Mittwoch, 05. Oktober 2022

Schwedens Konflikt mit legalem Online-Glücksspiel – eine Lehre für Deutschland?

Mann tippt am Laptop Arm

Anlässlich der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben die Regierungen einiger europäischer Länder ihre geltenden Glücksspielgesetze kurzfristig verschärft. Länder wie Großbritannien, Spanien, Belgien und Schweden folgen dabei einem ähnlichen Ziel. Sie sind der Auffassung, dass das Online-Glücksspiel  in Krisenzeiten nicht an Attraktivität gewinnen dürfe, damit Spieler vor exzessivem Glücksspiel geschützt werden könnten.

Schwedens Branchenvereinigung für Online-Glücksspiel (Branschföreningen för Onlinespel, BOS) sieht die kürzlich ergriffenen Maßnahmen wie Werbeverbote, Bonus- oder Einsatzlimits sehr kritisch. Diese bewirkten lediglich, dass Spieler zu illegalen Online-Glücksspielanbietern abwanderten

Im Auftrag der Branchenvereinigung hat das dänische Wirtschaftsberatungsunternehmen Copenhagen Economics in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht [Original auf Englisch] die Attraktivität lizenzierter und nicht-lizenzierter Online-Glücksspiel-Webseiten verglichen.

 

Befragungen von schwedischen Spielern hätten ergeben, dass folgende Punkte bei der Wahl des Online-Glücksspielanbieters besonders wichtig seien:

  • Menge und Höhe der Bonusangebote
  • Bestmögliche Wettquoten
  • Einfacher Anmeldevorgang
  • Schnelle Auszahlungen
  • Grundlegende Sicherheitsmerkmale
  • Anonymität

Ob die jeweiligen Online-Casinos oder Wettanbieter über eine Lizenzierung durch die Schwedische Glücksspielaufsicht verfügten, sei zweitrangig.

Demnach hätten 25 % angegeben, bereits bei nicht-lizenzierten Online-Casinos zu spielen, weitere 15 % zögen dies in Betracht. Bei Online-Wettanbietern seien es je 17 %.

Schlägt Deutschland denselben Weg ein?

Unter anderem mit Blick auf Schweden haben sowohl die Niederlande als auch Deutschland neue Glücksspielgesetzgebungen ausgearbeitet, die ab 2021 das Online-Glücksspiel regulieren sollen.

Erste Details über den geplanten deutschen Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag (GlüNeuRegStV) wurden Anfang des Jahres bekannt.

So sollen auch Deutschlands künftige Lizenznehmer nur unter sehr strikten Auflagen Online-Glücksspiele anbieten dürfen. Dazu zählen unter anderem Einschränkungen bei Werbung, Bonusvergabe, Spielereinsätzen und Spielzeiten.

Was Mathias Dahms, der Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) bereits im Februar anmerkte, scheint Schwedens jüngster Bericht zu untermauern:

Ein starres Regelwerk, das in den nächsten Jahren nicht verändert werden kann, hilft weder dem Spielerschutz noch wird es dazu führen, den auch zukünftig noch existierenden Schwarzmarkt zurückzudrängen.

Die derzeit in Schweden und anderen Ländern ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung exzessiver Glücksspielbeteiligung während der Corona-Krise könnten daher im Nachhinein interessante neue Aufschlüsse geben.

Sollte sich weiterhin zeigen, dass die allzu strikten Maßnahmen tatsächlich eine Abwanderung der Spieler auf den Schwarzmarkt fördern, könnte Deutschlands geplante Glücksspielregulierung einen ähnlichen Effekt haben.

Ob Bund und Länder ihren Vertragsentwurf auf dieser Basis noch einmal überarbeiten werden, scheint jedoch ungewiss.