Donnerstag, 29. September 2022

Lizenzvergabe: Reicht Lotto-Betreiber Camelot Klage ein?

National Lottery-Schild Camelot ist seit 28 Jahren im britischen Lotto-Geschäft (Bild: Shutterstock)

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass die britische Glücksspielbehörde UK Gambling Commission (UKGC) die zu vergebende Lotto-Lizenz an den tschechischen Glücksspielkonzern Allwyn Entertainment vergeben will. Der unterlegene Betreiber Camelot soll nun einem Artikel des britischen Daily Telegraph [Seite auf Englisch] zufolge planen, Klage gegen den Entschluss einzulegen.

Die Zeitung berichtete am Wochenende, dass der Glücksspielkonzern noch in dieser Woche vor dem britischen High Court in London juristischen Widerspruch gegen die Entscheidung der UKGC einreichen werde. Camelot werde in seiner Klage argumentieren, dass die Behörde mit ihrer Lizenzvergabe an Allwyn Entertainment (ehemals Sazka Group) einen Rechtsbruch begangen habe.

Geändertes Vergabeverfahren?

Demnach habe die UKGC die Vergabekriterien während des Bewerbungsprozesses rechtswidrig verändert, nachdem der bisherige Lotterie-Veranstalter Camelot in einer ersten Bewertung auf dem ersten Platz der Anwärter gelegen habe.

So habe es im Ranking der Bewerber ursprünglich einen Punkteabzug von bis zu 15 % aufgrund eines Risikofaktors in den jeweiligen Finanzprognosen gegeben. Dieser sei letztendlich jedoch auf 0 % gesenkt worden und hätte damit keine Beachtung mehr gehabt.

Der Wegfall des Risikoabschlags habe sich entscheidend auf die Vergabe ausgewirkt, denn Allwyn habe in seinen Bewerbungsunterlagen mit Abgaben in Höhe von 38 Mrd. GBP (45,3 Mrd. Euro) für wohltätige Zwecke einen weitaus höheren Betrag prognostiziert als Camelot. Diese Zahl ziehe Camelot nun anscheinend in Zweifel.

Ein Ende der Lotto-Lizenz hätte für Camelot ernste wirtschaftliche Konsequenzen. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr mit den Lotterien einen Umsatz von 8,3 Mrd. GBP. Dabei sammelte der seit 1994 im Lottogeschäft aktive Betreiber 1,9 Mrd. GBP für Wohltätigkeitsorganisationen.

Die Klage dürfte Juristen zufolge dazu führen, dass das tschechische Unternehmen den Lizenzvertrag vorerst nicht unterschreiben kann. Damit hinge die Zukunft der Lotterie für die Dauer des Rechtsstreits in der Schwebe.

Fragwürdige Beziehungen zu Russland

Doch auch von anderer Seite droht Allwyn Ungemach. So fordert eine Reihe britischer Politiker von dem Unternehmen Aufklärung über mögliche geschäftliche Verbindungen zu russischen Firmen.

Der für das Glücksspiel zuständige Minister Chris Philp habe bei der UKGC bereits Erkundigungen über die Beziehungen des Allwyn-Besitzers Karel Komarek zum russischen Rohstoffkonzern Gazprom eingeholt.

Auf eine Anfrage aus der Opposition hatte Philp vor wenigen Tagen erklärt:

Ich habe die Kommission gebeten, mir zu versichern, dass sie gründliche Untersuchungen durchgeführt hat, um festzustellen, ob der vorläufige Lizenznehmer die Anforderungen erfüllt, und sie hat mir diese Zusicherung gegeben.

Philp betonte, dass Allwyn vor einer endgültigen Lizenzierung einem Sicherheitstest der britischen Regierung unterzogen werde. Dieser Prozess solle in Kürze beginnen.

Unternehmer Komarek, der in Tschechien ein großes Energielager gemeinsam mit Gazprom betreibt, bemühte sich derweil um Schadensbegrenzung. Er befinde sich in Verhandlungen mit seiner Regierung, um den unliebsamen Partner aus dem Joint Venture auszuschließen.

Zudem verurteilte der Milliardär die russische Invasion als „barbarischen Akt von Wladimir Putins Regime“. Es bleibt abzuwarten, ob sich die UKGC und die britische Regierung mit derlei Äußerungen zufriedengeben werden.