, 04.10.2018

Am Mittwochnachmittag veröffentliche die Union Berlin ein Positionspapier, in welchem umfangreiche Reformvorschläge für den deutschen Profifußball dargelegt wurden. Das Präsidium der Union antwortete damit auf die von der DFL vorgeschlagenen Strukturreformen.

 

DFL als Dachverband aller Ligen

Die DFL hatte vor wenigen Wochen allen 36 Profivereinen Deutschlands einige Vorschläge zu einer Strukturreform im deutschen Fußball präsentiert. Der Zweitligist 1. FC Union Berlin hält eine Reformierung für dringend notwendig und hat nun als Antwort sein ganz eigenes Konzept vorgelegt.

 

Das Unions-Präsidium spricht in seinem sechsseitigen Positionspapier einige zentrale Punkte an, die in diesem Jahr in Fußball-Deutschland besonders diskutiert wurden. Der Alternativ-Vorschlag wurde dabei als „Kurswechsel für den deutschen Profifußball“ bezeichnet.

 

Die verschiedenen deutschen Ligen sollen dabei völlig neu aufgestellt werden und allesamt unter dem Dachverband der DFL stehen, inklusive der dritten Liga. Der DFB wäre demnach nur noch für die Nationalmannschaft sowie Amateurvereine zuständig.

 

Mehr Teams und bessere Aufstiegschancen

Des Weiteren sollen bei der ersten und zweiten Liga statt der bisherigen 18 jeweils 20 Teams antreten. Dadurch würde es zusätzliche Spiele geben, die den Vereinen mehr Geld in die Kassen bringen könnten. Dies sei besonders für jene Mannschaften wichtig, die nicht an internationalen Turnieren teilnehmen.

 

Unionspräsident Dirk Zingler sagte in dem Zusammenhang:

Im Vergleich zu den dort vertretenen Klubs fehlen ihnen nicht nur die Prämien aus diesen Wettbewerben, sondern sie tragen auch deutlich weniger Spiele aus. Die zusätzliche Anzahl von vier Meisterschaftsspielen ist daher für diese Klubs sportlich und finanziell attraktiv und für die Top-Klubs eine verkraftbare Belastung.

Dass es nur sehr wenige deutsche Mannschaften beispielsweise in die Champions League schaffen, sei ein weiteres Problem, was mit dem aktuellen Ligen-System zusammenhänge. Demnach fehle es den Top Mannschaften an Konkurrenz und einige Zweit- und Drittligisten hätten so gut wie keine Aufstiegsmöglichkeiten.

 

Daher fordert die Union Berlin einen “stufenlosen nationalen Wettbewerb aller deutschen

DFB Pokal

Kaum Konkurrenz im Meisterschaftskampf (Bild: Wikipedia)

Profivereine”, was einen automatischen Aufstieg der jeweiligen Meister in die entsprechend nächsthöhere Liga bedeuten würde.

 

Dies soll zukünftig auch für die Regionalligen gelten, die derzeit selbst beim Meisterschaftssieg nicht automatisch mit dem Aufstieg in die dritte Liga belohnt werden.

 

Auf- und Abstieg anderer Teams der jeweiligen Tabellen soll hingegen durch Play-off-Spiele bestimmt werden, was für insgesamt fairere Chancen unter den konkurrierenden Mannschaften sorgen soll.

 

Die Play-offs sollen dabei zwischen mehreren Teams ausgetragen werden, die jeweils unter den Tabellenletzten der oberen und den Tabellenersten der unteren Liga positioniert sind. Gespielt wird dann um eine bestimmte Anzahl an Plätzen in der höheren der beiden Ligen.

 

Keine Menschennähe mehr im Fußball

Große Diskussionen gab es in diesem Jahr insbesondere, was die verlorengegangene Fannähe im deutschen Profifußball anbelangt. Erst kürzlich sorgten Fanproteste in Stadien und TV Sendungen für erneuten Aufruhr.

 

Die Union Berlin schlägt daher vor, innerhalb des DFLs auch Fangruppen zu repräsentieren und das Stadionerlebnis insgesamt aufzubessern. Die Anstoßzeiten sollen daher Fan-freundlicher gemacht werden und die zeitliche Maximalentfernung von Spielen eingehalten werden. An Montagen sollen künftig keine Spiele ausgetragen werden.

 

Auch müsse man den nationalen Wettbewerb fördern, um das Interesse der Fans allgemein zu steigern und wieder in positivere Bahnen zu lenken. Zuletzt gab es immer wieder Zwischenfälle mit radikalen Randgruppen, die einen dunklen Schatten über die Fangemeinden geworfen haben.

Angriffe auf den DFB im Live TV

Nach mehreren lauten Protesten in den Stadien unseres Landes hatten radikale Fußballfans am vergangenen Wochenende die TV Sendung „Doppelpass“ gestürmt. Während der Sendung, welche auf dem Kanal Sport1 ausgestrahlt wird, sprach Moderator Thomas Helmer mit dem Sportsvorstand des SC Freiburg Jochen Saier und Ex-Weltmeister Bodo Illgner.

 

Die Unbekannten unterbrachen die Live-Sendung, indem Sie falsche Geldscheine auf die Gäste warfen und den DFB mit den Worten „Fußball-Mafia DFB“ diskreditierten. Einige Fans sind schon seit langem erbost über die Kommerzialisierung des Fußballs und die andauernden Bestechungsvorwürfe auf verschiedenen Ebenen.

Laut Zingler zeigten derartige Aktionen, dass sich Menschen nicht wertgeschätzt oder ernstgenommen würden. Schmähgesänge, beleidigende Worte auf Plakaten und verbale Angriffe auf einzelne Personen oder ganze Gruppen seien seit längerem die Folge.

 

Umverteilung der Gelder

Auch auf finanzieller Ebene soll es grundlegende Veränderungen geben. Einsparen müsse man in erster Linie bei den Gehaltetats und bei der Anzahl geliehener Spieler. Der Präsident der Union Berlin sprach dabei von einer „stetigen Aufwärtsspirale“, welche man nicht mehr länger hinnehmen sollte.

 

Was die Einnahmen aus Marketing und TV-Werbung betrifft, fordert Zingler eine fairere Neuverteilung, um den Wettbewerb zu fördern statt die bestehenden Kluften zu vergrößern.

 

VAR Football

Neuerungen im Schiedsrichter-System gefordert (Bild: Wikimedia)

Die Umverteilung der Vermarktungserlöse soll auch dafür sorgen, dass schwächere Clubs durch einen Abstieg nicht einer existentiellen Bedrohung erliegen.

 

Ein letzter Punkt waren das Schiedsrichterwesen und die Sportsgerichtsbarkeit. Auch hier bedürfe es starker Verbesserungen, um insgesamt mehr Fairness unter den Teams zu schaffen. Eine höhere Professionalität sei dafür unerlässlich.

 

Sämtliche Vorschläge und Änderungsforderungen sollen am 13. Dezember in einer DFL-Mitgliederversammlung diskutiert werden. Ursprünglich hatte die DFL den 12. Oktober als Stichtag vorgesehen, doch die Union Berlin forderte mehr Zeit ein, um eben nicht nur organisatorische Veränderungen anzugehen, sondern auf „inhaltlicher“ Ebene zu wirken.