, 01.02.2018

Augsburger Allgemeine

Illegale Spielautomaten sind in Österreich weit verbreitet (Bild: Augsburger Allgemeine)

Schon seit Jahren tobt in Österreich ein staatlicher Kampf gegen das illegale Glücksspiel. Schwerpunkt sind dabei Spielautomaten, die in großer Zahl illegal betrieben werden. Oberösterreich mit seiner Hauptstadt Linz ist dabei ein Hotspot des illegalen Treibens. Die Polizei geht davon aus, dass im gesamten Bundesland weit über 1.000 Geräte stehen, die ohne Konzession betrieben werden und die ihren Besitzern gigantische Gewinne einbringen.

 

Die Margen sind derart hoch, dass die Drahtzieher inzwischen eine ganze Infrastruktur rund um ihr lukratives Geschäft aufbauen konnten. Dazu gehört neben den Spielstätten und auf Glücksspielrecht spezialisierten Anwälten vor allem eine ausgeklügelte eigene Logistik. Diese sorgt zuverlässig dafür, dass beschlagnahmte Automaten reibungslos durch neue Geräte ersetzt werden. Schon um diesen Nachschub zu organisieren, sind Know-how und gute Verbindungen notwendig. Schließlich müssen die Geräte beschafft und irgendwo an möglichst zentraler Stelle gelagert werden. Von dort aus müssen sie sodann rasch und sicher zu den Spielstätten im gesamten Land transportiert werden.

 

Illegale Glücksspiel-Szene bandenmäßig organisiert

Ermittler vermuten, dass hinter den Strukturen eine Bande steht, die mit dem illegalen Glücksspiel Millionengewinne erwirtschaftet. Doch es ist äußerst schwer, an die Hintermänner heranzukommen. Die illegalen Casinos werden von Personen betrieben, die keinerlei Auskunft über ihre Auftraggeber preisgeben. Somit hat sich eine mafiaähnliche Struktur gebildet, die inzwischen vom Bundeskriminalamt (BKA) ernsthaft beobachtet wird. Robert Klug ist beim BKA für den Aufbau einer Einheit gegen illegale Banden aus der Spieler-Szene betraut. Er sagt zu dem Problem des illegalen Glücksspiels:

 

„Wir haben es mit organisierten, kriminellen Strukturen zu tun, die ähnlich wie ein Unternehmen funktionieren: mit mehreren Hierarchieebenen, hohem Gewinnfaktor und mutmaßlich auch Einflüssen in Politik und Wirtschaft hinein.“

 

Spielautomaten

Spielautomaten im Casino (Bild: bluemacau)

Neben den illegalen Spielhallen sowie Kneipen und Lokalen mit versteckten Automaten rückt eine weitere Spielstätte verstärkt in den Fokus der Ermittler. Schätzungen zufolge sind bis zu 50 Prozent der illegalen Geräte in Kulturvereinen installiert. Das Migrationsmilieu ist ein idealer Ort für die Automaten-Aufsteller, da sich das Glücksspiel in der zumeist männlichen Szene großer Popularität erfreut. Da die Vereine beliebte Treffpunkt sind, versprechen die an diesen Orten aufgestellten Geräte große Gewinne, welche von den Betreibern steuerfrei einkassiert werden.

 

Tausende an beschlagnahmten Spielautomaten

Dabei sind die Finanzbehörden Österreichs überaus aktiv. So haben sie von 2015 bis 2017 im ganzen Land 5764 verbotene Glücksspielautomaten eingezogen und im Zuge der Ermittlungen Strafanträge in Höhe von über einhundert Millionen Euro gestellt. Allein in den ersten zehn Monaten des letzten Jahres wurden demnach 2225 Geräte sichergestellt. Dabei wurden in Oberösterreich mit 950 Slots annähernd 40 Prozent aller Geräte beschlagnahmt.

 

Doch die staatlichen Stellen kommen der Flut immer neuer Automaten kaum hinterher. Sobald die einarmigen Banditen irgendwo abgeholt wurden, werden diese von vielen Betreibern sofort wieder ersetzt. Unterstützt werden die Casino-Wirte darüber hinaus von einem Heer guter Anwälte. Diese konnten auch jüngst wieder Erfolge feiern, als sie die Herausgabe von Dutzenden zuvor beschlagnahmter Spielautomaten erreichten.

 

Komplizierte rechtliche Lage

Für Staat und Behörden erschwert sich die Situation zusätzlich, da die Regelung des Glücksspiels in Österreich den Bundesländern obliegt. Dies führt dazu, dass – wie in Deutschland auch – von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandelt und geurteilt wird. Hinzu kommen EU-Richtlinien, die teilweise von der nationalen Rechtsprechung abweichen oder gar rechtskräftige Urteile aufheben.

 

Will der Staat wirksam gegen das illegale Glücksspiel durchgreifen und die beschriebenen mafiösen Strukturen zerschlagen, wäre eine einheitliche Gesetzgebung die Grundvoraussetzung. Doch wie hierzulande ist auch bei unseren südlichen Nachbarn nicht so schnell mit einer endgültigen Einigung zu rechnen. Solange die aktuelle Lage anhält, werden weiterhin viele Schlupflöcher bestehen, durch die Kriminelle mit illegalem Glücksspiel hohe Profite erzielen.

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