Der Rumäne Stefan Mandel konnte mit Mathematik und Unternehmergeist 14 Mal den Jackpot einer Lotterie knacken (Bild: Alejandro Garay / Unsplash).

14 Mal mit Mathe den Jackpot geknackt: Die Geschichte von Stefan Mandel

icon clock Lesedauer: 7 Min
Reaktionen: 48
  • 👍 5
  • 😃 5
  • 😍 5
  • 😮 33

Der rumänische Mathematiker Stefan Mandel hat 14 mal im Lotto gewonnen. Sein Geheimnis lautet nicht Glück, sondern Berechnung: Er machte mit seinem Jackpot System, das ihm die Höchstgewinne der Lotterien einbrachte, von sich reden.

Seine einfache Erfolgsformel bestand darin, auf alle Zahlenkombinationen zu setzen, um einen garantierten Gewinn zu erhalten. Möglich war dies mithilfe von genügend Kapital, dem automatisierten Ausfüllen von Lottoscheinen, den passenden Lotterie-Regeln und ausreichender Jackpot-Höhe.

Da sich die Regeln und Gewinnwahrscheinlichkeiten inzwischen geändert haben, lässt sich die Vorgehensweise heute nicht mehr anwenden. Spannend und faszinierend ist die Geschichte von Stefan Mandel trotzdem, denn jeder Lottospieler träumt davon, mit einem sicheren „Trick“ den Jackpot zu erlangen.

Wer ist Stefan Mandel?

Stefan Mandel wird 1934 in Rumänien geboren, das zu der Zeit eine kommunistische Regierung hat. Mit der Machtübernahme der Rumänischen Kommunistischen Partei (RKP, rumänisch PCR) ist die Politik zunehmend stalinistisch ausgeprägt. Der Tod Stalins 1953 bringt eine nationalkommunistische Wende und das Jahr 1965 schließlich die Diktatur unter Nicolae Ceaușescu. Kurz gesagt und milde ausgedrückt wächst Stefan Mandel in einer von Volksarmut geprägten Zeit auf.

Mandel hat als Ökonom für das staatliche Bergbauunternehmen ein spärliches Auskommen und ist auf der Suche, wie er auf ehrliche Weise sein Einkommen aufbessern könnte. Dabei beschäftigt er sich mit der Staatslotterie. Er will einen Weg finden, einen garantierten Gewinn zu erlangen. Mit einem Algorithmus und drei Freunden als weiteren Kapitalgebern steht der Plan und zu viert schaffen sie es, den Jackpot zu knacken.

Stefan Mandel nutzt seinen Anteil am Gewinn, um als gebürtiger Jude nach Israel auszuwandern, wo er eine Familie gründet. Doch nach wenigen Jahren zieht es ihn mit Frau und Kindern weiter nach Australien, wo er sich niederlässt und die Staatsbürgerschaft erlangt. In Australien gründet Mandel ein Unternehmen, um sich weiterhin systematisch mit Lotterien zu beschäftigen.

Über mehrere Jahre hinweg spielt Mandel mit seinem Unternehmen und Helfern in Lotterien in Australien und dem Commonwealth of Nations. Auf diese Weise gewinnt er 12 Jackpots auf legale Weise. Die Anpassung der Lotteriegesetze verhinder allerdings weitere Erfolge, sodass Stefan Mandel sich weiter international orientiert.

In den USA wird er fündig und ermittelt eine geeignete Lotterie im Bundesstaat Virginia. Mit entsprechender Vorbereitung gelingt ihm sein größter Coup, ein Jackpot Gewinn von 27 Millionen US-Dollar. Dank weiterer Gewinne in unteren Preisklassen beträgt die Gesamtsumme mehr als 30 Millionen US-Dollar.

Stefan Mandel verlegt seinen Wohnsitz in die Inselrepublik Vanuatu im Südpazifik vor der Küste Australiens und zieht sich aus dem Lotteriegeschäft zurück.

Der erste Lottogewinn von Stefan Mandel in Rumänien

Die Chancen auf einen Lottogewinn stehen eins zu einer Million, heißt es oft. Genau betrachtet liegt die Wahrscheinlichkeit auf einen Höchstgewinn beim deutschen Lotto 6 aus 49 beispielsweise bei 1 zu 139.838.160. Es gibt aber eine ganz einfache Methode, die Chancen zu erhöhen: Man spielt mehrere Zahlenkombinationen gleichzeitig in einer Ziehung. Wer den Jackpot gewinnen will, muss „nur“ auf alle Gewinnmöglichkeiten gleichzeitig setzen.

