, 09.05.2021

Laut Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas im Rhein-Kreis Neuss ist die Anzahl spielsüchtiger Frauen unter den Hilfesuchenden deutlich angestiegen. Insbesondere die Tatsache, dass das Online-Glücksspiel derzeit einen Boom erlebe, könne als Grund für die Zunahme weiblicher Spielsüchtiger herangezogen werden.

 

Männerdomäne Glücksspielsucht?

 

Nach wie vor belegen Studien, dass die Spielsucht, ob im Internet oder der analogen Welt, eher ein männliches Problem ist. So haben Erhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergeben, dass Frauen in Deutschland durchschnittlich nicht nur seltener am Glücksspiel teilnehmen als Männer und generell weniger Geld fürs Zocken ausgeben, sondern auch weniger oft von problematischem und pathologischem Spiel betroffen sind.

 

Allerdings, so legt es unter anderem die aktuelle Mitteilung der Fachstelle Glücksspielsucht der Neusser Caritas nahe, scheint sich das Gleichgewicht der Geschlechter auch in Sachen Problemspiel immer deutlicher einzupendeln.

 

So beschreibt die Leiterin der Präventions- und Suchthilfestelle, Verena Verhoeven, dass die Anzahl von Frauen, die aufgrund von Glücksspiel-Problematiken Hilfe suchten, deutlich angestiegen sei.

 

Während der Pandemie habe sich insbesondere die Nutzung von Online-Glücksspiel-Angeboten für viele als problematisch erwiesen. So trage nach Ansicht der Expertin auch die Tatsache, dass nach wie vor vorrangig Frauen einen Großteil häuslicher Arbeiten verrichteten, dazu bei, dass das Spiel im Internet zum Problem in der weiblichen Bevölkerung werde:

Spielaffine Frauen suchen beim Onlineglücksspiel Entspannung. Das lässt sich ganz leicht in den Alltag integrieren. (…) Es ist 24 Stunden am Tag an praktisch jedem Ort verfügbar, es kann in schneller Spielfolge mit hohen Einsätzen gespielt werden und das Gefühl für Geldverlust und eine soziale Kontrolle fehlen völlig.

Glücksspielstaatsvertrag mit Lücken

 

Verhoeven zufolge seien die anstehende Legalisierung des Online-Glücksspiels und die damit einhergehende verankerte gesetzliche Stärkung des Spielerschutzes zu begrüßen. Allerdings seien die Vorgaben im neuen Glücksspielstaatsvertrag nicht weitreichend genug bzw. nicht ausreichend konkret formuliert.

Experten zufolge halten Scham- und Schuldgefühle in Bezug auf die Spielsucht Frauen besonders oft davon ab, sich Hilfe zu suchen. Dieselben Faktoren führten auch dazu, dass Frauen oft das anonyme Spiel im Internet dem Besuch von Spielhallen und Co. vorzögen. Zudem sei die Motivation fürs Glücksspiel bei Frauen oft anders gelagert als bei Männern. Suchten Männer oft in erster Linie nach Aufregung und finanziellem Erfolg, sehnten sich Spielerinnen in vielen Fällen danach, durch Ablenkung den Sorgen des Alltags zu entfliehen.

So sei ein monatliches Einzahlungslimit für Online-Glücksspiel zwar der richtige Ansatz, die Praxis zeige jedoch, dass die gesetzlich vorgesehene Grenze deutlich zu hoch sei. Es sei nicht davon auszugehen, dass mehr als ein Bruchteil derer, die in der Beratungsstelle Hilfe suchten, einen monatlichen Verlust von 1.000 Euro finanziell verkraften könne.

 

Letztlich, so das Statement der Fachstelle sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszumachen, welche Folgen die gesetzliche Neuregelung des Glücksspiels in Deutschland für die Spielsuchtproblematik haben werde. Die vergangenen Monate zeigten jedoch sowohl unter Frauen als auch unter Männern einen starken Anstieg des Problemspiels. Dieser Trend, so die Expertin, mache den Verantwortlichen Sorgen.

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