, 06.11.2018

Ab der kommenden Saison wird das Spiel Rainbow Six Siege nur noch in einer entschärften Variante verfügbar sein. Das gab Hersteller Ubisoft bekannt. Glücksspiel, Erotik und Blut seien mit den Anforderungen des ins Auge gefassten asiatischen Marktes nicht vereinbar, lassen die Macher wissen. Dementsprechend verzichte man in der Entwicklung einer standardisierten Version für alle Spieler darauf.

 

Rainbow Six Siege: In nur drei Jahren zum Phänomen

 

Rainbow Six: Siege

Rainbow Six: Siege hat sich schnell zum Bestseller entwickelt (Quelle: Flickr/Bago Games, licensed under CC 2.0)

Rainbow Six Siege hat sich seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2015 als eines der beliebtesten Shooter Games überhaupt etabliert. Die taktisch anspruchsvolle Terroristenjagd des Ego-Shooters hat sich nach einem verhältnismäßig schwachen Start schnell zu einem Phänomen entwickelt. Erst im April konnte Ubisoft einen Meilenstein verzeichnen: Über 30 Millionen Spieler zocken „Tom Clancy´s Rainbow Six: Siege“ an PC, PlayStation 4 und Xbox One.

 

Diesen Erfolg wollen die Macher von Ubisoft, die das Spiel ständig mit einem eigens abgestellten Team von Programmierern weiterentwickeln, nun auch im asiatischen Markt weiter vorantreiben. Mit teils drastischen Konsequenzen: Um das Spiel insbesondere den Anforderungen des chinesischen Marktes entsprechen zu lassen, sind Veränderungen notwendig. Diese werden, wie Ubisoft nun mitteilte, aber alle Spieler betreffen.

 

Restriktive Regelungen in China

 

Glücksspiel, Prostitution, bestimmte Arten der Gewaltdarstellung – Chinas Jugendschützer gehen seit geraumer Zeit verstärkt gegen „Gefahren aus dem Internet“ vor. Das Reich der Mitte, in dem auch das Glücksspiel komplett unter Strafe steht, setzt auf den rigorosen „Schutz“ seiner Bürger vor schädlichen Einflüssen.

 

Jüngstes Beispiel: Im August dieses Jahres entfernte der Tech-Konzern Apple rund 25.000 Apps aus seinem chinesischen Store. Hintergrund, die betreffenden Anwendungen wären geeignet, Glücksspiel und Wetten zu betreiben und somit nach chinesischer Lesart illegal und betrügerisch.

Chinas Moralhüter haben Videospiele schon seit langer Zeit im Blick.

Bereits im Jahr 2000 verboten sie zum ersten Mal Spielkonsolen mit der Begründung, sowohl die Geräte selbst als auch die virtuellen Welten, die sie zeigten, hätten einen negativen Einfluss auf die kindliche Entwicklung.

Zwar herrscht mittlerweile kein generelles Verbot von Spielen, wer in seinen Games aber Szenarien entwirft, die nicht mit der Vorstellung der Staatsmacht einhergeht, hat in China keine Chance.

So ist z.B. das Spiel „Hearts of Iron“ in China wegen „Verzerrung der Geschichte, Zerstörung der Souveränität und der territorialen Integrität Chinas verboten.

Insbesondere die Tatsache, dass die Mandschurei, Tibet und Xinjiang im Spiel als souveräne Staaten eingeordnet wurden, war dem Kulturministerium übel aufgestoßen.

Dass das Reich der Mitte dünnhäutig reagiert, wenn es um Glücksspiel und Co. geht, dürfte auch den Machern bei Ubisoft nicht entgangen sein, obwohl sie sich in ihrer Erklärung nicht direkt auf das 1,386 Milliarden Einwohner zählende Land beziehen.

 

Blog-Beitrag richtet sich an User

 

Stattdessen geben sie die „Ausweitung von Rainbow Six Siege auf den asiatischen Raum“ im Ganzen als Grund für die nun anstehenden „ästhetischen Veränderungen“ an.

 

In einem Blog-Beitrag erklären sich die Macher: Man unterziehe die Symbole und Karten im Spiel einigen Anpassungen, um eine optimale Konformität zu gewährleisten. Man habe sich zudem entschieden, nur noch eine einzige globale Version des Spiels anzubieten, um den Entwicklern doppelte Arbeit in unterschiedlichen Ausführungen zu ersparen.

 

Dies käme der Flexibilität der Entwickler zugute und helfe Probleme künftig schneller beseitigen zu können.

