, 26.10.2018

Bei britischen Spielern, Buchmachern und Politikern herrscht zurzeit große Unsicherheit über den Einführungstermin der strengeren Regeln für die fixed odds betting terminals (FOBTs). Statt des ursprünglichen Termins im April 2019 sind nun der Oktober im kommenden Jahr oder sogar erst 2020 im Gespräch.

 

Bei den strengeren Richtlinien handelt es sich um eine höchst umstrittene Maßnahme, die insbesondere die britischen Buchmacher auf die Barrikaden trieb. Die Regierung hatte beschlossen, bei den FOBTs den Höchsteinsatz von bisher 100 Pfund auf nur noch 2 Pfund zu senken.

 

Buchmacher verdienen mit den FOBTs viel Geld

Die bei den Spielern äußerst beliebten Geräte sind überall im Lande zu finden. Schätzungen zufolge sind etwa 33.000 dieser Spielautomaten in Großbritannien aufgestellt. Damit stellen sie für die Betreiber eine wichtige und äußerst lukrative Einnahmequelle dar, die ihnen im Jahr Umsätze im Milliardenbereich beschert.

FOBTs – Lieblinge von Buchmachern und Spielern
Seit ihrer Einführung in britischen Wettbüros im Jahr 2001 erfreuen sich die FOBTs anhaltend großer Popularität. Die Geräte bieten ein breites Sortiment an Spielen, bei denen die Nutzer zu festgesetzten Wettquoten ihr Geld setzen können.

Neben Bingo oder simulierten Pferde- und Hunderennen gehören mit Roulette und Co. auch klassische Casinospiele zum Repertoire der FOBTs. Es ist diese Vielfalt an Möglichkeiten, die die Automaten bei Zocken so populär macht. Und auch die Buchmacher profitieren, weil sie ihren Kunden an nur einem Gerät viele Games anbieten können.

Angesichts der drohenden Reduzierung hatten Verbandsvertreter der britischen Glücksspielbranche bereits vor negativen Auswirkungen für Industrie und Jobs gewarnt. Sie prophezeiten, dass die Reduzierung der Einsatzgrenzen über 20.000 Arbeitsplätze kosten könnte, da rund 4.000 Wettbüros dichtmachen müssten.

 

Aufgeschreckt durch die Furcht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen plädieren Regierungsmitglieder nun vereinzelt für eine Verlängerung der Frist. Die zusätzlichen sechs Monate soll den Buchmachern Zeit geben, sich auf die Situation einzustellen und Shopschließungen sowie Abbau von Arbeitsplätzen nach Möglichkeit zu vermeiden.

 

Diese Ansicht scheint bei einer Reihe von Regierungsmitgliedern Beachtung gefunden zu haben, weshalb das Vorhaben nach Angaben der britischen Tageszeitung The Guardian bei den in der nächsten Woche stattfindenden Budgetverhandlungen von der Tagesordnung gestrichen wurde.

 

Iain Duncan Smith, ehemaliger Vorsitzender der regierenden Torys, bezeichnete die von den Gegnern vorgebrachte Argumentation jedoch als “Schrott”. Der Tageszeitung The Telegraph gegenüber begründete er seine Meinung recht drastisch:

Schätzungen zufolge begehen täglich zwei Menschen Selbstmord aufgrund von Problemen beim Glücksspiel. Deshalb müssen wir die FOBT-Begrenzung aus finanziellen und moralischen Gründen so schnell wie möglich einführen. Der Druck der Familien von Menschen, die durch diese Maschinen zerstört wurden, wächst täglich. Es ist für uns deshalb absolut notwendig, darauf entsprechend zu reagieren.

Der prominente ehemalige Minister ist nur einer von vielen Politikern der Konservativen, der für die geplante Verschärfung der FOBT-Regeln eintritt. Damit stehen sie auf der Seite der oppositionellen Labour-Partei, die sich ebenfalls für ein Verbot der hohen Einsätze stark macht.

 

Die meisten Betreiber der Wettbüros sehen dies natürlich anders und plädieren deshalb für eine verzögerte Verschärfung – wenn sie diese schon nicht ganz kippen können. Sollte die Regelung tatsächlich erst sechs Monate später in Kraft treten, würde dies ihnen Zusatzeinnahmen von rund 900 Millionen Pfund bescheren

 

Schutz vor Spielsucht wichtiger Grund für die Reduzierung

Die FOBTs stehen in Großbritannien bei unterschiedlichsten Interessenvertretern in der Kritik. So setzen sich Spielschutz-Organisationen, die britische Glücksspielbehörde (Gambling Commission) sowie Regierungsvertreter seit Jahren für eine strengere Regulierung des Bereichs ein.

 

Als wichtigster Kritikpunkt wird die hohe Spielsuchtgefahr angegeben, die von den FOBTs ausgeht. So können in kürzester Zeit viele Spiele hintereinander getätigt werden, was nach Erkenntnissen von Branchenexperten die Suchtgefahr erheblich steigert.

 

Pfund-Noten

An FOBTs können Tausende pro Stunde gesetzt werden (Bild: Wikipedia)

Hinzu kommen die signifikanten Verlustrisiken, die die Zocker bei den Geräten eingehen. Aktuell ist es möglich, alle 20 Sekunden den Maximalbetrag von 100 Pfund zu setzen. Das bedeutet, dass an einem FOBT in nur einer Stunde 18.000 Pfund gesetzt und verloren werden können.

 

Einsätze in dieser Größenordnung bergen nach Ansicht der Gambling Commission die Gefahr, dass sich Betroffene mit problematischem Spielverhalten in kürzester Zeit ruinieren. Die geplante Deckelung auf 2 Pfund wäre demnach ein wichtiger Schritt, um die Spieler vor den negativen psychischen und finanziellen Auswirkungen des Glücksspiels zu schützen.

 

Dies ist nur eine von diversen Maßnahmen, mit der die britische Regierung gegen das Glücksspiel vorgeht. Die öffentliche Debatte um die Suchtgefahr hat zu einer neuen Einschätzung der Branche geführt. Die Zustimmung der Öffentlichkeit ist ihnen dabei gewiss, denn trotz ihrer Wettbegeisterung wird immer mehr Briten klar, welche negative Auswirkungen das Spielen haben kann.

 

Die Reduzierung beschert dem Staat hohe Einnahmeausfälle

Allerdings bringt die geplante 2 Pfund-Regel auch den britischen Fiskus in Schwierigkeiten, denn die Automaten sorgen für Steuereinnahmen von schätzungsweise 450 Millionen Pfund im Jahr. Die Furcht vor den fehlenden Einnahmen veranlasste den britischen Finanzminister Philip Hammond nach der Gesetzesvorlage ursprünglich dazu, die Regelung nicht vor April 2020 gültig werden zu lassen.

 

Der daraufhin losbrechende Aufstand von Politikern aller Parteien sowie in der Bevölkerung sorgte bei der Regierung jedoch für ein Umdenken, sodass die Einführung um ein Jahr vorgezogen werden sollte. Ob dies nun tatsächlich geschehen wird, wissen zurzeit wohl nicht einmal die verantwortlichen Politiker selbst.