, 08.02.2021

Nach vielen Monaten der Verzögerung hat die Regierung der Niederlande den Gesetzestext des neuen Online-Glücksspielgesetzes ausformuliert und veröffentlicht [Original auf Niederländisch]. Dies teilte am Freitag die niederländische Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit (KSA) mit.

 

Ebenso wie der neue Glücksspielstaatsvertrag Deutschlands, der Anfang 2020 von den Ländern ausgearbeitet wurde, verfolgt das neue Glücksspielgesetz der Niederlande vor allem das Ziel der Legalisierung des Online-Glücksspiels. Gleichzeitig sollen strikte Regeln und Auflagen für Lizenznehmer maximalen Spielerschutz schaffen.

 

Die Legalisierung des Online-Glücksspiels durch private Anbieter ist sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden ein historischer Moment. In beiden Ländern sollen die ersten legalen Online-Casinos in diesem Jahr starten dürfen. Die derzeit vorliegenden Gesetzestexte haben dabei einige grundsätzliche Gemeinsamkeiten, aber auch maßgebliche Unterschiede.

 

Deutlich mehr Spiele in den Niederlanden erlaubt

Anders als in Deutschland wird es in den Niederlanden keine Einschränkung in Bezug auf die Vielfalt von Casinospielen und Sportwetten geben. Online Casinos dürfen Spielautomaten, inklusive progressiver Jackpots, sowie alle üblichen Tischspiele anbieten.

 

Der Gesetzestext nennt konkret die Casinospiele Roulette, Blackjack, Baccarat, Sic Bo, Glücksräder, Poker und diverse Bingo-Spiele. Spieler dürfen sowohl gegen das Haus als auch gegeneinander spielen.

 

Wie die Regierung erklärt, sei es wichtig, das regulierte Spielangebot möglichst attraktiv zu gestalten, um eine Abwanderung auf den Schwarzmarkt zu verhindern. Daher solle das Angebot stets an die Vorlieben der Spieler angepasst werden.

Es ist unmöglich vorherzusagen, welche Glücksspiele es in Zukunft geben wird und welche eine erhebliche Nachfrage seitens der Spieler erzeugen könnten. Flexibilität bei der Regulierung des Spielangebots ist wichtig, damit die Lizenznehmer ein geeignetes und attraktives Angebot entwickeln können.

Auch bei Sportwetten soll es in der Vielfalt der Angebote grundsätzlich keine Einschränkungen geben. Online-Buchmacher dürfen Wetten mit festen Quoten, Pool-Wetten-Wettbörsen und Spread-Wetten anbieten.

 

Wetten dürfen grundsätzlich auf alle Sportarten angeboten werden. Laut Gesetzestext werden auch Wetten auf virtuelle Sportarten, Fantasy Sports und E-Sport nicht ausgeschlossen, sofern bei den zugrundeliegenden Events dieselben Maßnahmen in Bezug auf Spielmanipulations- und Geldwäscheprävention sowie Spielerschutz nachgewiesen werden können.

 

Anders als in Deutschland sind auch Live-Wetten erlaubt. Allerdings darf während Sportevents keinerlei Sportwetten-Werbung geschaltet werden, da diese zur Teilnahme an Live-Wetten anregen könnte, heißt es in Kapitel 8 des Gesetzes.

 

Niederlande verzeiht keine Fehltritte

Während die Anbieter somit in Bezug auf das Spielangebot keine Einschränkungen zu befürchten haben, stellt die Regierung hohe Anforderungen an alle künftigen Lizenznehmer.

 

Zum einen müssen Bewerber vorweisen, alle erforderlichen Maßnahmen für Spielerschutz und Geldwäsche-Prävention zu ergreifen und über genügend finanzielle Mittel zu verfügen. Zum anderen müssen sie auch eine lupenreine Weste in Bezug auf etwaige Verstöße vorweisen.

 

Das bedeutet, dass Glücksspiel-Anbieter, die zuvor von der niederländischen Glücksspielaufsicht wegen des Anbietens unlizenzierter Glücksspiele in den Niederlanden abgestraft wurden, in Zukunft keine Lizenz erhalten können.

 

Auch sollen etwaige Verstöße von Glücksspielanbietern in anderen Ländern eine Rolle spielen, wenn es um die Vergabe der Lizenzen geht. Daher hatte die KSA bereits im Januar zu verstärkter internationaler Kooperation aufgerufen.

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