, 08.09.2020

In Spanien nehmen die Spannungen zwischen dem Verbraucherschutzministerium und den von Glücksspielunternehmen gesponserten Fußballclubs zu. Während immer mehr Glücksspielanbieter Verträge mit den Vereinen unterzeichnen, unterstreicht Verbraucherschutzminister Alberto Garzón wiederholt, dass Werbung für das Online-Glücksspiel ab Oktober verboten sein wird.

 

Neue Trikots mit mehr Platz für Werbung

 

Am Montag hat der FC Málaga seine neuen Trikots präsentiert. Mit diesen knüpft der Club an das Design der vergangenen Jahre an, mit dem Unterschied, dass nun nicht mehr die gesamte Vorderseite von blauen Streifen besetzt sein, sondern eine Hälfte ganz in Weiß erstrahlen wird.

 

In seiner gestrigen Pressemitteilung [Seite auf Spanisch] erklärte der Club:

Wir sprechen von einem puren, reinen Weiß wie Kalk. Ja, dieser Kalk, der in der Zeit der Pandemie von 1918 dazu diente, die Häuser der Bewohner von Málaga zu tünchen und zu verhindern, dass die Keime noch mehr Chaos anrichten. Jetzt ist es das verdammte Covid-19, das uns dazu zwingt, uns neu zu erfinden.

Doch die symbolhafte Erinnerung an die spanische Grippe dürfte, wie Medien berichten, nicht der einzige Grund für das weiße Design sein. Vielmehr, so interpretiert die Lokalzeitung Málaga hoy, bleibe nun mehr Platz für die Logos der Werbepartner und somit auch für den jüngsten Sponsoring-Zuwachs des Vereins, den Sportwettenanbieter William Hill.

 

Glücksspielsponsoring als „Kampfansage“?

 

Der Glücksspielanbieter, so gab der FC Málaga gestern bekannt, habe eine Sponsoringpartnerschaft mit dem Fußballverein unterzeichnet. Details hierzu veröffentlichte der Verein aber nicht. Unklar dürfte vor allem die Dauer der Werbepartnerschaft sein, denn Trikotwerbung und die Werbung für Glücksspielanbieter generell soll ab Oktober in Spanien verboten sein.

Dies hält viele Fußballclubs derzeit jedoch nicht davon ab, Werbepartnerschaften mit Glücksspielanbietern einzugehen. So unterzeichnete vor drei Tagen auch der RCD Espanyol Barcelona einen Vertrag mit Betway.

 

Die trotz des bevorstehenden Werbeverbotes abgeschlossenen Sponsoring-Partnerschaften haben schon öfter für Kritik vonseiten des Verbraucherschutzministers Garzón gesorgt. Nun aber nimmt dessen Medienpräsenz zu.

 

Am Wochenende erklärte er in einem Interview mit dem Radiosender Canal Sur Radio:

Es gibt Clubs, die ihre Verträge mit Sportwettenanbietern um zwei bis drei Jahre verlängern. Das eine absurde Kampfansage und meiner Meinung nach waghalsig, denn dies wird verboten sein und sie werden das definitiv korrigieren müssen.

Nicht nur gegen die Glücksspielwerbung wolle der Verbraucherschutzminister vorgehen, sondern auch Spielmanipulation rücke zunehmend in den Fokus. So kündigte er an, die Regierung arbeite eng mit der Polizei zusammen, um Netzwerke zu bekämpfen, die Wettkämpfe und Wetten manipulierten.

 

Bis die Regierung tatsächlich etwas gegen Trikotwerbung und Glücksspielwerbung unternehmen kann, muss jedoch zunächst einmal das Glücksspielwerbeverbot in Kraft treten. Ob dies tatsächlich bereits im Oktober der Fall sein wird, ist noch unklar.