, 18.03.2021

Nachdem bereits 11 deutsche Bundesländer dem neuen Glücksspielstaatsvertrag zugestimmt haben, wird dessen Inkrafttreten und somit die Legalisierung des Online-Glücksspiels immer wahrscheinlicher. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Diese waren in einem gestrigen Beitrag der Magazinsendung Servicezeit des Westdeutschen Rundfunks zu hören.

 

In ihrer Kurzreportage haben die Reporter sowohl mit Befürwortern des Staatsvertrages als auch mit dessen Gegnern gesprochen. Im Fokus standen dabei die Risiken, die vom Glücksspiel ausgehen, begleitet von der Frage, ob der neue Staatsvertrag diese verringern könnte.

 

Eine Antwort auf die Frage hätten die Reporter von der NRW Staatskanzlei erhalten. Laut dieser stelle „der erlaubte Markt eine bisher weniger gefährliche Alternative zum bisher bestehenden Schwarzmarkt dar“. So würden die künftigen legalen Produkte „inhaltlich stark beschränkt und behördlich reguliert“.

 

Ignoriert der Staatsvertrag die wahren Probleme von Spielsüchtigen?

Der Tonus der Kurzreportage bleibt jedoch insgesamt kritisch. Herben Gegenwind erhielt der Glücksspielstaatsvertrag in seiner jetzigen Form vor allem von zwei ehemaligen Spielsüchtigen.

Mathias Wiese, einer der Betroffenen, habe laut eigener Aussage acht Jahre lang an Spielsucht gelitten. Er habe dabei 100.000 Euro verloren und anschließend versucht, sich das Leben zu nehmen. Im Beitrag kritisiert er, dass der Staatsvertrag den bestehenden Markt insgesamt kaum verändern und Spielsüchtigen keine neue Hilfestellung bieten könne.

 

Der zweite Mann, der anonym bleiben wollte, habe 35.000 Euro beim Online-Glücksspiel verloren. Er habe bis Herbst 2019 nicht gewusst, dass das Online-Glücksspiel in Deutschland bislang illegal gewesen sei. Die geplanten Restriktionen nach dessen Legalisierung halte er für zwecklos. Spielsüchtige fänden immer einen Weg und würden schlichtweg auf illegalen Seiten weiterspielen.

In Bezug auf die bisherige Illegalität des Online-Glücksspiels kommt im Beitrag auch der Rechtsanwalt des zweiten Betroffenen, Guido Renné, zu Wort. Wie viele andere Anwälte vertritt auch er die Ansicht, dass Spieler sich ihre Verluste aus dem illegalen Online-Glücksspiel zurückholen könnten.

Ein Weg war zum Beispiel, die Zahlungsdienstleister in Regress zu nehmen, die eigentlich an diesen illegalen Casino-Angeboten nicht mitwirken dürfen […] Ein anderer Weg war es, die Casino-Betreiber in Regress zu nehmen, weil sie eben keine Lizenzen hatten.

Ob er für seinen Mandanten jedoch tatsächlich eine Rückerstattung des verspielten Betrages erstreiten konnte, lässt der Beitrag offen.

 

Suchtstellen vs. Glücksspielbetreiber

Der Sorge der ehemaligen Spielsüchtigen, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag keine Lösungen für das Problem der Spielsucht liefern werde, teilt auch Ilona Füchtenschnieder, die Leiterin der nordrhein-westfälischen Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht.

 

Mit noch deutlich harscheren Worten als die Betroffenen selbst kritisiert sie im Beitrag die Automaten- und Glücksspielbranche. Diese betreibe ihrer Ansicht nach ein „Lobby-Geschäft wie aus dem Bilderbuch“ und mache ihr „Hauptgeschäft mit kranken Menschen“.

 

Anders sieht dies Manfred Stoffers, der für die Gauselmann Group im Bereich Marketing, Kommunikation und Politik, tätig ist.

Spielerschutz wird unterschiedlich gesehen. Die einen möchten gern das Spielvergnügen bei den Menschen zurückdrängen insgesamt […] Ich will den Menschen das Vergnügen nicht madig machen, ich halte es für ein natürliches Bedürfnis. Mir geht es darum, dass das Bedürfnis ausgelebt werden kann in legalen und gut kontrollierten Wegen und Angeboten.

Die Gauselmann Group, die bislang lediglich im Ausland im Online-Glücksspiel aktiv werden konnte, spricht sich schon lange für eine Legalisierung und strikte Regulierung des Online-Glücksspiels aus.

 

Gleichzeitig warnt die deutsche Glücksspielbranche jedoch auch davor, dass der geplante Staatsvertrag die Attraktivität des legalen Markts einschränken könnte. In diesem Fall könnten die Kritiker mit ihrer Sorge, dass Spielsüchtige auch weiterhin auf dem Schwarzmarkt spielen werden, recht behalten.