, 26.09.2018

Am heutigen Mittwoch findet der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht statt. Regionale Initiativen und Beratungsstellen auf Länderebene wenden sich an die Öffentlichkeit, um auf Gefahren des Glücksspiels aufmerksam zu machen und Hilfsangebote vorzustellen. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Deutsche Automatenwirtschaft unterstützen die Aktion.

 

Auf Initiative der 16 Bundesländer machen Suchthilfeeinrichtungen mit unzähligen Aktionen im gesamten Bundesgebiet auf die oft unterschätzten Risiken im Bereich des Glücksspiels aufmerksam.

 

Besonderer Schwerpunkt des Aktionstages gegen Glücksspielsucht ist in diesem Jahr die öffentliche Werbung für Glücksspiele. Diese dient zwar eigentlich dazu, neue Kunden zu gewinnen, stellt aber vor allem für Menschen, die ein problematisches Spielverhalten zeigen, eine Gefahr dar.

 

Zudem sehen Experten die offensive Werbung für Glücksspielangebote, z.B. auf öffentlichen Verkehrsmitteln, als problematisch im Sinne des Jugendschutzes. Zwar darf sich Werbung für Glücksspiele nicht explizit an Jugendliche wenden, tatsächlich sind diese aber besonders gefährdet, wie Konrad Landgraf, der Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern, mit Sorge zu bedenken gibt:

 

Gerade Jugendliche, die per Gesetz in besonderem Maße vor den Risiken des Glücksspielens geschützt werden sollen, erreicht diese aggressive Form der Werbung sehr schnell und wirksam.

 

In Rahmen des Aktionstag gegen Glücksspielsucht setzen die Teilnehmer auf öffentlichkeitswirksame Aktionen, um auf die oft unterschätze Gefahr des pathologischen, also krankhaften Glücksspielverhaltens aufmerksam zu machen.

 

Breites Bündnis – öffentlichkeitswirksame Auftritte

 

Unter dem Motto „Spielsucht – kommt mir nicht in die Tüte“ nehmen allein in Baden-Württemberg über 200 Bäckereifilialen in Baden-Württemberg an der Aktion teil. Sie versorgen ihre Kundschaft heute nicht nur mit Backwaren, sondern auch mit Bäckereitüten, deren Aufdruck über Hilfs- und Präventionsangebote im Bereich der Glücksspielsucht informiert.

 

Für die meisten Menschen bleibt Glücksspiel ein Freizeitvergnügen ohne negative Folgen. Bei einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben 37,3 Prozent der Befragten im Alter zwischen 16 und 70 Jahren an, in den letzten zwölf Monaten ihr Glück bei mindestens einem der abgefragten Glücksspiele herausgefordert zu haben.

Dennoch kann das Spiel um Geld, das in erster Linie vom Zufall und nicht von Kompetenz oder Wissen der Spieler abhängt, auch verheerende Folgen haben.

Der Übergänge vom „normalen“ Spielverhalten zum problematischen bis hin zur Sucht sind fließend.

 

Derzeit geht die BZgA in Deutschland von 326.000 Menschen aus, deren Spielverhalten problematische Züge aufweist. Bei weiteren 180.000 liegt die Spielsucht laut Studie als pathologische Erkrankung vor.

 

Zur Verfügung gestellt werden die Materialien zum Aktionstag gegen Glücksspielsucht in Baden-Württemberg vom Landesgesundheitsamt und dem Ministerium für Soziales und Integration. Die Kampagne trägt den Titel „Spielverderber – die Sucht verdirbt mehr als nur das Spiel“.

 

In Sachsen setzt man im Rahmen der Aktion für die kommenden zwei Wochen auf das Verteilen von 76.000 Informationskarten durch Akteure der Suchthilfe. Das Ziel ist laut Sächsischer Landestelle „eine Sensibilisierung für die Gefahr dieser Sucht, die zu psychischen und sozialen Problemen wie Depressionen, Schulden, familiären und beruflichen Beeinträchtigungen führt“.

 

99 Luftballons – Spielsucht und Haft in NRW

 

Jugendlicher mit Hoodie und Handschellen

Thema in Neuss: Spielsucht und Haft (Quelle:pixabay/Alexas_fotos)

In NRW wendet sich die Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas im Rhein-Kreis Neuss erstmalig mit einer besonderen Aktion an die Öffentlichkeit. Unter dem Motto „99 Luftballons aus der JVA – Fragen an die „freie“ Gesellschaft“ lässt die JVA Düsseldorf 99 Ballons aufsteigen. An ihnen sind Karten befestigt, auf denen sich Gefangene der JVA mit den Themen Glücksspielsucht, Kriminalität und Therapiemöglichkeiten für inhaftierte Glücksspielsüchtige auseinandersetzen. Die Finder haben die Möglichkeit, die Luftpost zu beantworten und an die Fachstelle zurückzusenden.

 

Weitergeführt wird die Aktion auf dem Neusser Marktplatz, wo Interessierte die Möglichkeit erhalten, sich mit den Lebensgeschichten und Erfahrungsberichten der Inhaftierten auseinanderzusetzen.

 

Unterstützung von der Glücksspielbranche

 

Neben den diversen Anlaufstellen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den direkt und indirekt von Spielsucht Betroffenen Hilfe anzubieten und Präventionsmaßnahmen zu etablieren, unterstützt auch die Industrie den Aktionstag gegen Glücksspielsucht.

So zeigt tritt auch WestLotto, der staatliche Lotterieanbieter in Nordrhein-Westfalen, als Partner der NRW-Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht auf und betont die wichtige Rolle des Verbraucherschutzes in Bezug auf Glücksspielangebote.

Unterstützung erhält der Aktionstag gegen Glücksspielsucht auch von der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW). Georg Stecker, der Vorstandssprecher des Dachverbandes der deutschen Spielautomatenbranche, erklärt den Spielerschutz zum hohen Gut:

 

Mit spielsüchtigen Menschen wollen wir kein Geld verdienen. Deshalb setzen wir uns selbst Ziele für den Spielerschutz, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen. Wir fordern in ganz Deutschland Zutrittskontrollsysteme für Spielhallen, am besten biometrisch, und in allen Ländern eine gesetzliche Verankerung der unabhängigen Spielhallen-Zertifizierung. Eine bundesweite Sperrdatei ist zwingend notwendig, um Süchtige vor sich selbst zu schützen.

 

Ebenfalls mit an Bord ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Im Rahmen der Kampagne „Check Dein Spiel“ richtet sie sich insbesondere an junge Spieler. So bietet sie einen Online-Selbsttest an, mit dem Interessierte überprüfen können, inwieweit ihr Spielverhalten bereits problematische Züge aufweist und hilft Betroffenen und ihren Angehörigen und Freunden über eine kostenlose Hotline.