, June 30, 2019

Vor einer Woche hat CasinoOnline.de über den Gambling Industry Report 2019 des amerikanischen Unternehmens iovation Inc. Berichtet. Anlässlich der in dem Bericht genannten steigenden Zahlen krimineller Aktivitäten gegen Online Casinos, haben wir die aktuell gängigsten und problematischsten Arten des Betrugs genauer unter die Lupe genommen.

 

Cyberkriminalität auf dem Vormarsch

Im Casino, ob offline oder online, möchte niemand betrogen werden, weder der Spieler noch der Betreiber des Glücksspiels. Doch seit sich ein gigantischer Teil des weltweiten Glücksspiels auf das Internet verlagert hat, ist es längst nicht mehr nur das berühmte Ass im Ärmel eines Schummlers, welches für Ärgernis sorgt.

 

Das Internet bietet eine große Angriffsfläche für Betrüger und Cyberkriminalität hat weltweit stark zugenommen. Online Casinos und Pokerräume berichteten in der Vergangenheit immer wieder von Attacken, die die Webseiten der Anbieter zum Teil komplett lahmlegten.

 

Die Kriminellen stehlen dabei oft empfindliche Kundendaten, mit denen sie die Casinos entweder direkt erpressen oder die an Dritte weiterverkauft werden. Für das betroffene Casino ist ein derartiger Vorfall nicht nur äußerst rufschädigend, sondern kann er kann auch gravierende rechtliche Konsequenzen haben.

Cyber-Angriffe beschränken sich dabei längst nicht auf Online Casinos. Im Jahr 2016 erlitt das kanadische Casino Rama Resort in Ontario einen schwerwiegenden Cyber-Angriff, bei welchem die Daten zahlreicher Kunden und Angestellten gestohlen wurden. Das Casino reagierte damals nicht auf die Erpressungsversuche und die Kriminellen veröffentlichten sämtliche Daten im Internet. Viele der Betroffenen taten sich daraufhin zusammen, um gegen das Casino wegen Fahrlässigkeit im Bereich Datenschutz zu klagen [Prozessdetails auf Englisch]. Erst im Juni dieses Jahres wies das Kammergericht Ontarios die Klage zu Gunsten des Casinos ab.

Auch der Bericht von iovation schnitt das Thema marginal an. So seien im Rahmen von Cyber-Attacken in den letzten zehn Jahren unzählige gestohlene Nutzerdaten im sogenannten Dark Net gehandelt worden. Zahlreiche Kundenkonten seien auf diesem Wege von Kriminellen für verschiedene Aktivitäten missbraucht worden.

 

Um derartigen Übergriffen vorzubeugen, sollten Casinos in Technologien investieren, die auf Geräte-Authentifizierung fokussieren. Die Programme sollen Alarm schlagen, sobald ein Konto von mehr als einem Endgerät und an mehreren geographischen Standorten bedient wird.

 

Kreditkartenbetrug und regional illegale Online Casinos

Zu den gestohlenen Daten aus Online Casinos zählen vor allem die Kreditkartendaten der Kunden. Geraten diese in kriminelle Hände, ist der Kunde selbst das größte Opfer des Betrugs.

 

Berichten zufolge hat jedoch auch eine andere Art des Kreditkartenbetruges in den letzten Jahren stark zugenommen. So klagten verschiedene Online Casinos, dass Spieler, nachdem sie beim Spielen online große Geldsummen verloren hätten, die Beträge auf gerichtlichem Wege zurückgefordert hätten.

 

verschiedene Kreditkarten

Kreditkartenbetrug ist eines der größten Probleme (Bild: Picpedia)

Die Kläger behaupteten, die Transaktionen und das Spiel nicht selbst durchgeführt zu haben, sondern Opfer von Datendieben geworden zu sein. Oft blieb den Casinos nichts anderes übriggeblieben, als die Verluste zurückzuerstatten.

 

Auch in Deutschland versuchen Kunden, ihre verlorenen Einsätze zurückverlangen. Dies scheint besonders hohe Verluste zu betreffen. Spieler aus Deutschland berufen sich im Rahmen ihrer Klagen darauf, dass Online Casinos hierzulande nach aktueller Gesetzeslage illegal sind.

 

Viele Anwaltskanzleien des Landes haben sich sogar auf derartige Klagen spezialisiert. Laut eigener Aussage einiger der Kanzleien sei die Erfolgsquote bei Klagen gegen Online Casinos sehr hoch, da diese um ihre Illegalität wüssten.

 

Potentielle Kläger müssen allerdings zum einen die Anwalts- und zum anderen die mitunter hohen Prozesskosten in Kauf nehmen, falls der Prozess sich zu Gunsten des Casinos entscheidet. Rechtsschutzversicherungen in Deutschland greifen bei Glücksspiel-Angelegenheiten nämlich grundsätzlich nicht.

 

In unserem Nachbarland Österreich wird das Thema ähnlich gehandhabt. Erst im Oktober letzten Jahres kam es zu einem interessanten Gerichtsprozess, der darin resultierte, dass der Glücksspielanbieter Novomatic einem Spielsüchtigen 2,5 Mio. Euro zurückerstatten musste.

 

Tricksereien im Online Poker

Wenn es um die verschiedenen Arten der Online Glücksspiele geht, wird vor allem im Bereich des Online Pokers gern getrickst und betrogen. Laut iovation beispielsweise habe es im Jahr 2018 knapp 125.000 derartiger gemeldeter Fälle gegeben (im Jahr 2012 seien es lediglich 10.000 gewesen).

 

Poker Chips weiß rot grün schwarz

Spieler verlieren absichtlich Chips beim Pokern (Bild: Wikimedia)

Vor allem die sogenannte Collusion sei eine gängige Methode unaufrichtiger Spieler. Hierbei sprechen sich mindestens zwei Spieler untereinander ab, damit einer absichtlich seine Chips verliert, die gezielt dem anderen zugehen. Gerade in Großturnieren poolen Spieler so ihre Chips, um die Gewinnchancen für einen bestimmte Spieler zu erhöhen. Die Gewinnsumme wird dann geteilt.

 

In Online Pokerräumen sind derartige Absprachen unter Spielern absolut verboten. Praktisch jedoch bestehen nur wenige Möglichkeiten, diese Fälle nachzuweisen und aufzudecken.

 

Auch hier bedarf es für die Zukunft möglicherweise besserer Technologien. Schließlich ist Fair Play im Interesse aller Spieler und Betreiber. Wie sich die Cyberkriminalität in Bezug auf Online Casinos in den nächsten Jahren wandeln wird, bleibt abzuwarten.