Dienstag, 04. Oktober 2022

Spielsüchtiger Techniker stiehlt dringend benötigte Computer aus Krankenhaus

Mehrere Laptops Nahaufnahme

Ein Gericht in Südengland hat in dieser Woche einen spielsüchtigen Computerfachmann zu 26 Monaten Haft verurteilt. Neil Murthick (42) hatte aus einem Krankenhaus Laptops gestohlen, um damit Spielschulden zu begleichen. Als besonders verwerflich wertete das Gericht, dass die Technik im Angesicht der Corona-Krise dringend benötigt wurde.

„Egoistische Bedürfnisse“

Mit rund 12.000 GBP (rund 15.500 Euro) halte sich der finanzielle Schaden, den Murthick zwischen Dezember 2019 und Juni 2020 im Darlington Memorial Hospital angerichtet habe, laut Medienberichten vergleichsweise in Grenzen.

Schwerer habe Richter Jonathan Carroll vom Crown Court in Teesside die Tatsache gewertet, dass sich der Angeklagte an Computern vergriffen habe, die der Aufrechterhaltung des britischen Gesundheitssystems während der Pandemie hätten dienen sollen.

Dass das Geld in die Tilgung von Spielschulden geflossen war, sei kein Milderungsgrund, so Richter Carroll, eher im Gegenteil:

Sie haben diese Computer überall verscherbelt, wo Sie damit durchkommen konnten, jedes Mal für ein paar hundert Pfund, um Ihre eigenen egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen und Ihre Spielschulden zu begleichen. Schulden, für die Sie ganz allein verantwortlich waren.

Beim Diebstahl gefilmt

Als IT-Techniker war Murthick unter anderem dafür zuständig gewesen, Laptops für den Corona-bedingte Einsatz von Mitarbeitern im Home-Office vorzubereiten. Zwar hatte er sich um die Geräte gekümmert, mindestens 27 von ihnen aber entwendet und anschließend verkauft.

Aufgeflogen war der Mann, nachdem sein Arbeitgeber Überwachungskameras installiert hatte. Diese hatten Murthick schon bald dabei aufgenommen, wie er drei Laptops in seinen Rucksack packte und sich zum Gehen anschickte.

Die gestohlenen Geräte waren dem Krankenhaus vom staatlichen National Health Service (NHS) überlassen worden. Ein Sprecher des Gesundheitssystems erklärte Medienvertretern gegenüber, das Urteil zu begrüßen. Auch er beschrieb die Taten als „besonders enttäuschend“, da sie zu einer Zeit stattgefunden hätten, in denen das Krankenhauspersonal überaus hart an der Versorgung der vielen COVID-19-Patienten gearbeitet habe.

Während des Prozesses hatte die Verteidigung versucht, eine milde Strafe für ihren Mandanten zu erwirken. Murthick, so seine Anwältin, bemühe sich, sein Leben wieder in gerade Bahnen zu lenken. Die Spielsucht habe er mittlerweile, ebenso wie seinen Alkohol- und Drogenkonsum, unter Kontrolle gebracht.

Doch der Hoffnung auf Bewährung hatte das Gericht eine deutliche Absage erteilt. Der Fall bewege sich, so Richter Carroll, nicht mal in der Nähe eines solchen Strafmaßes. Zudem gehe er davon aus, dass die Öffentlichkeit „außer sich“ gerate, sollte der Computerspezialist von der Haft verschont bleiben.