, 21.11.2019

Die Schweizer Casinos Bern und Interlaken dürfen nun auch Online Glücksspiele anbieten. Wie die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) gestern mitteilte, hat der Bundesrat den beiden Casinos die Konzession hierfür erteilt. Ausländische Online Casinos dagegen werden per Netzsperre blockiert, jedoch nicht in jedem Fall erfolgreich.

 

Während in der Schweiz seit dem 1. Juli alle ausländischen Online Casinos als illegal eingestuft werden, ist das Anbieten von Online Glücksspielen nur den Schweizer Casinos gestattet, die hierfür eine Konzessionserweiterung erhalten haben. Diese Konzessionserweiterung hat der Bundesrat nun auch der Casino Interlaken AG und der Grand Casino Kursaal Bern AG erteilt.

 

Bevor die beiden Casinos ihre Angebote im Internet zur Verfügung stellen dürfen, müssen diese allerdings von der ESBK geprüft werden. Dabei unterläuft jedes einzelne Spiel einer Prüfung und muss genehmigt werden.

 

Harte Prüfbedingungen

 

Nicht bekannt ist, ab wann es den beiden nun konzessionierten Casinos möglich sein wird, ihre Spiele tatsächlich online zu stellen, denn die Prüfbedingungen gelten als streng und der Prozess als langwierig.

Casino Konzerthaus Bern

Das Casino Bern hat nun eine Lizenz für ein Online Casino erhalten. (Bild: Wikipedia/Andreas Praefcke, CC BY-SA 3.0)

Erst im vergangenen Monat beklagte der CEO der Stadtcasino Baden AG, Detlef Brose, die schwierigen Bedingungen für legale Online Casinos in der Schweiz.

 

Laut Brose sei der Genehmigungsprozess der ESBK nicht nur komplex und langwierig, sondern auch kostenintensiv. Dadurch würde man ausländischen Online Casinos einen Vorsprung verschaffen, denn diese könnten Spielern neue Angebote offerieren, während Schweizer Online Casinos sich noch im Prüfungsprozess befänden. So sei es der Stadtcasino Baden AG mit Live-Games wie Roulette oder Black Jack bisher nicht gelungen, den regulatorischen Anforderungen der ESBK gerecht zu werden.

 

Mit den Casinos Bern und Interlaken werden in der Schweiz insgesamt sechs Online Casinos legal verfügbar sein. Die Spielbank Baden schaltete Anfang Juli das erste Online Casino mit Schweizer Konzession online, es folgten die Casinos in Luzern im August, in Pfäffikon und in Davos im Dezember. Ausländische Anbieter werden dagegen mit Netzsperren blockiert.

Das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Geldspielgesetz sieht Netzsperren von Webseiten ausländischer Online-Anbieter vor, die über keine Konzession in der Schweiz verfügen. Die Bestimmungen zu den Einschränkungen sind am 1. Juli in Kraft getreten. Am 3. September hat die ESBK eine erste Sperrliste der betroffenen Online Glücksspielanbieter veröffentlicht, am 15. Oktober folgte die zweite. Eine dritte Sperrliste soll nach Medienberichten in Arbeit sein.

In den vergangenen Monaten hatte es, wie Versuche durch die Nachrichtenagentur Keystone-SDA zeigten, an der technischen Umsetzung der Netzsperren gehapert und die Webseiten seien weiter erreichbar gewesen.

 

Netzsperren für ausländische Online Casinos nun funktionsfähig

 

Die Kommunikationsbeauftragte der ESBK, Marjorie Perusset, räumte auf Anfrage ein, dass einige Netzdienstleister am Anfang tatsächlich von technischen Schwierigkeiten berichtet hätten. Über weitere Probleme sei die ESBK nicht informiert worden.

Von Spielern dagegen habe es auf die funktionierenden Netzsperren hin Reaktionen gegeben, und zwar:

„Meist von solchen, die von der Gesetzesänderung keine Kenntnis hatten oder nicht wussten, dass das von ihnen benutzte Spiel nicht erlaubt war.“

Umleitung auf Stopp-Seite nicht voll funktionsfähig

 

Auch wenn die Netzsperre nun generell funktioniere, sei die geplante Umleitung des Spielenden auf die Stopp-Seite der ESBK nicht in jedem Fall erfolgreich. Fehlschläge könnten durch Sicherheitszertifikate und Browsereinstellungen verursacht werden.

 

Im Fall einer erfolgreichen Weiterleitung weist die Stopp-Seite darauf hin, dass die Glücksspielseite, die der Spielende aufrufen wollte, nicht in der Schweiz bewilligt sei und bietet eine Weiterleitung zu lizensierten Spielbanken, Lotterien und Sportwettenanbietern.

 

Gegner der Netzsperren haben mehrfach vor einer Zensur im Internet gewarnt. Bürgerliche Jungparteien warnten vor Verabschiedung des neuen Schweizer Geldspielgesetzes, dass man hiermit einen Präzedenzfall schaffe, der nicht nur die Netzsperren gegen Online Casinos erlaube, sondern auch weiteren Beschränkungen „Tür und Tor“ öffne.

 

Zweifel meldeten auch die Schweizer Online Casinos selbst an. Angesichts des langen und aufwändigen Genehmigungsprozesses stellte Brose beispielsweise in Frage, ob es nicht effektiver sei, illegalen Anbietern mit attraktiven Angeboten entgegenzutreten.

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