, 20.09.2018

In den letzten drei Tagen flammte die Diskussion um Mesut Özil (29) erneut auf. Während sein Berater Erkut Sögüt den DFB und verschiedene Nationalspieler angreift, kritisiert auch Jérôme Boateng (30) das Verhalten seiner Kollegen.

 

Berater Sögüt verteidigt Özils Entscheidungen

Das Thema Mesut Özil kommt nicht zur Ruhe. Was mit einem Foto im Juni begann, eskalierte schnell zu einer politischen Debatte und schuf eine Reihe von Anfeindungen und Kritik im gesamten Fußball-Deutschland.

 

Ilkay Gündoğan, Mesut Özil, Recep Tayyip Erdoğan

Gündoğan (links), Özil (Mitte) und Präsident Erdoğan (rechts) (Bildquelle: flickr)

Während Özil selbst sich noch immer nicht zu der Ablichtung mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan oder gar zu seinem plötzlichen Rücktritt geäußert hat, verteidigte sein Berater Dr. Erkut Sögüt jetzt den Ex-Weltmeister in einem Interview mit dem Magazin „11 Freunde“.

 

Sögüt, der als Kind türkischer Gastarbeiter in Hannover aufwuchs und derzeit als Rechtsanwalt eine Beratungsfirma in London leitet, ist der klaren Meinung, dass Özil „außerhalb des Platzes […] keinen Fehler gemacht“ habe.

 

Damit bezog sich der Anwalt auf das Foto von Mesut Özil (29) und Ilkay Gündoğan (27) mit Staatspräsident Erdoğan, Dass Özil den Präsidenten getroffen hat, nachdem dieser ihn darum gebeten hatte, sei eine Frage des Respekts gewesen. Özil selbst interessiere sich nicht für Politik

Spielerberater im Fußball

Der Großteil aller Fußballprofis lässt sich durch Beraterfirmen oder einzelne Spielerberater unterstützen. Weltweit gibt es derzeit 4.005 eingetragene Beraterfirmen und 8.699 Spielerberater. Allein in Deutschland arbeiten 756 registrierte Berater, womit Deutschland weltweit auf Platz 1 steht.

 

Zu den Aufgaben eines Spielerberaters gehört die Suche nach neuen Vereinen, die Betreuung während Spielphasen, die Unterstützung bei privaten Problemen und Verhandlungen auf dem Transfermarkt. Die Beraterfirma „SporsTotal“, bei denen unter anderem Toni Kroos und Marco Reus unter Vertrag stehen, zählt hierzulande zu den erfolgreichsten.

 

Doch nicht alle Spieler wünschen den Support durch einen derartigen Berater. Manche Top Spieler, wie beispielsweise Lionel Messi oder Mario Götze, ziehen das persönliche Management durch ein enges Familienmitglied vor.

Auf die Frage hin, warum Sögüt seinen Schützling nicht davon abgehalten hatte, zu dem besagten Treffen in London zu gehen, entgegnete dieser, dass Özil alt genug sei und „seinen eigenen Kopf“ habe. Des Weiteren kenne der Fußballer den Präsidenten bereits seit acht Jahren. Sögüt und Özil hingegen kennen sich noch nicht so lange.

 

Vorwurf des Fehlverhaltens gegen Kroos, Neuer und Müller

Doch im Interview blieb es längst nicht bei der Rechtfertigung Özils Handelns, denn Sögüt kritisierte auch deutlich einige Spieler der Nationalelf. Im Mittelpunkt standen dabei Toni Kroos (28), Manuel Neuer (32) und Thomas Müller (29).

 

Deutscher Torwart Manuel Neuer

Manuel Neuer bei der WM 2018 (Bildquelle: Wikipedia)

Nicht viele von Özils Teamkollegen hatten nach dessen Rücktritt öffentlich Stellung genommen. DFB-Kapitän Manuel Neuer war einer der wenigen, der sich, wenn auch recht vage, zum Thema geäußert hatte.

 

Laut Neuer akzeptiere man Özils Entscheidung, denn dieser werde seine persönlichen Gründe haben. Die Rassismusvorwürfe wies der 32-jährige jedoch wie auch Bundestrainer Löw deutlich zurück. Schließlich habe man alles dafür getan, um jeden Spieler in die Mannschaft zu integrieren.

 

Sögut interpretierte nun Neuers Aussage als Vorwurf gegen Özil, „nicht mit Stolz das deutsche Nationaltrikot getragen zu haben“. Der Berater bezeichnete dabei diesen vermeintlichen Vorwurf als inakzeptabel.

