, February 23, 2019

In Großbritannien bahnt sich ein neuer Streit zwischen Regierung und Glücksspielbranche an: Die zuständige Ministerin Mims Davies fordert, dass Mindestalter für den Kauf von Rubbellosen von 16 auf 18 Jahre anzuheben und Minderjährige generell von allen Formen des Glücksspiels auszuschließen.

 

Großbritanniens Sportministerin, die unter anderem für das Glücksspiel zuständig ist, regte in einem Interview mit dem britischen Parlamentsmagazin “The House” an [Seite auf Englisch], Minderjährigen den Kauf von Rubbellosen sowie Lottoscheinen zu verbieten. Als Grund gab sie die besondere Anfälligkeit von Heranwachsenden für die Verlockungen des Glücksspiels an.

 

Derzeit dürfen in Großbritannien Jugendliche ab 16 Jahren Glücksspiel-Lose kaufen. Die Ministerin würde das Einstiegsalter nun gerne auf 18 Jahre anheben. In dem Gespräch mit “The House” sagte Mims Davies:

Es geht nicht darum, den Menschen den Spaß zu verderben. Allerdings sollten wir besonders gefährdete Personen schützen. Deshalb ist die Regierung gefragt, aktiv zu werden. Ich möchte das gern baldmöglichst tun, denn wir müssen klarmachen, dass Glücksspiele erst ab 18 möglich sind.

Mims Davies ist seit November 2018 Sportministerin in Großbritannien. Sie folgte auf ihre Vorgängerin Tracey Crouch, die aus Protest gegen Verzögerungen bei der Einführung von reduzierten Einsatzlimits bei FOBT-Spielautomaten zurückgetreten war.

 

Mindestalter für britische Spieler

In Großbritannien ist das Glücksspiel erst ab der Volljährigkeit mit 18 Jahren erlaubt. Diese Regelung bezieht sich auf Angebote in Casinos, Bingo- und Spielhallen, Wettbüros, auf Pferde- und Hunderennen sowie auf jegliche Form des online Glücksspiels. Etwas nachgiebiger zeigt sich der Staat bisher lediglich beim Verkauf von Rubbel- und Lotterielosen, der nur für Personen unter 16 Jahren verboten ist.

Die Rechtslage in Deutschland
Hierzulande gelten für Minderjährige eindeutige Regeln beim Glücksspiel. Dieses ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Zudem ist ihnen, wie in Großbritannien, der Zutritt zu Spielhallen und Casinos nicht gestattet. Auch an den in zahllosen Gaststätten angebrachten Geldspielautomaten dürfen sie nicht spielen. Gleiches gilt für Online Casinos oder Sportwetten-Anbieter.

 

Bei Rubbellosen und Lottoscheinen geht der im Glücksspielstaatsvertrag geregelte Jugendschutz sogar einen Schritt weiter als die Engländer: Beides ist erst Personen ab 18 Jahren erlaubt.

Die Verkäufer der Lottoshops sind angehalten, von den Kunden im Zweifelsfall einen Altersnachweis zu fordern oder das Los nicht zu verkaufen. Zudem dürfen Mitarbeiter unter 16 Jahren überhaupt keine Glücksspiel-Lose verkaufen, unabhängig vom Alter der Kunden.

 

Viele minderjährige Glücksspielkonsumenten

Der Vorstoß der Ministerin kommt nicht von ungefähr, denn nach Studien der britischen Aufsichtsbehörde Gambling Commission kaufen über 15 % aller 11- bis 16-jährigen Teenager mindestens einmal wöchentlich Rubbellose. Die hohe Zahl zeigt, dass viele Jugendliche bereits regelmäßig um Geld spielen. Insgesamt spielen oder wetten etwa 450.000 Personen dieser Altersgruppe mehrmals im Monat.

Milliardenumsätze mit Rubbellosen
Rubbellose sind in Großbritannien längst ein Milliardengeschäft und stehen bei den Spielern in der Beliebtheit hinter Lotterien auf Rang zwei. Schätzungen zufolge erwirtschaften die Anbieter mit ihnen mittlerweile Umsätze in Höhe von jährlich 3 Milliarden Pfund Sterling.

 

Inzwischen gibt es Dutzende unterschiedlicher Lose. Die Preise reichen von 1 bis über 10 Pfund Sterling, wobei Einzelprämien von bis zu 3 Millionen Pfund ausgeschüttet werden. Angesichts dieser Gewinne ist es nicht verwunderlich, dass allwöchentlich viele Millionen Rubbellose über die Tresen der Verkaufsstellen wandern.

Etwa 50.000 Jugendliche haben bereits Schwierigkeiten mit dem Glücksspiel. Nach Angaben der UK Gambling Commission hat sich die Anzahl der Jugendlichen mit einem problematischen Glücksspielverhalten in den letzten Jahren vervierfacht.

 

Die Studie förderte weiterhin zutage, dass insgesamt 39 % der Jugendlichen innerhalb eines Jahres mindestens einmal um Geld spielen und dass die regelmäßigen Konsumenten dabei pro Woche durchschnittlich 16 Pfund setzen.

 

Obwohl knapp zwei Drittel der jungen Befragten berichteten, dass ihre Eltern es nicht gern sähen, wenn sie spielten, gaben lediglich 19 % an, von ihren Eltern detaillierte Regeln für das Glücksspiel bekommen zu haben. Knapp 6 % sagten sogar, dass sie im Internet schon einmal mit den Accounts ihrer Eltern gezockt hätten.

 

Warnung an Sportclubs

Neben der Forderung nach einer Anhebung des Alters für die Käufer von Rubbellosen verlangte Mims Davies im “The House”-Magazin von Clubs aus dem Sportbereich, ihre Beziehungen zu Glücksspiel-Unternehmen zu überdenken. Diese Aussage zielt insbesondere auf die britischen Fußballclubs ab, die zahlreiche Sponsoring-Partner aus der Sportwetten- und Online Casino-Szene haben.

 

Gleichzeitig schickte die Ministerin eine Warnung hinterher:

Die Sportclubs und -verbände müssen erkennen, mit welcher Art Sponsor sie eine gesunde Partnerschaft eingehen können. Der Fußballverband FA hat sich beispielsweise gegen einen Sponsor entschieden, der nicht zu ihm passte. Sollte das nicht funktionieren, müssen wir als Regierung handeln.

Da sich Sportübertragungen und die Fußballclubs der Premier League gerade bei jüngeren Zuschauern einer großen Popularität erfreuen, stehe auch hier der Schutz der Jugendlichen im Vordergrund.

 

Deshalb erwartet die Politikerin zügig Ergebnisse. Andernfalls könnte sie sich genötigt sehen, eigene Maßnahmen zum besseren Schutz der jungen Konsumenten zu einzuleiten.