, May 8, 2019

Der schwedische Branchenverband der privaten Online Glücksspiel-Betreiber, Branschföreningen för Onlinespel (BOS), hat offiziell Beschwerde gegen den ehemaligen Monopolisten Svenska Spel eingereicht. Der staatliche Glücksspielanbieter habe es versäumt, TV-Werbungen den strengen Richtlinien der schwedischen Ordnungsbehörden entsprechend zu gestalten, so die Interessenvertreter.

 

Der BOS (Seite auf Englisch) wirft dem schwedischen Glücksspielriesen Svenska Spel vor, mit seinen Werbemaßnahmen die neuen Gesetze in Bezug auf die Vermarktung des Glücksspiels in dem skandinavischen Land zu brechen. Die Beschwerde war am Montag bei der Prüfungskommission der schwedischen Sendeaufsicht eingegangen.

 

Aggressive Werbung im Familienprogramm

 

Der Vorwurf des Dachverbands der privaten Online Casinoanbieter: Der staatliche Konzern bewerbe seine „weichen Spiele“, wie Triss, Keno und Lotto, ohne die gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen einzuhalten.

 

Trotz der klaren rechtlichen Regelungen verzichte Svenska Spel bei seinem TV-Marketing in Rahmen von Morgensendungen und anderen familienfreundlichen Programmen auf die obligatorischen Hinweise zum verantwortungsvollen Spiel.

 

Als Beispiel nennt die Beschwerde ein Frühstücksprogramm auf dem Sender TV4, das auch Werbung für Svenska Spel beinhaltet.

Logo BOS Schweden

Der BOS setzt sich für die Belange der privaten Glücksspielindustrie in Schweden ein (Quelle:bos.nu)

Der Branchenverband BOS wurde 2012 gegründet und vertritt derzeit die Interessen von 22 Betreiber- und Entwicklerfirmen der Online-Glücksspielindustrie in Schweden.

 

Den Vorstand des Verbandes bilden die Branchenriesen Paddy Power Betfair plc, Mr Green, Kindred (Unibet), Betsson und NetEnt. Assoziierte Mitglieder sind unter anderem William Hill, Pokerstars und LeoVegas.

In dem angesprochenen Fernsehformat werden Gäste von den Moderatoren eingeladen, mit Svenska Spel-Produkten wie z.B. Rubbellosen ihr Glück zu versuchen. Währenddessen dreht sich das Gespräch darum, was die Besucher mit einem Hauptgewinn anfangen würden.

 

Der BOS beklagt in seiner Beschwerde, dass sich in diesem Teil der Sendung keinerlei Hinweise zum Spielerschutz fänden, obwohl es sich klar um Marketing für Svenska Spel handele. Als Beleg für den erbenden Charakter wird die prominente Platzierung der Logos des Glücksspielbetreibers angeführt.

 

Zudem, so der BOS, bestreite auch Svenska Spel selbst nicht, dass es den Sender für die Ausstrahlung des betreffenden Parts finanziell entschädige. Allerdings sei dies während der Sendung für den Zuschauer nicht erkennbar.

 

Svenska Spel ein „Gauner“?

 

BOS-Generalsekretär Gustaf Hoffstedt (44) zeigt sich in einem Statement empört über die Werbemaßnahmen. Mit der Platzierung der Werbung als normalen Teils des morgendlichen Fernsehprogramms nutze Svenska Spel seine Position als staatliches Unternehmen aus. Bei der Verschleierung der klaren Werbebotschaft agiere der Konzern wie ein “Gauner”.

 

Es könne nicht angehen, dass Glücksspiel als „soft game“ und ohne Hinweise zum Spielerschutz aggressiv vermarktet werde, so der Vertreter der privaten Anbieter:

Alle Mitglieder des schwedischen Spielmarktes müssen verstehen, dass die alten Regeln des Monopol-Marktes nicht mehr gelten. Vorfinanzierte Fernsehsendungen mit nur einer Botschaft – Geld gewinnen! – bewerben das Spiel um Geld und sollten dementsprechend reguliert und auf der Basis der Vorgaben und Anforderungen der neuen Glücksspielgesetzgebung bewertet werden.

Es ist bereits das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass der Branchenverband BOS offiziell Kritik am vormaligen Glücksspiel-Monopolisten Svenska Spel übt.

 

Zuvor hatten die Interessenvertreter dem staatlichen Unternehmen vorgeworfen, das Marketing für seine neuen Online Casino Angebote auf Basis einer bereits existierenden Datenbank aus dem Offline-Geschäft voranzutreiben.

 

Dies, so die privaten Anbieter, sei nicht statthaft, da ihnen selbst diese Kundeninformationen nicht zur Verfügung stünden.

 

Staatliche Anbieter dominieren Online-Markt

 

Der neuerliche Frontalangriff des Dachverbands der privaten Online Glücksspielbetreiber in Schweden auf den staatlichen Anbieter kommt nicht überraschend. Trotz der Konkurrenz durch knapp 60 Mitbewerber sind es nach wie vor die staatlichen Unternehmen, die den schwedischen Markt für Online Glücksspiel klar dominieren.

 

Logo Svenska Spel

Svenska Spel hatte bis zur Öffnung des Marktes das Monopol inne (Quelle:Wikipedia/Svenska Spel, gemeinfrei)

Dies belegt eine Veröffentlichung der Umsatzzahlen des Sektors im ersten Quartal des Jahres 2019 durch die schwedische Glücksspielaufsicht Spelinspektionen.

 

Angaben der Behörde zufolge generierte der Markt in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres einen Netto-Umsatz von umgerechnet rund 310 Millionen Euro.

 

Über die Hälfte der Erträge entfiel dabei auf das Online-Sportwettenangebot von Svenska Spel und die Internet-Pferdewetten des ebenfalls staatlichen Betreibers AB Trav Och Galopp (ATG).

 

Schon damals hatte BOS-Generalsekretär Hoffstedt die „gleiche, wettbewerbsneutrale und diskriminierungsfreie“ Behandlung seiner Verbandsmitglieder gefordert.

 

Es ist davon auszugehen, dass es im Ringen um den noch jungen liberalisierten schwedischen Online-Glücksspielsektor auch weiterhin Gesprächsbedarf geben wird.

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