 

Neuer reagierte am Dienstag prompt, aber gelassen auf die Kritik Sögüts:

Ich kenne diesen Menschen nicht, ich weiß nicht, wer das ist. Für mich gibt es da kein Thema mehr.

Auch die Äußerungen Thomas Müllers betitelte Sögüt als „enttäuschend und deplatziert“. Dieser habe die gesamte Diskussion nicht verstanden. Müller hatte dafür plädiert, dass die „heuchlerische Diskussion“ beendet wird und wieder „Ruhe einkehrt“. Seiner Meinung nach sei das Thema durch die Medien unnötig „aufgebauscht“ worden.

 

Keiner der Spieler hatte sich jedoch so klar positioniert wie Mittelfeldspieler Toni Kroos. Dieser sagte, dass Özils Rücktrittserklärung trotz einiger richtiger Punkte „durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet“ worden sei.

 

Erkut Sögüt forderte nun von Kroos, der ja ein „gestandener Nationalspieler“ sei, diese Aussage genauer zu erklären und die Wortwahl „Quatsch“ präzise zu definieren.

 

 

Angriff auf die Bayern-Bosse Hoeneß und Rummenigge

Doch besonders harsch war die Kritik des Anwalts gegen Uli Hoeneß (66) und Karl-Heinz Rummenigge (62). Laut Angaben des Magazins „11 Freunde“ habe sich Sögüt minutenlang über die beiden Bosse ausgelassen, nachdem man ihn auf Hoeneß‘ Kritik an Özil angesprochen hatte.

 

Bayern Präsident Hoeneß hatte sich nach Özils Rücktritt nämlich überaus zufrieden gezeigt und gesagt, der Fußballer habe „seit Jahren einen Dreck gespielt“. Zusammen mit Rummenigge hatte der 66-jährige das gesamte Thema als „Phantomdiskussion“ bezeichnet.

 

Sögüts Vorwürfe gegen die Bosse waren daraufhin heftig. So wurde er unter anderem von der Münchener Boulevard-Zeitung „TZ“ und Österreichs Tageszeitung „Heute“ zitiert:

Wenn hier irgendjemand ablenken will, dann sind es diese beiden. Und zwar von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein.

Auch Bundestrainer Joachim Löw (58) blieb im Interview nicht außen vor. Löw hatte sich im August, unter anderem im Zuge der WM-Analyse, auch zu den Rassismusvorwürfen rund um Özil geäußert und diese als „überzogen“ bezeichnet.

 

Sögüt sagte dazu, dass Löw sich in dem Zusammenhang gegen einen Vorwurf verteidigt habe, den es nie gegeben hätte. So sei nicht Rassismus innerhalb des Teams das Problem gewesen, sondern der türkischstämmige Spieler sei „von der Mitte der Gesellschaft rassistisch angefeindet“ worden. Der DFB hätte ihn genau davor schützen müssen.

 

Jérôme Boateng als einziger Verbündeter

Während Erkut Sögüt also die Kommentare der deutschen Nationalspieler kritisiert, bemängelt Abwehrspieler Jérôme Boateng die fehlende Beteiligung seiner Teamkollegen an der Diskussion.

 

Neben Antonio Rüdiger (25) war Boateng der einzige, der nach Özils Rücktritt großes Bedauern ausgesprochen hatte. Laut Boateng hätte jeder Spieler im Team eine Meinung zum Thema gehabt und niemand hätte gesagt, dass man Özil und Gündoğan nicht brauche.

 

Boateng hatte sich daher mehr Unterstützung durch seine Teamkollegen und vor allem mehr öffentlichem Dank gegenüber den Leistungen Özils gewünscht:

Da geht es nicht um die Aktion mit dem Foto. Da geht es um einen tollen Spieler, der mit uns Weltmeister geworden ist, der super-viele Länderspiele gemacht hat, der den deutschen Fußball auch ein Stück weit verändert hat. Eine Nummer 10 mit Migrationshintergrund! Dem muss man ‚Danke‘ sagen. Sich dann zu enthalten, finde ich schade.

Boateng bestätigte auch, dass der Aufruhr um das Foto durchaus einen negativen Einfluss auf den Verlauf der Weltmeisterschaft gehabt habe. Das Thema sei „nervig“ gewesen und habe für Unruhe im Team gesorgt.