielsucht-Forschung einen neuen Stellenwert erhalten. Damit den Forschungsinstituten künftig genügend Daten zur Verfügung stehen, sind Online-Glücksspiel-Anbieter ab sofort gesetzlich verpflichtet, ihre Kundendaten in anonymisierter Form zu sammeln und übermitteln.

Das entsprechende Gesetz ist am 6. Dezember im niederländischen Staatsanzeiger (Staatscourant) veröffentlicht worden. Wie die Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) [Seite auf Niederländisch] am Donnerstag berichtete, habe sie zur Ausarbeitung des Gesetzes beigetragen.

Dem neuen Gesetz zufolge müssen alle Online-Glücksspiel-Anbieter von jedem Spieler die folgenden Daten erfassen und zur Auswertung an Forschungsinstitute weiterleiten:

  • Zeitpunkt der Registrierung
  • Zeitpunkt/Häufigkeit jeder An- und Abmeldung
  • Aktive Spieldauer
  • Art der gespielten Spiele
  • Anzeichen für exzessives Glücksspiel
  • Interventionsmaßnahmen seitens Anbieters bei übermäßigem Glücksspiel
  • Gewählte Einzahlungs- und Einsatzlimits
  • Spielersperren
  • Altersangabe bei Spielern unter 24 Jahren
  • Ein- und Auszahlungen inklusive Zahlungsmethode

Bislang hätten derartige Daten für die Spielsucht-Forschung nur sehr lückenhaft gesammelt werden können, heißt es in der Einleitung zum Gesetz. Forscher müssten sich vor allem auf die Ergebnisse aus Umfragen verlassen und erhielten dabei lediglich eine Stichprobe. Diese sei nicht unbedingt repräsentativ für den gesamten Glücksspiel-Markt der Niederlande.

Ein umfangreicherer Datensatz sei dabei von größter Bedeutung, um die Entwicklung von Spielsucht zu verstehen und entsprechende Präventions-Maßnahmen zu kreieren. Im Gesetz heißt es dazu:

Diese Daten sind wichtig für die […] Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu problematischem Spielverhalten sowie für die Entwicklung von maßgeschneiderten Interventionsmaßnahmen, welche die Entwicklung von freizeitlichem Glücksspiel hin zu einem problematischen Glücksspiel so früh wie möglich stoppen.“

Im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten seien Glücksspiel-Anbieter ohnehin aufgefordert, Spielerdaten zu sammeln. Diese der Forschung zur Verfügung zu stellen, sei daher ein logischer nächster Schritt.

Niederlande bald Vorreiter in der Glücksspiel-Forschung?

Das Thema Spielsucht-Forschung steht bei der KSA in diesem Jahr weit oben auf der Agenda. So hatte die Glücksspiel-Behörde vor einigen Monaten eine Untersuchung zum Thema in Auftrag gegeben. Das Forschungsinstitut Trimbo sollte eine Übersicht darüber geben, welche Aspekte der Spielsucht bereits gut erforscht sind und wo es dringenden Nachholbedarf gibt.

Laut der Anfang Dezember veröffentlichten Untersuchung fehle es insbesondere an gezielten Studien zur Spielsucht in bestimmten Risikogruppen, z.B. unter älteren Menschen, Jugendlichen, Vorbestraften oder Menschen mit Migrationshintergrund.

Wie die KSA in dem Zusammenhang erklärte, sollen in den nächsten Monaten und Jahren mehrere Spielsucht-Studien durchgeführt werden. Finanziert würden diese über einen von der Behörde ins Leben gerufenen Fonds, für welchen alle lizenzierten Anbieter Abgaben zu leisten hätten.