Genau so denkt Stefan Mandel in den 50er Jahren in Rumänien. Fünf Jahre lang stellt er Berechnungen an und studiert in der Bücherei Schriften und Formeln. Besonders der italienische Mathematiker Fibonacci hat es ihm angetan. Im Alter von 24 Jahren hat Mandel die Lösung gefunden: einen Weg, zumindest 5 der 6 Gewinnzahlen der rumänischen Lotterie mit Sicherheit zu treffen.

Er beschließt, sich auf 15 Gewinnzahlen festzulegen. Damit steigen seine Gewinnchancen von 1 zu rund 14 Millionen auf 1 zu 2.794. Das Problem: Um diese 15 Zahlen abzudecken, müsste er 5.005 unterschiedliche Spielscheine ausfüllen, wofür ihm das Kapital fehlt. Mandel verdient 360 Leu im Monat, was zu der Zeit rund 10 US-Dollar entspricht und gerade mal für ein gutes Paar Schuhe reicht.

Stefan Mandel entwickelt einen Algorithmus, welcher die Gewinnkombinationen verdichtet und damit die Anzahl reduziert, und zwar auf nur noch 569 einzelne Lotto-Spiele. Auch das kann sich Mandel nicht allein leisten und er gewinnt drei Freunde für die Sache. Gemeinsam legen sie zusammen und kaufen die nötigen Spielscheine. Ihre Chancen stehen gut, den zweiten Preis und hunderte weitere kleine Preise zu gewinnen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10 ist ihnen der Jackpot sicher.

Es kommt, wie man es sich wünscht und mit etwas Glück treffen sie tatsächlich alle sechs Gewinnzahlen und knacken den Jackpot. Sie teilen sich die Gewinnsumme von 72.783 Leu, was 18 Jahresgehältern entsprach!

Stefan Mandel als Jackpot-König in Australien

Stefan Mandel erfüllt sich mit seinem Anteil am Gewinn einen Traum und wandert aus. Nach kurzem Aufenthalt in Israel lässt er sich in Australien nieder und erlangt dort die Staatsbürgerschaft. Er will seine Strategie weiterhin im großen Stil umsetzen und gründet dazu ein Unternehmen. Durch seine Staatsbürgerschaft stehen ihm alle Länder des British Commonwealth of Nations offen, dem Australien zu der Zeit angehört.

Die erste Hürde, die Mandels Unternehmen überwindet, ist das Ausfüllen der Spielscheine. Hat er mithilfe eines Computers alle nötigen Zahlenkombinationen errechnet, druckt der Computer die nötigen Spielscheine automatisch aus.

Um die Kosten für die Spiele zu decken, wirbt Stefan Mandel um Investoren, die seinem Unternehmen das Geld vorstrecken. Nach dem Jackpot-Gewinn erhalten sie die Summe samt einer Prämie zurück.

Die nächste Hürde ist, eine passende Lotterie zu finden. Diese muss das Einreichen der gedruckten Spielscheine erlauben, die passenden Gewinnchancen aufweisen und einen entsprechend großen Jackpot haben. Es beginnt eine Art Katz-und-Maus-Spiel über mehrere Jahre: Mandel gewinnt mit seinem Unternehmen und einem Team einen Jackpot, die Lotterie ändert die Regeln, Mandel findet einen Ausweg und das Ganze beginnt von vorne.

Die Lotterien verbieten es zunächst, dass ein Spieler auf alle möglichen Zahlenkombinationen setzt. Mandels Lösung besteht darin, fünf verschiedene Mittelsleute damit zu beauftragen. Als auch das für illegal erklärt wird, kauft Mandel die Spiele als Unternehmen, was noch erlaubt ist.

Auf diese Weise schafft es Stefan Mandel, in Australien 12 mal den Jackpot einer Lotterie zu knacken. Damit bringt er es zu diesem Zeitpunkt auf insgesamt 13 Lottogewinne. Dann aber kann er aufgrund der vielen Regeländerungen keine geeignete Lotterie mehr finden.

Der Lotto Coup in Virginia in den USA

Stefan Mandel gibt aber nicht auf und orientiert sich international. Vor allem die USA mit ihren vielen Staatslotterien in den einzelnen Bundesstaaten interessieren ihn und er beginnt, diese einzeln zu studieren, welche Lotterie sich eignen könnte.

