Montag, 03. Oktober 2022

Symposium Glücks­spiel: Verbraucher­schützer kritisieren Lage beim Online-Glücks­spiel

Frau am Handy, Slot Machine Beim Glücksspiel mangelt es aus Sicht von Verbraucherschützern am Spielerschutz (Bilder: Unsplash, Pixabay)

Beim 19. Symposium Glücksspiel an der Universität Hohenheim haben auch Verbraucherschützer von ihren Erfahrungen mit dem Online-Glücksspiel berichtet. Am Mittwoch referierte Alexander Wahl vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland über das Glücksspiel als grenzüberschreitendes Thema und den aus seiner Sicht mangelhaften Spielerschutz.

In seinem Vortrag kritisierte Wahl insbesondere die fehlende Transparenz für die Verbraucher. Diese würden vielfach aufgrund fehlender, ungenauer oder falscher Informationen über das Glücksspiel in die Irre geführt. Auch der Staat tue zu wenig, um den Anforderungen des Spielerschutzes zu genügen.

Staatliche Versäumnisse

Die staatlichen Versäumnisse zeigten sich deutlich an der unzureichenden Verfolgung von illegalen Online-Glücksspielanbietern in Deutschland. Auch seien vielfach ohne Lizenz arbeitende Online-Sportwetten und -Casinos für Spieler aus Deutschland leicht erreichbar, obwohl es ein klares Verbot derartiger Angebote gebe.

Neben der fehlenden Sanktionierung illegaler Glücksspielfirmen gebe es in Deutschland auf Seiten des Staates weitere Versäumnisse. Darunter falle die uneinheitliche Rechtslage bei Rückforderungen von Verlusten bei Online-Casinos.

Gebäude Universität Hohenheim

Beim Symposium Glücksspiel ging es am Mittwoch um den Spielerschutz (Bild: Universität Hohenhein)

Während einige Gerichte den klagenden Spielern rechtgegeben und Anbieter zur Rückzahlung verurteilt hätten, gebe es von anderen Richtern gegenteilige Urteile. Auch dies trage dazu bei, dass bei Spielern Verwirrung über die Rechtmäßigkeit der Angebote herrsche.

Doch auch bei Anbietern mit einer deutschen Lizenz laufe längst nicht alles rund. So hätten ihm Klienten berichtet, dass Spielersperren nicht oder nur unzureichend umgesetzt würden. Zudem sei es vorgekommen, dass Einzahlungslimits nicht eingehalten worden seien.

Kritik an Glücksspielwerbung

Wahl kritisierte, dass Werbung für Sportwetten und Co. inzwischen im TV und Internet sowie auch in Stadien allgegenwärtig sei. Überall würden Verbraucher mit der Werbung konfrontiert. Dies wecke den Eindruck, dass Online-Glücksspiel völlig „normal und legal ist“. Der Einsatz von bekannten Persönlichkeiten als Markenbotschafter verstärke diesen Eindruck.

Social Media-Streams über Online-Casino-Sessions seien nach Wahls Auskunft ebenfalls problematisch. Diese Streams seien nicht rechtlich reguliert. Zudem würden die dort präsenten Influencer oftmals für im Ausland ansässige Anbieter werben, die in Deutschland nicht zugelassen seien. Während ihre Follower so teilweise in finanzielle Not getrieben würden, profierten die Streamer von hohen Werbeinnahmen.

Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern ging in einem Vortrag auf das Thema Lootboxen ein. Aus Sicht der Verbraucherzentrale handele es sich beispielsweise bei den im FIFA-Game erhältlichen Schatzkisten um Glücksspiel, da die Zusammensetzung der in den Boxen enthaltenen Spieler rein zufällig sei. Damit greife Hersteller Electronic Arts auf glücksspielähnliche Mechanismen zurück. Bei Spielern führe dies dazu, dass sie teilweise vierstellige Beträge in die FIFA-Packs investierten. Aufgrund von Mikro-Transaktionen handele es sich meist um geringe Beträge, was die mitunter hohen Ausgaben verschleiere. Diese Intransparenz und die Chance auf die attraktiven Inhalte der Lootboxen führten zu einem hohen Suchtpotenzial. Zusätzlich gefährdend sei, dass die Boxen rund um die Uhr zur Verfügung stünden.

Einer Umfrage der VZ RP zufolge hätten 82 % der Teilnehmer deshalb erklärt, Minderjährige vor Lootboxen zu schützen. Die gleiche Zustimmung habe die Forderung nach mehr Transparenz bei der Darstellung der Gewinnwahrscheinlichkeit bei Lootboxen erreicht. Aus Gründen wie diesen seien Lootboxen in anderen Ländern mittlerweile für illegal erklärt worden. In Deutschland sei dies nicht der Fall. Die glücksspielähnlichen Mechanismen blieben deshalb vorerst weiter unbeachtet.

Von Seiten der Anbieter würden Verbraucher ebenfalls in die Irre geführt. So seien Firmen wie Tipico nicht nur als Sportwetten-, sondern auch als Online-Casino-Anbieter präsent. Während diese Unternehmen als Buchmacher über eine deutsche Lizenz verfügten, besäßen sie bei Online-Slots lediglich Genehmigungen aus EU-Staaten wie Malta.

Damit verfügten sie über keine rechtsgültige Lizenz in Deutschland. Angesichts des nicht vorhandenen Verfolgungsdrucks der Glücksspielbehörde hätten die Anbieter trotzdem leichtes Spiel, bilanzierte Wahl.

Was besser werden müsste

Um die Situation zu verbessern, machte Wahl eine Reihe von Vorschlägen. Dazu zähle zum einen eine bessere Bekämpfung illegaler Angebote. So werde beispielsweise in Frankreich bei derartigen Anbietern viel schneller zu Netzsperren gegriffen. Auch eine einheitliche gesetzliche Regelung zur Rückerstattung der bei nicht lizenzierten Anbietern erlittenen Verluste sei äußert wünschenswert.

Wahl kam zu einem insgesamt ernüchternden Fazit. Aus den geschilderten Gründen sei der Verbraucherschutz beim Online-Glücksspiel derzeit mangelhaft. Erschwerend komme hinzu, dass sich viele Verbraucher, die sich wegen Glücksspielproblemen an ihn wendeten, in einer finanziell prekären Lage befänden.

Darüber hinaus gehöre eine transparente Darstellung der jeweiligen Einsatzlimits ebenfalls zu den Maßnahmen, die Verbrauchern einen besseren Schutz ermöglichten. Schließlich liege es an den Landesregierungen, zu überprüfen, inwieweit die Ziele des GlüStV in Bezug auf Spielerschutz, Suchtprävention und die Bekämpfung illegaler Angebote erreicht würden. So werde es möglich, den Verbraucher gegenüber Glücksspielanbietern in eine bessere Position zu bringen, schlussfolgerte der Verbraucherschützer.