 

Ästhetische Anpassungen ohne Auswirkungen aufs Spiel

 

Die Verfasser der Erklärung betonen, dass es sich lediglich um ästhetische Veränderungen handeln soll, das Spiel an sich bliebe auch künftig seinen Wurzeln treu. Die Änderungen an Grafik und künstlerischer Gestaltung, so verspricht es der Hersteller, hätten keine negativen Auswirkungen auf den Kern des Spiels:

Wir sind fest entschlossen zu gewährleisten, dass das Spielerlebnis von Rainbow Six Siege seinen Wurzeln treu bleibt. Wir passen die Grafik und künstlerische Gestaltung an, werden aber Rainbow Six Siege, so wie ihr es heute als Spiel kennt, nicht verändern.

Als Beispiele der kommenden „Anpassungen“ präsentieren die Entwickler den Verzicht auf Hinweise auf Glücksspiel (in Form von einarmigen Banditen) und sexuelle Inhalte (die Leuchtreklame mit Stripperin wurde entschärft). Zusätzlich wird es kein Blut mehr an den Wänden geben und auch Totenköpfe werden als „Symbol der Gewalt“ nicht mehr im Spiel auftauchen.

Dies gilt sowohl für die Spielumgebung als auch die Action-Feed-Symbole.

 

Chinesische Behörden nahmen auch WoW ins Visier

World of Warcraft

Auch World of Warcraft machte Bekanntschaft mit den  Hütern der Moral (Quelle:flickr/Bago Games, licensed under CC 2.0)

 

Bereits im Jahr 2007 hatten chinesische Behörden für Aufsehen gesorgt, weil ihnen die Darstellung von Todessymbolen in einem Game nicht gefallen hatte. Damals hatte es „World of Warcraft“ getroffen: Die Macher mussten Skelette durch lebende Körper ersetzen, um weiterhin in China operieren zu dürfen. Die Erklärung der zuständigen Behörde damals: „Die Förderung einer harmonischen und gesunden Online-Umgebung.“

 

Unverständnis bei Spielern

 

Während das Unternehmen darauf verweist, dass die nun im Raum stehenden Maßnahmen dazu geeignet seien, mit allen Restriktionen einzelner Länder einherzugehen, regt sich unter den Usern massive Kritik.

Warum es nicht möglich sei, zwei Versionen am Markt zu haben, möchten so z.B. User der Plattform Reddit wissen, eine für den stark regulierten asiatischen Markt und eine in ihrer bisherigen Form.

Schließlich sei es aufgrund der restriktiven Regelungen in Bezug auf Videospiele in China überhaupt nicht möglich, eine weltweit anwendbare Version auf den Weg zu bringen.

 

Global einheitliche Version gar nicht möglich

 

Tatsächlich räumt ein Mitarbeiter der Firma ein, dass eine komplette Übereinstimmung tatsächlich unmöglich sei. Die asiatische Version des Spiels sei regional begrenzt und werde keinen Zugang zum weltweiten Datenpool des Spiels haben, antwortet er via Reddit (Link auf Englisch).

Zudem sei die Verwendung von VPNs, die in China nicht erlaubt sind, in dieser Version ausgeschlossen. Virtuelle private Netzwerke (VPN) erlauben es Nutzern, anonym im Netz unterwegs zu sein, indem sie auf verschlüsselte IP-Verbindungen zurückgreifen.

 

Einen weiteren Unterschied zwischen der chinesischen und anderen Versionen dürften die in den bisherigen Versionen enthaltenen Lootboxen sein.

Die In-Game-Käufe, die auch in Europa vermehrt im Verdacht stehen, ein nicht lizensiertes Glücksspiel zu sein, sind in China verboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ubisoft aber weltweit auf die Einnahmen durch Extrakäufe verzichten möchte, dürfte aber gering sein.

 

Profit auf Kosten der Spieler?

Chinesische Flagge

Die chinesische Spielversion wird noch restriktiver sein als die anderen (Quelle: SKOpp, wikimedia commons)

Übrig bleibt, dass Ubisoft einen verhältnismäßig kostensparenden Weg gefunden hat, nur noch auf einzelne regionale Unterschiede eingehen zu müssen. Den Fans stößt dieses Vorgehen in der Mehrzahl übel auf, sie möchten ihr Spiel nicht nach den Vorstellungen der chinesischen Moralwächter gestaltet sehen und kreiden Ubisoft die Entscheidung an.

 

Ein Termin für die Einführung von Rainbow Six Siege auf dem chinesischen Markt steht übrigens noch nicht fest. Seit März haben die chinesischen Aufsichtsbehörden keine neuen Spiele mehr zugelassen.