Nach vielen Berechnungen und langer Recherche wählt Stefan Mandel den US Bundesstaat Virginia aus. Die dortige Lotterie weist 7,1 Millionen mögliche Gewinnkombinationen aus. Mandel wartet aber noch auf den richtigen Zeitpunkt. Der Jackpot muss erst anwachsen, damit ihm im Falle eines geteilten Gewinns ein genügend großer Anteil bleibt.

Im Jahr 1992, als der Jackpot die gesetzte Marke von 25 Millionen US-Dollar übersteigt, ist es so weit. Der Plan von Stefan Mandel setzt sich in Bewegung. Sein Unternehmen druckt alle mehr als 7 Millionen Spielscheine in Australien aus und verschifft diese in die USA. Allein die Portokosten dafür betragen 60.000 US-Dollar! Im Vorfeld hat Mandel Deals mit Annahmestellen ausgehandelt, sodass die Millionen von Spielscheinen auf viele Stellen verteilt ankommen und per Scheck bezahlt werden.

Es ist wie im Film bei einem ausgeklügelten Raub oder Einbruch, den sich ein Mastermind ausgedacht hat, nur dass hier alles legal und mit rechten Dingen zugeht. Am Abend vor der Ziehung ist sich Stefan Mandel gewiss: Er wird den Jackpot gewinnen, sechs Gewinne in der zweiten Gewinnklasse, 132 in der dritten Gewinnklasse und Tausende weitere der kleinen Preise.

Die Gesamtgewinne betragen mehr als 30 Millionen US-Dollar, einschließlich des Jackpots von 27 Millionen US-Dollar. Es gibt keinen anderen Gewinner des Hauptpreises bei der Ziehung, sodass Mandel nur mit seinem Team und seinen Investoren teilen muss. 2.500 Geldgeber in Australien haben jeweils 2.500 US-Dollar vorgestreckt, sodass allein 6.250.000 US-Dollar an diese zurückfließen.

Stefan Mandel hatte auf der Südpazifik-Insel Vanuatu mit seinen Gewinnen ein schönes Auskommen (Bild: Fábio Hanashiro / Unsplash).

Stefan Mandel hatte auf der Südpazifik-Insel Vanuatu mit seinen Gewinnen ein schönes Auskommen (Bild: Fábio Hanashiro / Unsplash).

Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Gewinns

Für einen kurzen Moment hängt der Jackpot Gewinn in der Schwebe. Da es sich um eine internationale Aktion mit einem ausländischen Unternehmen handelt, ermitteln das FBI und die CIA gegen Stefan Mandel und seine Helfer, um festzustellen, ob es sich um Betrug, Geldwäsche oder sonstige Kriminalität handelt.

Auch der staatliche Lotteriekommissar von Virginia, Kenneth W. Thorson, äußert einen Verdacht und veranlasst eine Überprüfung. Schließlich bescheinigt er aber, dass Mandel und sein Team rechtmäßig vorgegangen sind und veranlasst die Auszahlung der Gewinne.

Er lobt Stefan Mandel und seine Helfer für ihren Erfindergeist sowie ihre Hingabe und Ausdauer in der Sache und hofft gleichzeitig, Mandel möge nicht zum Wiederholungstäter werden. Eine Änderung der Lotteriegesetze besiegelt dies und verhindert einen weiteren, derartigen Coup.

Wo und wie lebt Stefan Mandel heute?

Die Auszahlung des Virginia Jackpots erfolgt als 20 jährliche Zahlungen von jeweils 1,03 Millionen US-Dollar. Stefan Mandel nimmt sich ein „Beraterhonorar“ von 1,7 Millionen US-Dollar und verkauft dann das Recht auf die jährlichen Auszahlungen an eine US-amerikanische Versicherungsfirma für rund 14 Millionen US-Dollar. Nach den Ausgaben in Höhe von 5,5 Millionen US-Dollar und weiteren Kosten bleibt ihm davon rund die Hälfte.

Nach insgesamt 14 Jackpot Gewinnen zieht sich Stefan Mandel aus dem Lotteriegeschäft zurück und verlegt seinen Wohnsitz auf die Pazifik-Insel Vanuatu. Sein Unternehmergeist bleibt aber weiter bestehen und er gründet erneut ein Unternehmen, das Geldgeber um finanzielle Unterstützung beim Kauf von Territorium auf der Insel bittet.

