, 20.09.2019

Ein Spieler soll in einem Jahr 62.000 US-Dollar für Microtransaktionen für das Fantasy-MMORPG RuneScape ausgegeben haben. Dies brachte eine Studie über immersive und die Sucht fördernde Technologien hervor, die der Ausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport des britischen Ministeriums in der vergangenen Woche veröffentlichte.

 

Der Bericht enthüllt, dass das Ministerium von einer Familie kontaktiert worden sei, deren erwachsener Sohn beträchtliche Schulden von rund 62.000 US-Dollar für Microtransaktionen beim Spiel RuneScape angehäuft haben soll. Für die Familie bedeute dies einen erheblichen finanziellen Schaden.

Was ist RuneScape?

 

RuneScape ist eines der ältesten Online Spiele, die es derzeit auf dem Markt gibt. Das mittelalterliche Fantasy-MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game – Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel) wurde im Jahre 2001 von Jagex Game Studios veröffentlicht. Das Spiel in der Fantasie-Welt Gielinor, in der Spieler spannende Quests überstehen müssen, erfreut sich immer noch großer Beliebtheit.

 

Burg, Person, F2P and P2P

Die Spieler können sich zwischen zwei Varianten entscheiden. (Bild: youtube.com)

 

Die Spieler können zwischen zwei Varianten wählen. Es gibt die Free-to-play Variante Old School RuneScape sowie die Variante, die einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 10,99 US-Dollar erfordert und den Spielern mehr Funktionen, Quests, Fertigkeiten, Minispiele und Welten bietet. RuneScape kann auch mobil gespielt werden.

So gehe aus Kontoauszügen hervor, dass besagter Spieler an einem Tag fünf separate Zahlungen in Höhe von 309 US-Dollar an Jagex geleistet habe. Der Ausschuss des Ministeriums kritisierte, dass die Richtlinien des Unternehmens hinsichtlich der Gewährleistung des Spielerschutzes nur unzureichend seien.

 

Datenschutz als Hinderungsgrund für Präventionsmaßnahmen?

Jagex äußerte sich daraufhin zu den Vorwürfen. Kelvin Plomer, der Director of Player Experience, teilte dem Ministerium mit, dass Spieler höchstens 1.000 Pfund Sterling (ca. 1.136 Euro) oder 5.000 Pfund Sterling (ca. 5.600 Euro) pro Monat in RuneScape investieren könnten.

 

Allerdings habe in den letzten 12 Monaten nur ein Spieler dieses Limit erreicht. Die AGB erlaubten es den Spielern außerdem, eine Sperrung oder Löschung des Accounts zu beantragen.

 

Als ein Elternteil des Spielers sich an das Unternehmen gewandt habe, seien Jagex aus datenschutzrechtlichen Gründen jedoch die Hände gebunden gewesen, da nur mit den Kontoinhabern direkt verhandelt werden könne. Daher sei man nicht in der Lage gewesen, direkt auf die Bedenken der Eltern zu reagieren.

 

Aggressive Geschäftspraktiken: Beschwerden von Spielern häufen sich

Seit dem „Squeal of Fortune ” Update im Jahre 2012 häufen sich die Beschwerden der Spieler über mutmaßlich aggressive Geschäftsstrategien des Entwicklers. Spieler konnten bis zu 99,99 US-Dollar für 200 Drehs am Glücksrad investieren, um Waffen, virtuelles Geld oder Erfahrungspunkte zu erhalten.

 

Mikrotransaktionen, RuneScape

Manche Spieler geben viel Geld für Lootboxen in RuneScape aus. (Bild: youtube.com)

2014 begann Jagex, vermehrt auf Lootboxen zu setzen. Das Glücksrad wurde durch die Funktion „Treasure Hunter“ ersetzt.

 

Dieses Feature bietet Spielern die Möglichkeit, Schatztruhen mit erspielten oder gekauften Schlüsseln zu öffnen.

 

Ein Spieler aus Kanada, der sich ebenfalls an das Ministerium wandte, berichtete über seine fünfjährige Spielerfahrung und sagte, dass RuneScape die Spieler zu mehr Ausgaben geradezu ermutige:

„Ich habe über 2.000 Kanadische Dollar für virtuelles Guthaben und Spielfortschritt investiert. Darauf bin ich nicht stolz. Ich habe meine Kreditkarte in einer Nacht mit 500 Kanadischen Dollar belastet, um Erfolge freizuschalten und um hunderte von Stunden von Spielinhalten zu überspringen, die mir nicht gefallen haben. Und das war aufgrund einer Promotion, die sie hatten.“

Der Spieler berichtete weiterhin, er habe einmal 300 Kanadische Dollar (ca. 204 Euro) für Spielguthaben ausgegeben. Dieses habe er allerdings im Spielverlauf durch die Teilnahme bei einer Quest schnell wieder verloren.

 

Studie des britischen Parlaments zeigt Wirkung

Im April gab Jagex mit 115 Millionen US-Dollar im Jahr 2018 den höchsten Umsatz aller Zeiten bekannt. Das Unternehmen spricht von einem signifikanten Wachstum.

 

Die Veröffentlichung der Studie [Seite auf Englisch] löste allerdings eine Schockwelle in der Community aus und sorgte für Diskussionen, die die Geschäftspraktiken von Jagex anprangerten.

 

Spieler sprachen von einer Kombination besonders aggressiver Treasure Hunter-Aktionen, einem Mangel an Aktualisierungen und dem Gefühl, dass das Unternehmen sich nicht um seine Spieler kümmere. Es wird sich zeigen, ob Jagex seine Geschäftspraktiken überdenken wird.