Mittwoch, 28. September 2022

Spielhallen-Dachverband DAW kritisiert „falsche Regulierung“

Zollstöcke und Zentimetermaß Laut DAW stärke die Regulierung der Spielhallen "mit dem Zollstock" das illegale Glücksspiel (pixabay.com/Bru-nO)

Der Hersteller- und Spielhallendachverband Deutsche Automatenwirtschaft (DAW) sieht seine Branche bedroht. Der Presseagentur dpa gegenüber erklärte DAW-Sprecher Georg Stecker, dass „falsche Regulierung“ das legale Glücksspiel unattraktiv mache. Dies treibe Spieler in den „Sumpf der Illegalen“. Deshalb sei es notwendig, die geltenden Vorgaben für legale Betreiber in Bezug auf Anzahl und Art der Spielgeräte auszuweiten.

DAW erneuert Kritik an Spielhallen-Regulierung

Im Gespräch mit der dpa erneuerte der Vorstandssprecher der DAW nun die Forderung nach einem Ende der „Regulierung per Zollstock“ und der damit einhergehenden Reduzierung von Spielhallen.

Spätestens seit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages im Sommer 2021, sieht sich die Spielhallen-Branche mit neuen Herausforderungen konfrontiert. So zogen die meisten Bundesländer im Zuge der Einführung der neuen Glücksspiel-Gesetzgebung auch die Zügel für Anbieter des Automatenspiels an. Dies umfasst unter anderem, dass nach meist jahrelangen Übergangsfristen nun obligatorische Mindestabstände zwischen den Spielstätten eingehalten werden müssen. Vorgaben, die die Industrie bereits seit langem deutlich kritisiert.

Auch durch die seit rund anderthalb Jahren geltende technische Richtlinie 5 für Spielgeräte werde das Spiel „künstlich unattraktiv“ gemacht. Die Vorgabe macht  längere Pausen und langsamere Spielabläufe als zuvor obligatorisch.

Die Verknappung des legalen Angebots führe zu einer Abwanderung der Spieler in den illegalen und damit gänzlich unregulierten Markt, so Stecker:

Sie landen dann in „Pseudo-Spielhallen“ oder in der „Pseudo-Gastronomie“ mit illegalen Geräten oder in irgendwelchen Hinterzimmern von Kiosken – ohne irgendwelchen Spielerschutz.

Bei seinen Thesen stützt sich der Interessenvertreter auf zwei jüngst veröffentlichte Studien.

Spielhallen-Betreiber sorgen sich um ihre Kunden

Ende Januar hatte das Marktforschungsinstitut der Unternehmensberatung IFH Köln einen Bericht veröffentlicht, der darlegte, dass die „fehlgeleitete Regulierung den staatlichen Kanalisierungsauftrag konterkariere“.

Das von der DAW in Auftrag gegebene Gutachten hatte die neue Glücksspielgesetzgebung maßgeblich für einen Umsatzrückgang von 45 % in den Jahren 2020 und 2021 verantwortlich gesehen.

Die Verknappung des legalen Angebots und der Attraktivitätsverlust führe zu „Ausweichbewegungen“ von Spielern, die den illegalen Markt begünstigten.

Trümper-Studie: Illegales Glücksspiel stärker bekämpfen

Auch Jürgen Trümper, Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht e.V., hatte im Rahmen einer vom Verband der Deutschen Automatenindustrie e. V. (VDAI) in Auftrag gegebenen Feldstudie einen regelrechten Boom von illegalen Spielstätten und Geräten festgestellt.

Laut dem auch als „Trümper-Studie“ bekannten Bericht „Einblicke in den illegalen Glücksspielmarkt 2021“ seien insbesondere die sogenannten „Fun Games“ auf dem Vormarsch.

Diese illegalen Automatenspiele würden zumeist „in Hinterzimmern von Kneipen, fadenscheinigen Gastrobetrieben, windigen Wettannahmestellen oder in Kulturvereinen“ betrieben und seien laut Trümper hochriskant.

So böten sie „überhaupt keinen Spielerschutz“ oder Spielpausen. Zudem könne mit wesentlich höheren Einsätzen gespielt werden.

Der Logik der Automatenbranche, nach der nur eine Ausweitung des legalen Spiels das illegale eindämmen könne, folgt der Spielsucht-Experte Trümper in seinem Bericht nicht.

Im Gegenteil: Ihm zufolge handele es sich hierbei um den „falschen Weg“. Vielmehr vertrete er die Position, dass mit aller Härte gegen die illegalen Angebote vorgegangen werden müsse.

In diesem Rahmen sei dem Experten zufolge insbesondere auf die vermehrte Kontrolle einschlägiger Lokale zu setzen. Hierzu müsse das Personal bei den Ordnungsämtern aufgestockt und verstärkt geschult werden.

Neben der Forderung nach der Erlaubnis „mehr Spielgeräte aufzustellen oder attraktivere“, kritisiert DAW-Vorstandssprecher Stecker auch weitere seines Erachtens fatale Folgen für die Branchenmitglieder.

So handele es sich bei den legalen Betreibern um „grundsolide Unternehmen“. Die Reduzierung der Spielhallen gefährde viele der aktuell rund 70.000 Arbeitslätze. Deshalb, so der wiederholt geäußerte Appell in Richtung Politik, müsse bei der Regulierung auf Qualität statt Quantität gesetzt werden.