Im Jahr 1995 erklärt Stefan Mandel Bankrott und versucht, über Geschäfte mit Investitionen erneut ein Vermögen aufzubauen. Dazu kehrt Mandel nach Israel zurück, allerdings ermittelt die dortige Börsenaufsicht gegen ihn als Geschäftsmann. Im Jahr 2002 zahlt er eine Kaution und lässt bei einer Flucht nach London Frau und Kinder in Israel zurück. Während seinem Aufenthalt in Großbritannien wird er in Israel in seiner Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 29.000 US-Dollar und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Die Anlage lautet, dass er und seine Geschäftspartner ihre Investoren nicht transparent über die tatsächlichen Gewinnchancen aufgeklärt hätten.

Stefan Mandel hat im Jahr 2020 ein Gerichtsurteil gegen ihn erfolgreich angefochten (Bild: Stefan Mandel).

Stefan Mandel hat im Jahr 2020 ein Gerichtsurteil gegen ihn erfolgreich angefochten (Bild: Stefan Mandel).

Aus dem Ausland geht Mandel gegen das Urteil mehrmals in Berufung, wird aber abgelehnt, da er als flüchtig gilt. Allerdings bestätigt der zweite Vorsitzende des obersten Gerichts, dass Stefan Mandel nicht in Abwesenheit hätte verurteilt werden dürfen.

Im Jahr 2020 lehnt Stefan Mandel ab, statt der Freiheitsstrafe gemeinnützige Arbeit zu leisten. Er will vor Ort in Israel mit seinem Anwalt neue Beweise vorlegen. Das Gericht bietet ihm 30 Tage Immunität, um den Prozess neu aufzurollen. Später im selben Jahr wird der Rechtsstreit beigelegt, ohne dass Stefan Mandel eine Haftstrafe absitzen muss.

Funktioniert die Strategie von Stefan Mandel auch heute noch?

Die enttäuschende und kurze Antwort vorweg: leider nein! Die Strategie von Mandel erforderte mehrere Voraussetzungen, um zu funktionieren.

Der garantierte Jackpot Gewinn muss alle Kosten abdecken, also den Preis für alle Spielscheine, den Versand der Scheine und die Entlohnung der Helfer.

Zusätzlich muss der Jackpot so groß sein, dass selbst im Falle eines mehrfach geteilten Gewinns (durch mehrere Gewinner mit denselben Kombinationen) kein Verlust durch die hohen Kosten entsteht.

Die Regeln der Lotterie dürfen das Vorgehen nicht verbieten, etwa das automatisierte Generieren der Spielscheine, das Einreichen durch Mittelsleute oder das Spielen aller möglichen Kombinationen an sich.

Damit ist auch klar, warum die Strategie von Stefan Mandel heute nicht mehr aufgeht. Die Lotterien haben ihre Regeln und die Ziehungen geändert. Viele Lotterien haben Gewinnwahrscheinlichkeiten von 1 zu mehreren Millionen für den Jackpot. In vielen Fällen ist es nicht mehr erlaubt, alle möglichen Zahlenkombinationen zu spielen. Bei derartigen Gewinnchancen würde ein garantierter Jackpot auch astronomische Kosten verschlingen.

Da inzwischen alle Lotterien ihre Regeln und Gegebenheiten entsprechend angepasst haben, bleibt Stefan Mandel der einzige Spieler, dem es gelungen ist, mit mehreren Spielscheinen den Jackpot durch das Setzen auf alle möglichen Kombinationen zu gewinnen.

Quellen:

  • https://www.npr.org/sections/money/2016/01/13/462982983/10-11-51-52-62-18
  • https://thehustle.co/the-man-who-won-the-lottery-14-times/
  • https://www.independent.co.uk/news/world/americas/how-to-win-lottery-romanian-mathematician-hacked-system-stefan-mandel-a8527556.html
  • https://jewishreview.co.il/holocaust-survivor-14-times-lottery-winner-5892/
  • share
    Copied
TAGS
LottoSpielerGlückWahre GeschichteJackpotGewinn
Jakob Straub
Jakob Straub Casino Experte

Buchautor und Branchenexperte Jakob schreibt seit 5 Jahren für CasinoOnline.de

Wie finden Sie den Artikel?

Comments are closed.