Dienstag, 17. Mai 2022

Spielsucht in der Schweiz: Sorge um neues Casino in Lausanne

Stadt Lausanne Gebäude am Genfer See Berge mit Schnee Schon jetzt gibt es Kritik am geplanten Casino in Lausanne (Bild: Flickr/SwitzerlandTourism/CC BY-NC 2.0)

Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen, die Zahl der Casinos im Land von 21 auf 23 zu erhöhen. Einer der neuen Standorte soll in Lausanne im französischsprachigen Kanton Waadt entstehen. Einem am Freitag ausgestrahlten Beitrag des Nachrichtensenders RTS [Beitrag auf Französisch] zufolge stößt die Aussicht auf eine Spielbank vor Ort auf Kritik. Grund sei vor allem die Sorge um einen weiteren Anstieg der Spielsucht.

„Explosion“ der Spielsucht-Zahlen?

Demnach sei die Anzahl der pathologischen Glücksspieler in den letzten drei Jahren „explodiert“. Ganze 220.000 Schweizerinnen und Schweizer litten unter den Folgen ihres exzessiven Spielverhaltens.

Auch die Zahl der gesperrten Spieler sei seit der Legalisierung des Online-Glücksspiels stark angestiegen. Hätten sich vor 2019 jährlich knapp 3.000 Personen pro Jahr vom Glücksspiel ausschließen lassen, seien es nun rund 10.000. Unter den Problemspielern befänden sich dabei zunehmend jüngere Menschen.

Auch der Bürgermeister von Lausanne, Grégoire Junod, sehe die geplante Spielbank kritisch. So hätten Befürworter des Casino-Projekts erklärt, dass rund 75 % der künftigen Einnahmen des Casinos durch Spielautomaten generiert werden sollen. Junge Menschen seien somit offenbar die Hauptzielgruppe, so Junod.

Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) hat sich im Rahmen der Neuvergabe der Spielbankenkonzessionen dafür eingesetzt, die Schweizer Casino-Landschaft zu bewahren, bzw. auszubauen. Wie die Behörde erklärt, seien die Casinos nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern trügen über die Spielbankenabgaben auch maßgeblich zum Allgemeinwohl bei. Seit dem Start der ersten Casinos im Jahr 2002 seien insgesamt 7,309 Mrd. CHF Abgaben zusammengekommen. Insgesamt müssen die Schweizer Spielbanken jedes Jahr zwischen 40 und 80 % ihrer Bruttospielumsätze an den Staat abgeben.

Balanceakt zwischen Wirtschaft und sozialer Verantwortung

Mit dem künftigen Casino in Lausanne würde es in der Romandie insgesamt sechs Spielbanken geben. Das Casino Lausanne wäre dabei neben dem Casino Neuchâtel die aber erst zweite Spielbank mit einer Konzession des Typ A (unbegrenzte Spieleinsätze). Laut RTS bringe das erst 2015 eröffnete und damit jüngste Casino der Schweiz seinem gleichnamigen Kanton Neuchâtel (Neuenburg) rund 4 Mio. CHF jährliche Abgaben ein.

Laut Jérôme Cosandey von der Stiftung Avenir Suisse sei das Casino-Geschäft damit ein zweischneidiges Schwert:

Wenn man als Politiker von dem profitiert, was man zur Verfügung stellt, aber man gleichzeitig für die Regulierung und den Kampf gegen Sucht zuständig ist und daher das Angebot begrenzen müsste, dann sieht man, welch ein Interessenskonflikt entsteht.“

Laut Florence Nater, der Staatsrätin von Neuchâtel, liege es daher in der Verantwortung der einzelnen Kantone, sich aktiv einzubringen und die Glücksspiel-Regulierung streng zu überwachen. Auch die Regierung ihres Kantons werde „wahrscheinlich die Regelungen revidieren müssen“, um im Bereich Prävention besser aufgestellt zu sein.