Sonntag, 03. Juli 2022

Pokémon und Super Mario ab 18? Aufruhr um neue Glücksspiel-Regeln der PEGI

Pokemon Pikachu Pokeball PEGI 18

Neuauflagen beliebter Spielklassiker wie Pokémon oder Super Mario könnten in vielen Ländern Europas künftig erst für Spieler ab 18 Jahren freigegeben sein. Grund dafür sind die jüngsten Änderungen im Alterseinstufungssystem der Pan European Game Information (PEGI). Spiele mit jedweder Form von Glücksspiel-Elementen sollen die Alterskennzeichnung „18“ erhalten.

Bislang fielen in die Kategorie 18+ alle Spiele, in denen „grobe Gewalt“, explizite sexuelle Handlungen, eine „Verherrlichung des illegalen Drogenkonsums“ oder Elemente, die Hass gegen ethnische oder religiöse Gruppen schüren könnten, zu finden sind.

Auch Glücksspiel-Elemente waren bereits Wegweiser für die Alterseinstufung, fielen jedoch weniger ins Gewicht. So konnten Spiele, die beispielsweise zum „Glücksspiel ermuntern“ oder die Regeln von Glücksspielen lehren, bislang auch als PEGI 12 oder PEGI 16 eingestuft werden.

Das PEGI-Alterseinstufungssystem kommt in 35 europäischen Staaten zum Einsatz. Deutschland ist eines der wenigen Länder, das sich der PEGI nicht angeschlossen hat und stattdessen sein eigenes nationales Klassifikationssystem nutzt. In Deutschland gelten daher die Weisungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Das PEGI-System wird hingegen in allen neun Nachbarländern Deutschlands, in Großbritannien und Irland, in ganz Skandinavien, in den südeuropäischen Ländern Portugal, Spanien, Italien und Griechenland sowie mehreren osteuropäischen Staaten genutzt.

Ab sofort jedoch soll jedes Spiel als PEGI 18 eingestuft werden, in welchem „Glücksspiele, die normalerweise in Casinos oder Spielhallen gespielt werden“, in irgendeiner Form thematisiert werden.

Mehrere bei Kindern beliebte Klassiker betroffen

Die Neuigkeit hat in der Presse sowie in Gaming-Foren unmittelbar für Aufruhr gesorgt. Spiele wie die klassischen Pokémon-Versionen oder Super Mario, die insbesondere von Kindern gespielt würden, wären entsprechend den neuen Regelungen nur noch für Erwachsene geeignet, stellt die britische Zeitung Independent fest [Seite auf Englisch].

Pokémon Red, Blue und Yellow aus dem Jahr 1996 enthielten nämlich „Gaming Corners”, in denen Spieler Slot-ähnliche Spiele spielen und dabei eine virtuelle Währung gewinnen könnten. Bei Super Mario 64 DS aus dem Jahr 2004 hingegen könnten Spieler Mini-Games mit Casino-Thematik spielen und dabei Poker und Blackjack lernen.

Die neuen PEGI-Regeln sollen jedoch nicht rückwirkend auf Spiele angewendet werden, die bereits seit Jahren auf dem Markt sind. Spielentwickler müssten die neuen Glücksspiel-Regeln jedoch bei künftigen Neuerscheinungen berücksichtigen, um eine zu hohe Klassifizierung ihrer Spiele zu vermeiden.

Glücksspiel auch im Fokus der USK in Deutschland

Auch bei der deutschen USK ist Glücksspiel im Rahmen der Alterseinstufung von Spielen ein Thema. Vor knapp einem Jahr erklärte die USK, ihre Leitkriterien entsprechend angepasst zu haben:

Konkret wird dabei überprüft, ob Spielinhalte vorliegen, die zu einer Gewöhnung an beziehungsweise Verharmlosung von Glücksspiel führen können, indem sie eine positive Einstellung gegenüber Glücksspielen fördern, zur Desensibilisierung gegenüber Spielverlusten beitragen oder unrealistische Gewinnerwartungen hervorrufen.

Anders als die PEGI hat die USK jedoch keine pauschale Altersklassifizierung für Spiele mit Glücksspiel-Elementen festgelegt. Vielmehr solle jedes Spiel auch in Bezug auf Glücksspiel-Inhalte individuell bewertet werden. Ob sich dieser Ansatz künftig ändern könnte, bleibt angesichts des wachsenden Drucks seitens Jugendschützern abzuwarten.